Was waren das für unvergessliche Spiele Anfang dieses Jahrtausends gegen den ungeliebten Grasshopper Club aus Zürich. Gefühlt für jedes Spitzenspiel wurde Schiedsrichter Urs Meier damals nominiert. Und immer hatte man als FCB-Fan mit rotblauer Brille das Gefühl, der Meier sei doch sowieso GC-Fan und pfeife mit Absicht gegen unseren heiss geliebten FCB. Für viele Fans aus der Muttenzer-Kurve war der Star-Schiedsrichter, der zu jener Zeit auch WM- und Champions-League-Spiele leitete, eine höchst umstrittene Figur.

Mehr als nur ein Fussballclub»: Urs Meier als jugendlicher FCB-Fan.

Mehr als nur ein Fussballclub»: Urs Meier als jugendlicher FCB-Fan.

Dieses Weltbild bricht nun abrupt zusammen: Der Aargauer Urs Meier war in seiner Kindheit und Jugend ein glühender FCB-Anhänger. Dies gibt er unumwunden im Vorwort des in der kommenden Woche erscheinenden Buches «Erfolg isch nid alles im Lääbe» über die Geschichte der Basler Fussball-Fankultur zu. Nach Spielen des FCB in Wettingen und gegen GC auf dem Hardturm habe ihn die Leidenschaft gepackt, wie er schreibt: «Die Begeisterung und die Gesänge der FCB-Fans faszinierten mich und liessen mich nicht mehr los. Ich kaufte mir eine FCB-Mütze und eine rotblaue Fahne. Mein Herz schlug für den FCB.»

Der FCB als Ersatzfamilie

Auf Zugfahrten und im Stadion lernte Urs Meier andere FCB-Fans kennen und wurde 1975 bei der Gründung des Fanclubs St. Jakob sogleich Mitglied. «Der FCB wurde für mich schnell mehr als nur ein Fussballclub. Da sich meine Eltern früh getrennt hatten, war er mit seinen Fans bald eine Art Ersatzfamilie. Der Besuch der FCB-Spiele war mir so wichtig, dass ich meine eigene Konfirmationsfeier vorzeitig verliess, um rechtzeitig mit dem Zug nach Basel an ein Spiel reisen zu können», schreibt Meier im Vorwort.

Er habe sich immer gewundert, dass seine FCB-Liebe nie öffentlich wurde, sagt Meier auf Anfrage der bz. Ihm sei immer bewusst gewesen, dass er schweizweit als GC-Fan gelte. Meier war nicht nur ein bisschen Fan, nein, er reiste für seinen FCB durch die ganze Schweiz. Er kann noch heute ohne gross nachzudenken die FCB-Mannschaft um seinen Lieblingsspieler Ottmar Hitzfeld der 1970er Jahre aufzählen. Historische Spiele wie jenes 1972 gegen den FC Zürich vor 56 000 oder den Cuphalbfinal gegen den FC Lugano 1967 vor 51 000 Zuschauern hat er noch bestens in Erinnerung. «Der gute Fussball des FCB, die tolle Fankultur mit den wunderbaren Liedern ̶ das faszinierte mich als junger Mensch sehr.» Meier kommt förmlich ins Schwärmen, wenn er an seine Zeit als FCB-Allesfahrer zurückdenkt.

Als er sich entschloss, Schiedsrichter zu werden, musste sein Fansein allerdings ein Ende haben. Er begann, sich vom FCB «zu entlieben», wie er es selber beschreibt. Der Test erfolgte als Schiedsrichter beim ersten Spiel im Joggeli, das während Jahren so etwas wie sein zweites Zuhause war. «Wenn ich in Richtung Muttenzerkurve laufe, wird das Herz entweder warm und die Gefühle kommen hoch, oder alles bleibt kühl.» Test bestanden, die Gefühle blieben aus. Das Fansein kam auch nach Beendigung der aktiven Schiedsrichterkarriere 2004 nicht wieder auf.

Name taucht im Cluborgan auf

Das Buch zur Geschichte der Basler Fussball-Fankultur erscheint anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Fanclubs St. Jakob im vergangenen Jahr. Meier auf die Schliche kam Historiker Benedikt Pfister. Als Projekt- und Redaktionsleiter recherchierte er in den Cluborganen des Fanclubs und stiess bei einem Fanclub-Turnier auf den Namen Urs Meier. «Der Fanclub hat ja auch Wurzeln im Raum Solothurn, Aargau und sogar Zürich. Und Urs Meier aus Würenlos, das könnte passen», dachte sich Pfister, der selber Mitglied des Fanclubs ist. Als er in einem weiteren Cluborgan den Namen erneut entdeckte, kontaktiere er den ehemaligen Spitzenschiedsrichter. Meier bekannte sich ohne zu zögern zu seiner alten Liebe.

In zehn Beiträgen werden im Buch verschiedene Aspekte der Basler Fankultur der vergangenen 40 Jahre beleuchtet. «Die Autoren stammen aus unterschiedlichen Generationen. Damit erhält jede Epoche einen eigenen Blickwinkel, in denen sich die unterschiedlichsten Fans wiederfinden können», Benedikt Pfister.