Herr Wyss, die Baselworld ist im Niedergang, die Messe Schweiz in der Krise. In welchem Zustand haben Sie damals, als Sie 1993 CEO der Messe wurden, den Konzern angetroffen?

Paul Wyss: Als Direktor der Basler Handelskammer nahm ich bereits ab 1982 von Amtes wegen Einsitz im Messe-Verwaltungsrat. Es war eine Zeit, die von einem grossen Paradigmenwechsel geprägt war: Die Messe wandelte sich von der «alten» Mustermesse zu einem modernen Messeunternehmen.

Wie und an wem lässt sich das festmachen?

Es war das Verdienst von Frédéric Walthard, der die Geschicke der Messe bis 1988 leitete. Er war es, der die Uhren- und Schmuckmesse ins Leben rief und damit auch den Konzern quasi in ein neues Zeitalter überführte. So grosse Qualitäten Walthard auch hatte: Er kam aus dem diplomatischen Dienst, ebenso wie sein Nachfolger Philippe Lévy.

Also markierten Sie als Ökonom und Wirtschaftsvertreter einen richtigen Bruch in dieser ungeschriebenen Tradition der Messe?

Wenn Sie so wollen, ja. Der Verwaltungsrat wollte nach dem doch unschönen Abgang von Lévy jemanden mit viel Wirtschaftserfahrung ins Boot holen. Zu dieser Zeit wurde ich bei der Handelskammer pensioniert und übernahm das Amt des CEO auf Anfrage interimistisch. Es wurden dann letztlich zweieinhalb Jahre.

Wie nahmen Sie damals die Rolle der Politiker im Messe-Verwaltungsrat wahr?

Sagen wir es so: Sie sind nicht besonders aufgefallen. Das hat aber weniger mit den Strukturen zu tun als mit den teils unterschiedlichen Interessenslagen von Politikern und Messe-Verwaltungsräten.

Als erfahrener Manager brachten Sie also Wirtschaftskompetenz in die Messe. Wie beurteilen Sie heute, angesichts der existenziellen Krise der Baselworld, die jüngere Geschichte der Messe?

Wir sollten dies differenziert betrachten. In Zeiten des Erfolgs – und die Baselworld ist immer noch eine grosse Erfolgsgeschichte – neigt der Mensch generell zum Übertreiben. Das war sicher auch bei der Messe der Fall, gerade in der Akquisitions- oder der Preispolitik. Das rächt sich nun. Aber im Nachhinein ist man immer klüger.

Wäre ein Ende der Baselworld Ihrer Meinung nach auch das Ende der Messe Schweiz?

Das glaube ich nicht. Das Unternehmen könnte sich stabilisieren, wenn auch grössenmässig auf deutlich tieferem Niveau als heute. Vielleicht ergeben sich auch neue Formen von Messen, im digitalen Bereich etwa. Zudem glaube ich, dass es eine Swissbau oder auch eine Messe für Edelsteine immer geben wird – solche Themen lassen sich nicht so einfach in die virtuelle Welt verlagern. Auf jeden Fall wünsche ich dem kürzlich ernannten neuen CEO Bernd Stadlwieser viel Erfolg. Er muss ein richtiger «Reisser» sein, will er die Messe wieder auf die Erfolgsspur zurückführen können.

Und die Politik – soll sie sich künftig aus der Messe heraushalten? Oder anders gefragt: Soll die Messe Schweiz ganz und gar dem Markt ausgesetzt werden?

Wenn die Vorteile die Nachteile überwiegen, dann ja!