Frau Herzog, was ist das Thema?

Ich habe den Begriff «lachen» erwischt.

Passt das?

Ja, sehr. Ich lache viel und gerne. Im Büro etwa lockert das die Stimmung auf, wenn es stressig ist. Setzt positive Energien frei.

Wann haben Sie letztmals Tränen gelacht?

Oh... (überlegt) Das war vor etwa zwei Wochen, in einer Papeterie. Da habe ich Karten angeschaut, eine mit dem Spruch: «Alkohol macht dumm und gleichgültig. Versteh ich nicht, ist mir aber auch egal.» Ich konnte nicht aufhören zu kichern. Es ist dieser feine Humor, der mir liegt; intelligenter Sprachwitz mit unerwarteter Pointe. Schenkelklopfer sind nicht so meins.

Welchen Komiker mögen Sie?

Die alten Stücke von Otto Waalkes bringen mich heute noch zum Lachen. Grossartig finde ich «Der menschliche Körper».

Den Song habe ich als Kind geliebt, etwa: «Milz an Grosshirn, Milz an Grosshirn: Was ist denn da los bei euch, ich kriech ja überhaupt nichts mit!»

Genau (lacht laut heraus)! Eben, grossartig.

Können Sie über sich selber lachen?

Nicht immer. Dabei finde ich das sehr wichtig. Es kommt halt auf die Person an, die mich triezt. Wenn die Basis aber stimmt, diese geprägt ist von gegenseitigem Respekt, ist es für mich kein Problem.

Die Aussage, dass Sie viel lachen, dürfte für einige überraschend sein. Sie gelten als sehr ernsthafte Person.

Was die Inhalte meiner Arbeit anbelangt, bin ich das. Es bedeutet aber nicht, dass meine Art allgemein so ist. Beispiel: Während der Schulzeit habe ich oft Faxen gemacht, ich galt als Klassenclown.

Kein ruhiges Kind.

Nein. Ich war nie introvertiert. Aber die Finanzwelt, in der ich mich heute bewege, ist nun mal eine trockene und ernsthafte Angelegenheit. Deshalb ist wohl dieses Bild von mir entstanden in der Öffentlichkeit.

Man kennt diese andere Seite kaum. Es ist bekannt, dass Sie persönliche Fragen von Journalisten nicht mögen, dass Sie darauf unwirsch reagieren können.

Unwirsch werde ich nur, wenn man mir etwas politisch unterstellt, das nicht stimmt. Gegen persönliche Fragen habe ich an sich nichts, obwohl ich solche Interviews höchst selten gebe.

Weshalb denn?

Als ich 2004 in die Regierung gewählt wurde, war das Interesse daran, wie ich Kinder und Karriere unter einen Hut bringe, riesig. Einem Mann wäre diese Frage nie gestellt worden! Das hat mich geärgert. Ich wollte, dass mein Partner und vor allem unsere Kinder ihre Ruhe haben. Daraus entstand wohl die Meinung, dass ich persönliche Fragen nicht mag.

Sie amten in Basel-Stadt seit 14 Jahren als Finanzdirektorin. Ein intensiver Job mit knapp bemessener Freizeit. Heute beginnt die Herbstmesse. Finden Sie Zeit für einen Rundgang?

Wir gehen immer einmal mit einer befreundeten Familie, das hat Tradition. Und in der Mittagspause esse ich auf dem Petersplatz gerne etwas Feines; manchmal kaufe ich auch Weihnachtsgeschenke ein.

Keine wilde Bahn?

Oh doch. Der Freefall Tower muss sein, das ist meine Lieblingsbahn. Das Gefühl des freien Falls ist irrsinnig.

Was Ihren Job anbelangt, befanden Sie sich noch nie im freien Fall. Sie haben die einst maroden Kantonsfinanzen ins Lot gebracht, Basel gesund gespart. Wie gehen Sie privat mit Geld um?

Wir haben umsichtig gewirtschaftet, nicht einfach gespart... Zur Frage: Ich war immer sehr sparsam, wurde so erzogen. Mir widerstrebt Verschwendung; mit unserer Wegwerfgesellschaft hatte ich schon als Teenager Mühe. An schönen Kleidern, die mehr kosten – und dafür länger halten –, habe ich heute indes Freude. Ich kaufe aber auch weiterhin auf dem Flohmarkt ein oder tausche Kleider mit Freundinnen.

Basels Zahlen sind seit Jahren tiefschwarz. Das ist auch Ihr Verdienst. Empfinden Sie einen gewissen Stolz?

Das nicht, aber ich verspüre Freude, wenn gewisse Geschäfte gelingen. In diesem Jahr hat mich der Basler Kompromiss betreffend Steuervorlage 17 aufgestellt. Weil alle Parteivertreter bereit waren, miteinander zu diskutieren. Das mag ich an der Basler Politik, dieses Streben nach überparteilichem Konsens, wenn es drauf ankommt. Auf nationaler Ebene haben es Kompromisse derzeit extrem schwer.

... und trotzdem wollen Sie nach Bern.

Gerade deshalb. Das muss sich wieder ändern. Ich denke, mit meiner jahrelangen Erfahrung als Regierungsrätin kann ich mich da gut einbringen.

Sie stellen sich neben Nationalrat Beat Jans für den frei werdenden Ständeratssitz zur Verfügung, die Delegierten der SP entscheiden im Februar. Jans sagt, es gäbe viele alt Regierungsräte, die in Bern mit ihrer «Kantonslogik» auflaufen.

Ich bin es gewohnt, die Leute an den Tisch zu holen und Lösungen zu finden. Kurz nach meinem Amtsantritt fing das an, etwa bezüglich Pensionskassenreform, und das ging so weiter, zum Beispiel bei der Steuerreform 2008. Das Lösungsorientierte könnte auch in Bern von Nutzen sein. Wenngleich ich mir bewusst bin, dass dort die Abläufe komplizierter sind, die Interessen komplexer. Aber durch meine Funktion als Vizepräsidentin der Finanzdirektorenkonferenz habe ich auch viel Erfahrung mit nationalen Themen sammeln können.

Vergeht Ihnen das Lachen, wenn es mit dem Ständerat nicht klappt?

Ach nein, aber ich würde es sehr bedauern. Seit Teenagerzeiten bin ich politisch engagiert, hatte immer Freude daran, mitzugestalten. Das hört nicht einfach auf, und es wäre doch schade, wenn ich meine Erfahrung nicht mehr einbringen könnte.

Schade wäre es auch, wenn die Region bei der Bundesratswahl im Dezember wieder das Nachsehen hätte. Unterstützen Sie die Kandidatur der Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter?

Sicher! Ich halte sie für sehr fähig für diese Aufgabe. Und bin enttäuscht von den Parlamentariern aus der Region, die sich nicht voll hinter diese Kandidatur stellen. In anderen Regionen wird gepusht, die eigenen Partei-Interessen werden hinten angestellt.

Also kein regionaler Konsens hier.

Ja, das ist überhaupt nicht zum Lachen. Ich unterstütze Elisabeth Schneider-Schneiter. Es spielt sehr wohl eine Rolle, woher ein Bundesrat kommt. Selbstverständlich kann er oder sie nicht alles im Interesse der Region tun, aber es hilft sicher bei gewissen Geschäften.