Mein Leben im Dreiland
Euro-Prospekte sind neu verboten

Am Badischen Bahnhof dürfen seit Anfang 2016 keine Broschüren ohne Angaben der Preise in Schweizer Franken mehr ausliegen.

Peter Schenk
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Peter Schenk
Die Last-Minute Broschüre hat Franken-Preise Neu ist die Broschüre für Last-Minute Reisen mit der Deutschen Bahn für den Badischen Bahnhof in Franken produziert worden. Euro-Preise sind seit Anfang Jahr verboten.

Die Last-Minute Broschüre hat Franken-Preise Neu ist die Broschüre für Last-Minute Reisen mit der Deutschen Bahn für den Badischen Bahnhof in Franken produziert worden. Euro-Preise sind seit Anfang Jahr verboten.

Peter Schenk

Manchmal passieren Sachen, die sind kaum zu glauben. Seit Urzeiten leben wir in Basel mit dem Badischen Bahnhof, wo viele Kunden bei der Deutschen Bahn (DB) Reisen nach Deutschland buchen. Neuerdings aber herrscht in vielen Regalen gähnende Leere. Kürzlich hat mir ein Kunde geschrieben: «Ich war heute im Badischen Bahnhof im DB Reisezentrum und wollte mich wie immer mit neuen Flyern und Prospekten der DB eindecken. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich alle Fächer leer vorfand, und ein grosser Zettel darauf hinwies, dass nach einem neuen schweizerischen Gesetz keine Prospekte aufgelegt werden dürfen, die nur Euro-Preisangaben beinhalten.»

Der Herr hat sich ziemlich aufgeregt: «Soweit sind wir also schon mit unserer Kleinkariertheit: Jedem Kunden im Reisezentrum der DB ist doch völlig klar, dass die Preise in den Prospekten in Euro und nicht in CHF angegeben werden. Ich finde dies nun wirklich lächerlich, kundenunfreundlich – sind wir nun mündige Bürger oder verkauft uns die Obrigkeit in der Schweiz für unfähig?»

Unterstützung erhält er von Willi Rehmann von Pro Bahn NWCH. «Wieder mal so eine typisch eidgenössische Überperfektion? Sie erinnert mich stark an die vom Euro-Airport verbannten Postomaten inklusive Postcard als Zahlungsmittel, Grund: EAP ist Ausland! Diese einfältige Kleinkrämerei hier ist kaum noch auszuhalten ...»

Ich habe anschliessend bei der DB im Badischen Bahnhof nachgefragt. Tatsächlich bestätigt DB-Vertreter Dieter Reith: «Die zum 1.1.2016 eingetretenen Änderungen in der ‹Verordnung vom 11.12.1978 über die Bekanntgabe von Preisen (PBV)› haben uns gezwungen, Prospekte, die ausschliesslich Euro-Preise beinhalten, aus der Auslage zu entfernen.» Und weiter: «Im DB-Reisebüro werden bereits Preisumrechnungstabellen EUR/CHF eingesetzt, jedoch ist diese Variante nicht für jeden Prospekt praktikabel. Die Last-Minute-Broschüre von Ameropa wurde von Ameropa-Reisen für die Monate März/April in Schweizer Franken produziert. Ob dies jedoch generell künftig so sein wird, steht noch nicht fest. Wir bedauern diesen Umstand selber, sind aber an die schweizerische Gesetzgebung gebunden.»

Ich habe mich beim Staatssekretariat für Wirtschaft Seco schlau gemacht. Tatsächlich gibt es ein Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb mit einem Informationsblatt vom 1. Januar 2016. Darin heisst es zu Pauschalreisen, dass die tatsächlich zu bezahlenden Preise in Schweizer Franken bekannt gegeben werden müssen. Ferner ist ausländischen Reisekatalogen in Fremdwährungen eine Preisumrechnungstabelle beizufügen. Der verwendete Wechselkurs und die Gültigkeitsdauer sind auf der Tabelle anzubringen.

Beschwerden habe das Seco bisher vor allem erhalten, weil Preise in Fremdwährung angegeben wurden. Für Grenzregionen könne man aus Gründen der Rechtsgleichheit keine Ausnahme machen, so die Medienstelle. Ihnen werde durch die Möglichkeit einer zusätzlichen Preisangabe in Fremdwährung Rechnung getragen.