Keiner entkam dem Trubel: Am Mittwoch war Basel im Fussballfieber. Der Europa-League-Final stellt den grössten diesjährigen Sportevent in Basel dar. Kurzzeitig diente der St. Jakob-Park als europaweite Bühne. Daher war auch das Aufgebot riesig. Für die Sicherheit von Basel leisteten rund 1500 Polizisten aus der Schweiz und Deutschland ihren Einsatz bis spät in die Nacht. «Der grösste Polizeieinsatz, den Basel bisher gesehen hat», sagt Guy Morin.

Zu Gast waren insgesamt 25'000 Personen – 18'000 aus Liverpool und 7000 aus Sevilla. 8000 verfolgten den Match in Public-Viewing Zonen. Auch etliche Zuschauer aus Basel und der Region kamen, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Das hatte Konsequenzen: Abfall soweit das Auge reicht! «Wir hatten einiges zu tun», informiert Peter Schär, Leiter der Stadtreinigung. Von 04.00 Uhr morgens bis 06.00 Uhr und am Barfi sogar bis 08.00 Uhr säuberten die 50 Personen der Stadtreinigung Basel. 16 Tonnen Abfall wurden von den Strassen entfernt. Ein Siebenschläfer hätte schon am Donnerstagmorgen nichts mehr von der Aufregung mitbekommen. Basel präsentierte sich am Tag nach dem Final wieder sauber. «Der Alltag von Basel konnte am Morgen ungehindert seinen Lauf nehmen», versichert Schär, dank der Stadtreinigung. «Es ist überraschend gut gegangen», kommentiert er die Arbeit.

UEFA-Finale: Basel im Ausnahmezustand

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Vor dem Finale versammelten sich die Fans der gegnerischen Teams aus Liverpool und Sevilla in der Innnenstadt.

Petrus putzt und sichert

Bei der Reinigung der Stadt war der starke Regen ein wichtiger Faktor. Denn ohne ihn, «hätte der Barfi viel mehr nach Urin gerochen», sagt Schär. So hat der Regen einerseits geholfen, den Dreck wegzuwaschen, andererseits vermutlich auch Schlägereien verhindert. Nicht nur die Stadtreinigung fand in den frühen Morgenstunden wenige Fans, auch die Kantonspolizei Basel-Stadt spricht von einer «friedlichen Festhütte». Die Polizei hat allerdings 45 Personen angehalten, davon 30 vorübergehend festgenommen. Die Sanität brachte 21 Personen ins Spital, die zu tief ins Glas geschaut haben oder stürzten. Weitere 28 Personen konnten ambulant behandelt werden.

Die Nachwehen des Europa-League-Finals waren auch am Euro-Airport zu spüren: Von Spielende bis gestern um 22 Uhr abends starteten reihenweise Flieger nach Liverpool und Sevilla – oder sollten es zumindest. Fast alle Flüge flogen verspätet ab. «Passagiere fehlten, ein Flugzeug hatte eine Radpanne, und ein Passagier musste am Flugzeug erste Hilfe in Anspruch nehmen», erklärt Vivienne Gaskell, Leiterin Kommunikation des Euro Airports. Nach Abflugplan starteten 24 Flieger nach Sevilla und 17 nach Liverpool, exklusive anderer spanischer oder englischer Destinationen.

Mit Verspätungen kämpfte nicht nur der Flughafen. In Basel fielen etliche Tramlinien aus, der Verkehr in der Innerstadt kam teilweise zum Erliegen. Auf Anfrage der bz scheint die BVB aber mit dem Resultat zufrieden zu sein. BVB-Pressesprecher Benjamin Schmid sagt dazu: «Es hat sicher Sachschäden gegeben».

Trotz des Regens, des stockenden Innenstadtverkehrs, des Abfalls und des Lärms kam Basel als «Festhütte» gut an. «Basel hat sich als gastfreundliche, fussballfreundliche Stadt gezeigt und das ist auch so wahrgenommen worden.», hat Regierungspräsident Guy Morin von den Uefa-Spitzen erfahren. Die Uefa habe sich positiv über die kurzfristige Einrichtung der Public-Viewing Zonen geäussert.

Alle, die sich auf die Strassen wagten, haben es gesehen: Basel beherbergte eine feiernde, fiebernde, sich freuende, respektive trauernde Menschenmenge, die die Strassen in Rot und Weiss färbte. Übrig bleibt die Erinnerung an einen einmaligen Anlass. Dank der Stadtreinigung war das Blechdosenmeer nur eine kurze Erscheinung.