Uni-Finanzierung
Ex-Bildungsdirektor Eymann: «Die Uni Basel braucht mehr Geld, sonst verliert sie den Anschluss»

Der Landrat hat den Finanzierungsbeschluss zur Uni Basel gutgeheissen. Der Grosse Rat wird am Mittwoch folgen. Dazwischen meldet sich der frühere Basler Bildungsdirektor Christoph Eymann zu Wort. Er sorgt sich um die Entwicklung der Uni. Diese brauche mehr und nicht weniger Geld.

Hans-Martin Jermann und David Sieber
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Ab 2021 muss für die Uni wieder mehr Geld fliessen, fordert Christoph Eymann. Ansonsten verliere die Uni den Anschluss gegenüber anderen Hochschulen.

Ab 2021 muss für die Uni wieder mehr Geld fliessen, fordert Christoph Eymann. Ansonsten verliere die Uni den Anschluss gegenüber anderen Hochschulen.

Kenneth Nars

Der frühere Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann legt sich mit allen an, die der Universität beider Basel aus seiner Sicht Böses wollen. «Uni-Tempelwächter» hat ihn FDP-Landrat Marc Schinzel im Landrat genannt. Das stört den LDP-Nationalrat nicht. Er keilt unter anderem gegen die Baselbieter Freisinnigen.

Herr Eymann, ausgerechnet in einer Phase, in der sich die beiden Kantone bei der Uni annähern, haben Sie an der «Langen Nacht der Kritik» vom Leder gezogen. Stört Sie die neue Harmonie?

Christoph Eymann: Ganz einfach: Es ist aus der Warte der Uni eine Scheinharmonie. Ich hatte mir eigentlich Zurückhaltung auferlegt, bis aus dem Baselbiet wieder schrille Töne zu vernehmen waren, vorneweg von Roman Klauser (SVP), Präsident der Finanzkommission des Landrates und SVP-Präsident Oskar Kämpfer, der immer auf diesem Trip ist. Dass mit Rolf Richterich ausgerechnet ein Freisinniger ebenfalls in den Chor jener einstimmt, die bei der Uni sparen wollen, ist bedenklich. Die FDP Baselland war früher eine der politischen Stützen der Uni. Heute will sie abbauen.

Geht ihnen denn der Leistungsauftrag, so wie er am Donnerstag vom Landrat abgesegnet wurde und er nächste Woche im Grossen Rat durchgehen dürfte, zu weit?

Ja. Die Uni muss zuviel geben. Es stört mich, wenn es heisst, die Uni könne die Einsparungen aus ihren Reserven decken. Die Politik kann bloss über die 320 Millionen Franken befinden, die von den Kantonen beigesteuert werden. Ein Betrieb mit 750-Millionen-Budget muss Reserven haben, zumal diese teilweise selbst erwirtschaftet wurden. Wenn nun gefordert wird, dass die Uni unternehmerisch arbeiten müsse, so wird verkannt, dass sie das längst tut. Diese Ignoranz ist eine Beleidigung der Uni-Verantwortlichen.

Mischt sich die Politik zu stark in die Belange der Uni ein?

Die Gefahr besteht jedenfalls. Die Stärke der Uni ist ihre Autonomie, die sie übrigens Baselland verdankt. Der Landkanton sagte nämlich damals, als die gemeinsame Trägerschaft ausgehandelt wurde, man beteilige sich nicht an einer städtischen Verwaltungseinheit. Dass Bildungsdirektorin Monica Gschwind die Baselbieter Vertreter im Uni-Rat per Unterschrift an die Leine nimmt und eine Eignerstrategie aufgleist, öffnet der Einflussnahme der Politik Tür und Tor. Das ist für die Uni gefährlicher als das Sponsoring von Uni-Lehrstühlen durch die Wirtschaft.

Geht es denn in der Uni-Debatte
eigentlich weniger ums Sparen als um den politischen Einfluss?

Um beides. Aber vor allem wird die Diskussion falsch geführt. Die Uni muss doch darlegen, was sie benötigt. Die Politik setzt anschliessend die finanziellen Leitplanken. Nicht umgekehrt. Dass von einzelnen die Voll-Uni in Frage gestellt wird, ist für mich Ausdruck mangelnder Demut vor einer Institution, die 557 Jahre alt ist. Übrigens auch mit Blick auf die Leistung der früheren Baselbieter Regierungsräte, von Peter Schmid über Adrian Ballmer bis zu Urs Wüthrich, welche die Uni zu einem Anliegen beider Kantone gemacht haben. Diese Begeisterung, die Gesundheitsdirektor Thomas Weber für die Spitalgruppe an den Tag legt, fehlt bei der Uni völlig.

Monica Gschwind interessiert sich also nicht für die Uni?

Ich hab sie bisher so wahrgenommen, dass sie die Uni vor allem als Kostenfaktor anschaut. Dass man das Institut für Sportwissenschaften und das von der Life Science dringend benötigte Baufeld 4 auf die lange Bank schiebt, stört mich. Die Aufgabe, hier zu pushen und zu überzeugen, damit es vorwärts geht, hat Gschwind nicht wahrgenommen.

Ist die Basler Regierung seit Ihrem Abgang zu nachgiebig geworden?

Es wäre billig, wenn ich das so bestätigen würde. Vom Resultat her sehe ich aber, dass man Baselland in einigen Punkten unnötigerweise entgegen gekommen ist. Ein Beispiel ist, dass man aus Governance-Gründen den Abgang des Sekretärs des Uni-Rats Joakim Rüegger kondensierte. Das ist eine Prinzipienreiterei zulasten einer schweizweit anerkannten Koryphäe. Zudem geht diese Personalie die Politik nichts an. (Rüegger ist beim Kanton Basel-Stadt angestellt, die Red.)

Sind Sie denn dagegen, dass in zwei Jahren ein Baselbieter Uni-Ratspräsident wird?

Nein, gar nicht. Aber es gibt den heraufbeschworenen Kantonsgraben im Uni-Rat nicht, den diese Person zuschütten müsste.

Immerhin hat man sich nun gefunden und die Uni-Finanzierung bis 2021 gesichert.

Stimmt. Es ist aber zynisch zu sagen, die Gewinnerin sei die Uni. Denn diese braucht mehr Geld, das ab 2021 fliessen muss. Sonst verliert sie den Anschluss. Zum Beispiel gegenüber Zürich, wo stark in Life Science investiert wird. Die schrillen Töne, die die jetzige Debatte begleiten, verunsichern die Uni, die die Zukunft planen muss.

Das wird man in Baselland nicht gerne hören.

Wenn man sich auf einen neuen Kostenteiler zulasten von Basel-Stadt eint, ist das der Uni egal.

Das heisst, Sie befürworten eine solche Lösung?

Ja, man kann die Parität aufheben und die Form der Mitbestimmung neu regeln.

Sie sind mit Ihrem Nachfolger Conradin Cramer offenbar nicht ganz zufrieden. Wären Sie lieber im Amt geblieben?

Nein, auf keinen Fall. Es ist aber offenbar nicht gelungen, die Baselbieter zu überzeugen. Ob man hier mehr hätte machen können oder müssen, kann ich nicht beurteilen. Ich würde mir vor allem wünschen, dass sich auf dem Land mehr Bürgerliche für die Uni einsetzen.

Monica Gschwind fordert mit Blick auf 2021, dass der Bund die Grundlagenforschung mitfinanziert. Ist das realistisch?

Ich freue mich, wenn sie das sagt. Alleine, mir fehlt der Glaube. Nächste Woche haben wir bereits die Nagelprobe im Nationalrat. Dann geht es um das Budget der Hochschulen. Ich bin gespannt, ob alle Baselbieter Bürgerlichen mithelfen, weniger zu sparen. Bei der BFI-Botschaft haben sie uns jedenfalls nicht unterstützt.