Verein Inte-grare

Ex-Direktion des Arxhof plant eine neue Institution

Eine neue Institution von der Ex-Direktion des Arxhof.

Eine neue Institution von der Ex-Direktion des Arxhof.

Mit dem Verein Integrare soll ein neues Angebot für auffällige Jugendliche entstehen. Hinter der Idee stehen frühere Köpfe des Arxhof.

Die Namen sind bekannt, die Idee ist neu: Frühere Direktionsmitglieder des Arxhof haben im Februar einen Verein namens Integrare mitgegründet. Damit wollen sie eine Institution im psychosozialen Bereich aufziehen und führen.

Das zeigen Recherchen der «Schweiz am Wochenende». Noch sei es zu früh, um über konkrete Inhalte zu sprechen, heisst es beim Vorstand. Aktuell erarbeite der Verein eine Bedarfsanalyse und wälze konzeptionelle Fragen.

Der prominenteste Kopf von Integrare ist dessen Kassier Renato Rossi. Der frühere Direktor des Arxhof arbeitete 22 Jahre im offenen Massnahmenvollzug für junge Erwachsene in der Baselbieter Gemeinde Niederdorf und leitete ihn 16 Jahre lang.

Er betont, dass die Idee von Integrare den Arxhof nicht konkurrenziere: «Es entsteht keine Parallelinstitution. Das wäre völlig absurd. Denn der Arxhof ist eine Konkordatsanstalt.» Vielmehr gehe es bei der neuen Institution um ein ambulantes Angebot für Jugendliche, die wiederholt den Behörden auffallen und «durch alle Maschen» fallen würden, sagt Rossi.

Die Idee sei in einem Gespräch zwischen Vorstandsmitgliedern und einer Jugendanwältin entstanden. Sie berichtete von einer kleinen Gruppe von Jugendlichen, für die es kein angemessenes Angebot gäbe. «Es sind Menschen, die Psychotherapie und pädagogische Begleitung brauchen, aber keine stationäre Unterbringung», sagt Rossi. Die Idee des Vereins sei, ihre Tagesstruktur zu organisieren und sie sozialtherapeutisch zu begleiten.

Das System Arxhof

Neben ehemaligen Mitarbeitenden sind beim Verein auch die früheren Arxhof-Direktionsmitglieder Halil Cigdem und Peter Ostermayer. Cigdem war langjähriger Leiter der Sozialpädagogik und Vizedirektor; Ostermayer war der frühere Leiter der Psychotherapie. Wie auch Rossi ist er seit 2014 pensioniert.

Wieso also nicht einfach den Ruhestand geniessen? Ostermayer, der bei Integrare als Vizepräsident amtet, sagt: «Bereits bei meiner Pensionierung plante ich, wieder einzusteigen. Ich arbeite gerne mit dissozialen Jugendlichen.» Zentral beim Programm von Integrare sei, dass interdisziplinär gearbeitet werde. Es soll eine enge Vernetzung der Psychotherapie, der Sozialpädagogik und dem Schulungs- respektive Ausbildungsprogramm stattfinden.

Das ist jenes Modell, das bis vor kurzem auf dem Arxhof galt. Wie die «Schweiz am Wochenende» berichtete, hatte dort der aktuelle Direktor Peter Ulrich ein Systemwechsel, unter anderem bei der Fallführung, durchgeführt.

Damit begründet er die zahlreichen Kündigungen – ein Drittel des Betreuungsteams hat seit vergangenem Sommer den Arxhof verlassen. Ehemalige Mitarbeitende haben dem Direktor in einem anonymen Brief hingegen einen Führungsstil vorgeworfen, der auf Mobbing, Drohungen und Einschüchterungen basiere.

Aus dem Vorstand von Integrare will niemand die Vorfälle auf dem Arxhof kommentieren. Rossi sagt dazu: «Keiner vom Verein hat das Bedürfnis zurückzuschauen oder gegen jemanden Position zu ziehen.»

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