Gute Nachricht für die oberrheinischen Universitäten Strassburg, Karlsruhe, Freiburg im Breisgau und Haute Alsace in Mulhouse und Colmar: Wie die EU-Kommission kürzlich in einer Medienmitteilung erklärte, gehören sie mit vier anderen europäischen Partneruniversitäten zum Programm Europäische Universitäten. Schlechte Nachricht für die Universität Basel: Sie macht endgültig nicht mit.

Auswirkungen dürfte das mittelfristig auch auf gemeinsame Forschungsprogramme mit der EU haben. Noch kooperieren die Basler Physiker mit anderen oberrheinischen Unis bei der Quantentechnologie, wo ein neuer Hochleistungscomputer entwickelt wird. Aber schon für die nächste Forschungsperiode Horizon Europe 2021 – 2027 ist unklar, mit welchem Status die Schweiz assoziiert sein wird.

Die Schweiz wird nicht mehr den Lead haben

Eric Nussbaumer, Baselbieter SP-Nationalrat und Mitglied der aussenpolitischen Kommission, warnt: «Es wird sicher zu einem Dreistaatenregime kommen, bei dem die Schweiz als assoziiertes Mitglied alle zwei Jahre nachweisen muss, dass sie für die EU nützlich ist.» Diese Rolle zu belegen, sei schwierig, ist der Nationalrat überzeugt. «Die Schweiz wird sicherlich nicht mehr wie bisher in manchen Forschungsprogrammen den Lead haben.»

Optimistischer gibt sich das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in seiner Information zu Horizon vom 20. Juni. «Die Schweiz erwartet die vollständige Teilnahme an Horizon Europe und setzt sich dafür ein», heisst es dort mit der Begründung, es gehe schliesslich um kein «Marktzugangsdossier».

Das SBFI berücksichtigt bei seiner Einschätzung nicht, dass die Europäischen Universitäten in Zukunft eine immer wichtigere Rolle bei der Schaffung eines Europäischen Bildungsraums spielen werden, der bis 2025 entstehen soll. Schon 2021 sollen die Europäischen Universitäten auch im Rahmen von Horizon Europe und dem Austausch- und Mobilitätsprogramm Erasmus+ finanziert werden.

Die Schweiz macht bei Erasmus+ nicht mit. Der Bundesrat verfolgt die Diskussionen für das Nachfolgeprogramm 2021-2027 eng, will die Frage der Assoziierung aber erst später prüfen.

Uni Basel kooperiert seit 1989 am Oberrhein

Insbesondere für die Uni Basel ist das Abseitsstehen der Schweiz bitter. Um am Programm der Europäischen Universitäten teilzunehmen, hätte die Schweiz bei Erasmus+ mitmachen müssen. Dass die anderen vier oberrheinischen Universitäten mit den Unis Wien, Posen, Amsterdam und Thessaloniki aufgenommen wurden, ist nicht selbstverständlich. Manuel Friesecke, Geschäftsführer der Regio Basiliensis, sagt: «Das ist eine Auszeichnung für den Oberrhein und die bisherige Zusammenarbeit.» Immerhin 54 Bewerbungen hat es gegeben – nur 17 wurden berücksichtigt. Für sie stehen insgesamt 85 Millionen Euro zur Verfügung.

Tatsächlich hat die Uni Basel schon 1989 im Rahmen von Eucor mit den oberheinischen Partnern kooperiert. 2013 erarbeiteten sie unter der Bezeichnung European Campus eine Forschungsstrategie und gründeten 2015 eine Rechtsstruktur, die es ihnen ermöglicht, sogar eigene Professuren und Lehrstühle zu gründen. Nun aber schmilzt der Vorsprung dahin. Friesecke fürchtet: «Es gibt das Risiko, dass am Oberrhein zwei Parallelstrukturen entstehen.» Nämlich einmal die mit Epicur abgekürzte um vier Unis erweiterte oberrheinische Europäische Universität und zum zweiten Eucor-European Campus.

Eucor schweigt sich zu Konsequenzen aus

Sabine Garrels, stellvertretende Eucor-Direktorin, verweist darauf, dass die oberrheinischen Universitäten vom European Campus ihre Kooperation im Februar durch die Verabschiedung eines Strategieplans gestärkt hätten. «Zu den konkreten Auswirkungen durch das Projekt Epicur scheint mir eine Stellungnahme verfrüht.»

Eine zentrale Rolle bei der Frage der zukünftigen Forschungskooperation zwischen Schweiz und EU wird sein, ob das Rahmenabkommen zustande kommt. Die Bereitschaft Brüssels, die Schweiz auch bei einem Scheitern in den Genuss europäischer Forschungsgelder kommen zu lassen, dürfte gering sein. Die Hauptleidtragende daran wäre die Uni Basel.