Ab dem 21. September wird sonntags eine Boeing 777 – das grösste zweistrahlige Verkehrsflugzeug der Welt – um die Mittagszeit von Amsterdam her am EAP landen und um 14.10 Uhr Richtung Dubai starten.

Der Emirates-Frachtflug ergänzt den seit Jahren einzigen «Stammgast» bei den Vollfrachtern, die Boeing 777 von Korean Air Cargo. Der Start der Riesenmaschine am Sonntagabend zählt zu den grössten optischen Attraktionen und auch grössten akustischen Ärgernissen am Basler Flughafen.

Neuer Terminal ist der Treiber

Die Anzahl der Vollfrachter soll stark ansteigen: von den erwähnten ein bis zwei Flügen pro Woche auf bis zu 20 im Jahr 2020. Dies teilt EAP-Sprecherin Vivienne Gaskell auf Anfrage der bz mit. 2013 wurden per Vollfrachter am EAP lediglich 5500 Tonnen umgeschlagen, was nur 6 Prozent der Gesamtfrachtmenge entsprach. Dieser Wert könnte bis 2020 um das Zehn- bis Zwanzigfache ansteigen.

Wachstumstreiber bei den Vollfrachtern ist der neue Cargo-Terminal, der Anfang 2015 seinen Betrieb aufnimmt. Dank unterbrechungsfreier Kühlkette und effizienterer Arbeitsabläufe soll der EAP attraktiver für die Cargo-Kunden werden, vor allem für die Pharmaindustrie. Bis 2020 will der EAP die Hälfte des gesamten Luftfrachtaufkommens der Region abdecken. Derzeit beträgt dieser Anteil bloss 20 Prozent.

Zwar setzt der Streit um den Rechtsstatus des Flughafens Fragezeichen hinter künftige Entwicklungen. Beim EAP mag man die Prognosen zum Frachtgeschäft gleichwohl nicht nach unten korrigieren: «Wir gehen davon aus, dass – so wie in der Vergangenheit – eine Lösung gefunden wird», sagt Gaskell.

Bei der Expressfracht, die mit kleineren Flugzeugen wie der Boeing 737 oder 757 durchgeführt wird, erwartet der Flughafen höchstens ein kleines Wachstum. Heute registriert der EAP täglich vier Expressfrachtflüge, die von Logistikunternehmen wie DHL, Fed Ex oder UPS betrieben werden. Bis 2020 soll ein zusätzlicher Flug pro Tag hinzukommen; das erwartete Tonnagen-Wachstum von zwei bis drei Prozent pro Jahr könne mehrheitlich mit dem Einsatz grösserer Flugzeuge aufgefangen werden, sagt Gaskell.

83 Dezibel in Neuallschwil

Gemessen am Gesamtverkehrsaufkommen fallen die Frachtflüge rein zahlenmässig kaum ins Gewicht. Dennoch tangieren die Grossfrachter die Menschen im Umfeld des Flughafens; dies, weil sie in der Abflugphase aufgrund ihres Gewichts mehr Zeit benötigen, bis sie Höhe gewinnen, und somit in Bodennähe mehr Lärm erzeugen.

Die Reinacher Biologin Katrin Joos Reimer gilt als dossierfeste Flughafenkritikerin. Sie rechnet vor allem im Gebiet Neuallschwil mit einer weiteren Zunahme sehr lauter Überflügen. Die Boeing 777 gelte als modernes, im Vergleich zu anderen Flugzeugen dieser Grösse leises Modell.

Für die Bevölkerung ein kleiner Trost: «Diese Maschine schlägt in Neuallschwil regelmässig mit 83 Dezibel an», sagt Joos Reimer. Problematisch sei, dass die Zahl der lauten Überflüge – namentlich bei Passagierflugzeugen – im Vergleich zur Gesamtverkehrsentwicklung überproportional zugenommen habe. Die Flugzeuge werden im Durchschnitt immer grösser. Joos Reimer ist überzeugt, dass 20 Frachtflüge pro Woche der für den EAP festgelegte Lärmbelastungskataster des Bundesamts für Zivilluftfahrt gesprengt wird.

Daneben verweist Joos Reimer auf das steigende Gruppenrisiko durch die zunehmende Anzahl Vollfrachter. Zwar ist das Absturzrisiko selbst im Umfeld eines Flughafens sehr gering. Für den Flughafen Zürich bedeutet dies eine statistische Wahrscheinlichkeit von einem Absturz auf 1,5 Millionen Flüge. Allerdings macht es einen entscheidenden Unterschied, ob in bewohntem Gebiet ein Grossfrachter oder ein kleines Passagierflugzeug in Flammen aufgeht.

Aufschlussreich ist folgender Vergleich: Ein Airbus 320 von Easyjet verfügt vollgetankt – wie beim Start über Basel-West und Allschwil – über maximal 30'000 Liter Kerosin. Bei einer Boeing 777 von Korean Air sind es dagegen 180'000 Liter.