BVB-Krise
Ex-BVB-Chef Hanselmann spricht von Schreckensherrschaft

«Sehr viele Leute bei den BVB hatten Angst vor dem obersten Chef» sagt Urs Hanselmann, ehemaliger BVB-Chef. Er prophezeit Finanzprobleme bei den BVB und kann sich eine Fusion mit der BLT vorstellen.

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Der ehemalige BVB-Direktor Urs Hanselmann

Der ehemalige BVB-Direktor Urs Hanselmann

Juri Junkov

Er fuhr selbst Tram, bevor er BVB-Direktor wurde, und prägte das Unternehmen jahrelang: Urs Hanselmann, Vorgänger des vorgestern wegen sexueller Belästigung fristlos entlassenen Jürg Baumgartner. Was derzeit in seinem alten Betrieb passiert, beschäftigt Hanselmann stark. «Es war ein Trauerspiel», sagt er, «aber nicht erst in den letzten drei Tagen.»

Zwar ist Hanselmann seit 2011 nicht mehr für die BVB tätig. «Ich war nicht mittendrin, aber ich habe schon was mitbekommen», meint er. Zwei Dinge haben ihn besonders gestört: «Erstens das interne Klima. Es war eine eigentliche Schreckensherrschaft», weiss er. Sehr viele Leute hätten Angst vor dem obersten Chef gehabt.

80 neue Stellen in kurzer Zeit

Und zweitens: «Der Umgang mit dem Geld.» Seit er sein Amt abgegeben habe - also vor rund zweieinhalb Jahren - seien in der Verwaltung der BVB etwa 80 neue Stellen aufgebaut worden. «Das ist viel zu viel für eine Firma in der Grössenordnung der BVB. Es wurde Geld verprasst», sagt der Betriebsökonom. Er selber habe immer auf Effizienz und Kostenbewusstsein geachtet. Wegen der Politik des neuen Managements ist Hanselmann aber überzeugt: «Die BVB werden bald finanzielle Probleme haben.»

Dass bei seiner Übergabe an Jürg Baumgartner etwas schiefgelaufen ist, glaubt Hanselmann nicht. «Wir haben diese Phase seriös vorbereitet», erinnert er sich. Allerdings: «Es war dann schnell so, dass man sich für gewisse Dinge nicht mehr interessiert hat.»

Gleiche Ziele für Stadt und Land

Sorgen macht sich Hanselmann auch über das Image und die Kooperation in der Basler Agglomeration. «Es ist jetzt wichtig, dass Basel-Stadt und Baselland gemeinsam festlegen, welche Ziele sie mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichen wollen.» Erst dann könne festgelegt werden, wie die beiden Unternehmungen aufgestellt sein sollen und - im Hinblick auf eine Fusion - «allenfalls näher zusammengeführt werden können.»

Vorerst müsse aber Ruhe in den Betrieb kommen. «Es braucht einen neuen Führungsstil und ein internes Kostenbewusstsein», sagt der ehemalige operative Chef der BVB. Und Hanselmann stellt klar: «Es braucht eine Person, die nicht nur kurzfristig glänzen, sondern langfristig seriös arbeiten will.»

Urs Hanselmann wird die Erholung der BVB weiter gespannt verfolgen. Ob beim Basler Traditionsunternehmen nach der Veröffentlichung des Fiko-Berichts (siehe Seite links) endlich alle Verfehlungen bekannt sind, ist ungewiss.