Sie preisen Zigaretten, Eheringe, Selbstbräuner, Fertigsuppe, Zahnpasta und französischen Brotaufstrich an. Und sie verlocken die Betrachter mit ihren Reizen zum Kauf von Produkten: Frauen auf Werbeplakaten. Ewig lockt das Weib, heisst es im Volksmund. Diejenige, die einen dazu verleitet, etwas zu tun, was man nicht will oder darf – umgangssprachlich ein Luder. So heisst die neue Ausstellung in der Schule für Gestaltung Basel (SFG): «Luder». Am Wochenende wurde sie eröffnet.

«Beim Durchsehen unserer Plakatsammlung fiel uns auf, dass es hauptsächlich Frauen sind, die auf Plakaten Wünsche und Begehrlichkeiten wecken. Begehrlichkeiten sowohl für sich, als auch für das Produkt, für das sie werben», sagt Alexandra Schüssler, Kuratorin des Ausstellungsraums in der SFG. Das Plakat bildet ein Luder ab und ist zugleich selber eines. In der Ausstellung Luder wird die Rolle der Frau als Idol des Begehrens betrachtet.

Online auf Liebhaber-Suche

Die SFG arbeitet dabei mit der in Genf lebenden Modedesignerin und Künstlerin Solo-Mâtine zusammen. Sie hat sich während eines Jahres monatlich in eine neue Frau verwandelt. Die Rollenbilder für ihre Figuren beruhen auf historischen Fotografien. Auf Dating-Portalen im Internet hat Solo-Mâtine in der Gestalt der Frauen nach potenziellen Partnern und Liebhabern gesucht. Die schriftlichen Wortwechsel hielt sie in Tagebüchern fest. Diese werden zusammen mit den Porträtfotos in der Ausstellung präsentiert, in einem Nebenzimmer der Plakatausstellung.

Die Ausstellung der Plakate findet in drei rund zweiwöchigen Perioden statt. In der ersten Periode werden um 12 Plakate kleine Privaträume gebaut, die dem Betrachter Intimsphäre lassen. In der zweiten Periode werden die Besucher zum Verführen von Fremden eingeladen. Für die Frauen auf den zwölf Plakaten mit Privatraum wird online ein Dating-Profil erstellt. Die Besucher sind dazu aufgefordert, für die Frauen eine Liebschaft zu finden – analog des Projekts von Solo-Mâtine.

Das Publikum als Luder

In der dritten Periode schliesslich belebt die Künstlerin den Ausstellungsraum mit virtueller und realer Präsenz in einer ihrer Frauenrollen. Auf einem Bildschirm sind die Vorbereitungen auf die Verwandlung in eine Plakatfrau zu sehen. Gleichzeitig wird Solo-Mâtine als eine der Frauen den Ausstellungsraum bewohnen und übers Internet wiederum mit Suchenden kommunizieren.

«Das Publikum kann dabei Anweisungen geben. So wird es selber zu der Frau auf dem Plakat, zum Luder», sagt Alexandra Schüssler. «Und es kann sehr genau erfahren, welcher Typ Mann welchen Typ Frau begehrt.»

«Luder»: Ausstellungsraum auf der Lyss. Öffnungszeiten bis 29. Juni: Dienstag bis Freitag, 12.30 bis 18.30 Uhr; Samstag und Sonntag, 12.30 bis 17 Uhr. Geschlossen: 17., 26. und 27. Mai.