Herr Suhr, die Anrainer des Flughafens laufen Sturm, weil die Lärmbelastung im Süden und
Südwesten insbesondere zwischen 23 und 24 Uhr zugenommen hat. Warum eigentlich?

Matthias Suhr: Im Allgemeinen ist die Lärmbelastung am Euro-Airport in den vergangenen Jahren trotz steigender Passagierzahlen stabil geblieben. Zwischen 23 und 24 Uhr haben wir im Jahr 2017 indes eine Zunahme von 10 Prozent verzeichnen müssen. Dies ist hauptsächlich auf schwierige Windverhältnisse zurückzuführen, auf eine Zunahme von Expressfrachtflügen zu dieser Stunde und auf eine Häufung verspäteter Flüge. Das Flugnetz in Europa wird immer dichter und ist derart eng bemessen, dass bereits die kleinste Verspätung grosse Auswirkungen auf den gesamten Flugplan haben kann.

Um welche Fluggesellschaften handelt es sich im Falle des Euro-Airports?

Es kam zum Beispiel bei Easyjet im Sommer 2017 zu einigen Verspätungen von Maschinen, die nicht am Euro-Airport stationiert sind und deshalb noch zu später Stunde zum Heimflughafen weiterfliegen mussten. Deshalb sind wir froh, dass die Airline in diesem Jahr zwei weitere Maschinen hier stationieren wird. Das ist eine Massnahme, um das Aufkommen zu den sensiblen Zeiten zu verkleinern. Es ist ja auch im Interesse der Airline, solche heiklen Situationen auf ein Minimum zu reduzieren.

Sie haben solche «situationsgerechte Lösungswege» angekündet. Was gibt es für weitere Massnahmen?

Wir haben in den vergangenen Wochen viele gute Gespräche geführt, etwa mit den Expressfracht-Gesellschaften. So haben wir zum Beispiel bei DHL erreicht, dass ein Flug auf 22.30 Uhr vorverlegt werden konnte, der eigentlich erst auf nach 23 Uhr angesetzt worden war. Zudem investiert Easyjet laufend in die Erneuerung ihrer Flotte, in Maschinen mit deutlicher Lärmreduktion. Es sind kleine Schritte, aber Sie sehen: Wir unternehmen viel, um die Situation zu entschärfen.

Den Anrainerverbänden reicht dies nicht. Sie fordern eine Ausweitung der Nachtflugsperre, eine Plafonierung der Flugbewegungen und eine Abschaffung lärmintensiver Kurvenflüge.

Diese Forderungen erachten wir als unrealistisch und nicht umsetzbar. Soll der Flughafen auch in Zukunft dem Bedürfnis der Erreichbarkeit dieser Region entsprechen können, muss ein gewisses Mass an Flexibilität gegeben sein. Ausserdem: Bei einer Ausweitung der Nachtflugsperre würde der Euro-Airport für Easyjet, der stärksten Airline hier mit einem Marktanteil von 60 Prozent, deutlich an Attraktivität einbüssen. Die Fluggesellschaft ist nach wie vor auf diese Nachtstunden angewiesen.

Würde Easyjet dem Euro-Airport den Rücken kehren?

Davon ist auszugehen. Im Jahr 2016 verliess Easyjet sowohl die Betriebsbasis in Rom als auch Madrid. Ein weiteres Beispiel: Hamburg. Erst 2014 hat die Airline eine eigene Basis eröffnet, in diesem Jahr zieht sie sich wieder weitgehend zurück. Man habe die Ziele nicht erreicht, hiess es. Easyjet fackelt nicht lange, wenn die Profitabilität und das Umfeld nicht stimmen. Sie nennt sich nicht umsonst Low-Cost-Airline.