Europameiserschaft
«Wir lieben unsere Räder!»: Fahrradkuriere aus Europa lieferten um die Wette

Rund 400 Velokuriere von weit und nah nahmen an der Europameisterschaft in Basel teil.

Alan Heckel
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Velokuriere massen sich in Basel in verschiedenen Disziplinen.

Velokuriere massen sich in Basel in verschiedenen Disziplinen.

Juri Junkov

Das rotweisse Absperrband und die laute Musik verraten: Das ist kein gewöhnlicher Samstag auf dem Dreispitzareal. Immer wieder rauschen Velofahrer in hohem Tempo vorbei. Der Grund: Hier finden fast im Versteckten die European Cycle Messenger Championships (ECMC), also die Europameisterschaften der Fahrradkuriere statt. «Wir durften leider keine Werbung machen», sagt Fabienne Schmutz, die den Anlass gemeinsam mit Jens Artelt organisiert hat.

Die Velokurierin aus Basel bedauert, dass aus diesem Grund nicht mehr Leute hier sind, um die Fahrer zu unterstützen. «Das hätte ihnen bestimmt einen zusätzlichen Schub gegeben.» Um auf das Gelände zu gelangen, ist ein Covid-19-Zertifikat nötig. Knapp 20 OK-Mitglieder und zahlreiche Helfer sorgen dafür, dass die EM reibungslos abläuft. Sie zu finden war nicht schwierig, «denn die Szene ist sehr solidarisch», so Schmutz.

Mit dem Rad unter dem Arm die Treppe rauf rennen

Die etwa 400 Teilnehmenden kommen aus ganz Europa, ein paar wenige sind – EM hin oder her – sogar aus den USA angereist. Es sind aktuelle oder ehemalige Velokuriere oder solche die eine starke Affinität dazu haben. Die meisten von ihnen sind männlich und zwischen 20 und 30 Jahren alt. Viele sind bereits seit Donnerstag in Basel, als der Event mit einem inoffiziellen Nachtrennen lanciert wurde.

Am Freitag fand dann in Allschwil das «Cross Race» statt, wo die Fähigkeiten der Kuriere im Gelände beim Bergzeitfahren auf die Probe gestellt wurden. Dazu mussten die Fahrer mit dem Rad unter dem Arm die Treppe rauf rennen. «Das gehört einfach dazu», sagt Daniel Meinzer, Teilnehmer und Helfer.

Alle auf ihren eigenen Rädern unterwegs

Der deutsche Routinier, der Ende der 90er erstmals teilgenommen hat, verrät dem Aussenstehenden zudem, dass alle auf ihren eigenen Drahteseln unterwegs sind: «Wir lieben unsere Räder!» Am Samstag beim «Cargo Race» erhält dann jeder ein sogenanntes Manifest, auf dem seine Aufgaben festgehalten sind. Schafft er es, die Ladung unter 45 Minuten korrekt abzuliefern, gibt es je nach Zeit Bonus-, im gegenteiligen Fall Strafpunkte. Das Hauptrennen am Sonntag bildet dann den Schlusspunkt der Veranstaltung.

Die Atmosphäre ist trotz Wettkampf entspannt und nach den Rennen sind Alkohol und Tabak keine Seltenheit.

«Billiges Bier, billige Unterkunft – was will man mehr?»,

grinst Nicolas. Der Kurier aus Paris ist mit Kollege Juan gekommen und ist erstmals dabei. «Ich wurde am «Cargo Race» disqualifiziert», seufzt er, doch Juan wirft ein: «Dafür hat er das «Cross Race» gewonnen.» Die beiden Franzosen unterhalten sich mit Eva und Charlie, zwei Landsleuten, die sie an den ECMC kennengelernt haben. Solche Begegnungen würden den Anlass zu etwas Besonderem machen.

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