Boeing B 737-500

Euro-Airport sucht Boeing zum Anzünden – aber nicht irgendeine

Einsatz in der Kabine: Ein Feuerwehrmann am Flughafen Bern-Belp prüft den Ernstfall. Der Euro-Airport hat für solche Zwecke eine Fokker 27 – noch.

Einsatz in der Kabine: Ein Feuerwehrmann am Flughafen Bern-Belp prüft den Ernstfall. Der Euro-Airport hat für solche Zwecke eine Fokker 27 – noch.

Der Flughafen hat den Auftrag für ein neues Flugzeugs für die eigene Feuerwehr ausgeschrieben. Die Anforderungen sind hoch. Die Fokker 27, mit der derzeit auf dem Euro-Airport geübt wird, ist am Ende seiner Lebenszeit angekommen.

Es ist selten, dass ein Flughafen ein Flugzeug kaufen will. Genau das hat der Euro-Airport (EAP) vor. Er sucht eine Boeing 737-500 für eigene Zwecke. Das Flugzeug soll der Flughafen-Feuerwehr dienen. Die übt derzeit noch mit einer Fokker 27. Doch das Wrack ist am Ende seiner Lebenszeit angekommen.

Der Euro-Airport hat die Beschaffung öffentlich ausgeschrieben. Dazu ist er als binationales Unternehmen, das sich auch im Eigentum der Kantone Baselland und Basel-Stadt befindet, verpflichtet. Der Airport verknüpfte den Auftrag für die Lieferung eines neuen Flugzeugs gleich mit der Entsorgung der alten Maschine. In der Ausschreibung, die auch in den jeweiligen kantonalen Amtsblättern beider Basel erschienen ist, wird ein Händler gesucht, der «ein Verkehrsflugzeug am Ende seiner Lebensdauer auf das Gelände des Flughafens Basel-Mulhouse» liefern kann. Der Auftrag umfasse «auch die Demontage und Entsorgung des Fokker-27-Wracks».

Boeing 737-500 von Luxair.

Boeing 737-500 von Luxair.

Das günstigste Angebot erhält den Zuschlag. Interessierte hatten bis zum 19. November Zeit, ihr Angebot einzureichen, entweder als PDF-Dokument oder in Papierform, in einem «verschlossenen Umschlag mit dem Vermerk: ‹Nicht öffnen – Bewerbung für Lieferung eines Altflugzeuges›».

Airbus sind Mangelware auf dem Second-Hand-Markt

Der Flughafen will den Kauf mit eigenen Mitteln finanzieren. Die Submission befindet sich bereits in der zweiten Phase. Die Bewerber, die für die eigentliche Ausschreibung zugelassen wurden, haben noch bis zum 13. Dezember Zeit, ihre Unterlagen zu übermitteln.

Der Flughafen sucht explizit eine Boeing B 737-500. Das habe seinen Grund, sagt Flughafensprecherin Vivienne Gaskell auf Anfrage: Dieser Flugzeugtyp sei einem Airbus A 319 oder einem A 320 sehr ähnlich, und diese beiden Typen würden am EAP am häufigsten eingesetzt. Unter anderem schwört Easyjet, Platzhirsch am EAP, auf Flugzeuge des europäischen Konsortiums. Der A 320 ist das mit Abstand häufigste Modell in der Flotte der Billigfluggesellschaft.

Dass man nicht direkt nach einem Airbus suche, habe schlicht mit dem eingeschränkten Angebot an Altflugzeugen zu tun, sagt Gaskell weiter: «Eine Boeing B 737-500 ist einfacher auffindbar als ein Airbus A 320.» Nochmals eine Fokker zu beschaffen, war laut Gaskell keine Option: «Sie entspricht nicht mehr dem gängigen Flugzeugtyp bei uns.»

Eine weitere Bedingung an mögliche Anbieter: Das Übungsobjekt muss noch flugtauglich sein. Denn der Hintransport kann kaum über Strassen erfolgen. Dazu müssten zumindest die Tragflächen demontiert werden. Gaskell sagt: «Wir suchen nach einem Händler, der uns ein noch fliegendes Gebrauchtflugzeug verkaufen kann und an den noch funktionierenden Flugzeugteilen – Motor, Bordelektronik und weitere Komponenten – zum Wiederverkauf interessiert ist. Somit würde das Flugzeug bei uns landen.»

Der Händler würde danach die Flugzeugteile zum Wiederverkauf ausbauen und abtransportieren. «Übrig bleibt für die Flughafenfeuerwehr das Gehäuse mit Sitzplätzen und entsprechender Ausstattung zum täglichen Üben von Bränden, Evakuation und Entrauchung.» 

Passagierrekord beschert Feuerwehr mehr Arbeit

Die Flughafen-Feuerwehr muss innerhalb von drei Minuten an jedem Einsatzort innerhalb des gesamten EAP-Geländes sein. Sie hat ihre Infrastruktur stark ausgebaut. Vor drei Jahren erst eröffnete der Flughafen ein neues Übungsgelände. Im selben Jahr beschaffte er vier Feuerlöschfahrzeuge der neuesten Generation samt Schneepflugvorrichtungen. Kosten dieser Investition: 7,5 Millionen Euro.

Der Ausbau hat auch mit dem starken Wachstum des binationalen Flughafens zu tun. Die Verantwortlichen rechnen damit, 2019 die Marke von neun Millionen Passagieren erstmals knacken zu können. Noch 2016 hatte der Airport noch 6,5 Millionen Passagiere begrüssen dürfen. Direktor Matthias Suhr träumt von neuen Langstrecken-Verbindungen.

Die SSLIA – die Abkürzung steht für «Service de Sauvetage et de Lutte Contre les Incendies d’Aéronefs» – ist aber nicht «nur» für Brände und Unfälle zuständig. So enteist sie etwa im Winter Pisten, und eine ihrer Daueraufgaben ist es, den Anflugbereich möglichst von Vögeln freizuhalten.

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