Basler Polizei

Europa-League-Final: Baschi Dürr zeigt keine Spur von Selbstkritik

Baschi Dürr

Baschi Dürr

Pleiten, Pech und Pannen scheinen für Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) kein Problem zu sein. Unerwähnt liess er bei der Ansprache im Parlament die interne Kritik aus der Basis der Basler Polizei und die explodierten Sicherheitskosten.

Nein, wirklich zufrieden war Beatrice Isler nicht mit den Erklärungen von Polizeidirektor Baschi Dürr. Und die CVP-Grossrätin machte gestern im Basler Kantonsparlament auch keinen Hehl daraus. Das «Gefühl eines Ungleichgewichts» zwischen dem Kader der Basler Polizei und der Basis bleibe. FDP-Regierungsrat Dürr will davon aber nichts wissen.

Es waren gerade die Ereignisse rund um den Europa-League-Final von Mitte Mai, die den Graben deutlich machen: Während sich das Kader kurz nach Abpfiff bei einem Essen feierte, mussten Berner Polizisten in ihren Kastenwagen übernachten. Eine Genfer Einheit soll 16 Stunden nonstop im Einsatz gewesen sein. Sie sei schlicht vergessen worden, hatten Polizisten damals erklärt. Gesamteinsatzleiter Martin Roth dagegen schwärmte im Personalmagazin: «Die Zusammenarbeit mit allen Sicherheitspartnern funktionierte ohne Ausnahme hervorragend.» Im Korps kam das nicht gut an. Doch: Scheinbar unbeeindruckt setzte das Kader noch einen oben drauf und gönnte sich gleich eine doppelte Belohnung.

Am Tag nach dem Finalspiel im Basler St. Jakob-Park liessen die 30 Kadermitarbeiter vom «Kernstab Sicherheit» eine zweite Feier steigen, inklusive Flug im Oldtimer-Flugzeug. Kostenpunkt: 10 000 Franken. Bei der Basis ist der Ärger gross. Das Korps fühle sich wenig wertgeschätzt. Das Kader schaue vor allem auf sich. Mehrfach hatten sich Polizisten bei der bz gemeldet und weitere Beispiele genannt.

Nur bereits Bekanntes bestätigt

Wer im Parlament von Dürr Selbstkritik erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Das Finalspiel sei für die Basler Polizei der grösste Einzeleinsatz ihrer Geschichte gewesen, betonte er in seiner Antwort auf die Interpellation von Grossrätin Isler. Alle Beteiligten hätten als Anerkennung und Erinnerung einen Badge und einen speziell gestalteten Fussball erhalten. Dürr bestätigte einzig bereits Bekanntes: Dass rund 80 Kadermitarbeiter zudem zu einem Nachtessen eingeladen wurden, der «Kernstab Sicherheit» ausserdem zu dem Rundflug.

Kein Wort sagte Dürr zu den Pannen rund um den Grossanlass sowie der internen Kritik. Und mit keinem Wort erwähnte er die Sicherheitskosten, die gleich um das Dreifache angestiegen waren und nachträglich von der Regierung bewilligt werden mussten – was die Doppel-Belohnung für das Polizeikader in einem besonders schiefen Licht erscheinen lässt.

Das sieht Dürr anders: Wegen des ausserordentlichen Einsatzes könne es die Regierung nachvollziehen, dass Polizeikommandant Gerhard Lips die ausserordentliche Aktion mit dem Rundflug bewilligt hatte. Da hatte sich Lips im bz-Interview im Juli selbstkritischer gezeigt: «Nach der laut gewordenen Kritik würde ich heute im Zweifelsfall dies eher nicht mehr bewilligen.»

Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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