Menschenhandel

Ex-Chefin von Thai-Salon soll siebeneinhalb Jahre hinter Gitter

Franziska Fischer, Staatsanwältin: «Es handelt sich hier um eine moderne Form der Sklaverei.» (Archivbild)

Franziska Fischer, Staatsanwältin: «Es handelt sich hier um eine moderne Form der Sklaverei.» (Archivbild)

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen sexueller Ausbeutung mehrjährige Gefängnisstrafen für Salon-Betreiberin. und ihre Stellvertreterin

Am Montag hatte vor dem Basler Strafgericht im Fall um Menschenhandel in Basler Thai-Salons die Staatsanwältin das Wort: Sie forderte für die 66-jährige Hauptangeklagte und langjährige Salonbetreiberin des «Thai-Harem» in der Basler Ochsengasse eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren. Deren 64-jährige Stellvertreterin soll für vier Jahre und drei Monate hinter Gitter.

«Frauen durften das Bordell nicht verlassen»

«Es handelt sich hier um eine moderne Form der Sklaverei», sagte Staatsanwältin Franziska Fischer gestern Montag in ihrem Plädoyer. Der Fall basiert hauptsächlich auf den Aussagen von Opfern, Streitpunkt vor Gericht ist daher wie in solchen Fällen üblich die Zuverlässigkeit der Aussagen. Acht Frauen erschienen letzte Woche vor dem Strafgericht und bestätigten ihre früheren Aussagen erneut.
Für eine Verurteilung wegen Menschenhandels wird vom Schweizerischen Strafgesetz konkret verlangt, dass jemand zur Ausbeutung der Arbeitskraft oder generell zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung mit Menschen handelt. Es genügt allerdings bereits das Anwerben. Für einen Schuldspruch wegen Förderung der Prostitution reicht, wenn jemand Geld damit verdient, Personen in die Prostitution zu führen. Strafbar ist auch, die Handlungsfreiheit von Prostituierten einzuschränken, indem man etwa die Preise und die Arbeitszeiten festlegt.

«Die Frauen durften das Bordell nicht verlassen. Die Salonchefin vertraute auch darauf, dass die Frauen aus Angst vor der Polizei das Bordell gar nicht verlassen wollten», so die Staatsanwältin. Klar ist, dass sich bei der Razzia im Januar 2016 an der Ochsengasse mehrere Frauen ohne Bewilligung hinter einer eigens dafür geschaffenen Trennwand verstecken wollten. Auch überwies die 66-jährige Salonchefin allein zwischen November 2014 und Januar 2016 insgesamt über 180'000 Franken ab ihrem Konto nach Thailand, monatlich also rund 13'000 Franken. Dieser Punkt sorgte zusätzlich für eine Anklage wegen Geldwäscherei. Die Hauptangeklagte betonte letzte Woche mehrmals, sie habe lediglich 40 Prozent des Umsatzes für die Miete einkassiert, sprach aber auch immer wieder von «halbe-halbe».

Frauen mussten hunderte Männer bedienen

Staatsanwältin Fischer rechnete vor, dass die Frauen somit je nach Rechnung 400 bis 1200 Männer bedienen mussten, um ihre Schulden abzubezahlen. Das sei keiner der Frauen bewusst gewesen, bevor sie sich diesem Joch unterworfen hatten, sagte Fischer. Die Verteidiger werden ihre Plädoyers heute Dienstag halten, doch die Richtung ist bereits deutlich geworden: Man könne nicht von Menschenhandel sprechen, wenn sich die Frauen bereits vorher in Thailand prostituiert hätten. Auch erhielten einige der Opfer durch ihre Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden die B-Bewilligung, weshalb die Verteidiger ihnen bei den Aussagen eigennützige Motive vorwerfen.

Ungewöhnlich an diesem Prozess ist allerdings, dass die Verteidiger nicht nur gegen die Staatsanwaltschaft kämpfen, sondern die Opfer mit insgesamt drei Anwältinnen während der Hauptverhandlung vertreten sind. Angekündigt sind auch Genugtuungsforderungen, wobei bei beiden Angeklagten nicht mehr viel zu holen ist. Die fünf Richter fällen das Urteil am kommenden Freitag.

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