Basel Tattoo
Exerzieren gilt nicht als Ballett - Tattoo muss eine Million nachzahlen

Das Bundesgericht hat nun bestätigt: Das Basel Tattoo ist eine Musikveranstaltung. Somit müssen alle Beiträge für die Suisa nachbezahlt werden, damit diese die Komponisten rückvergüten kann.

Nicolas Drechsler
Drucken
Teilen
War dem Bundesgericht zu wenig Tanz und zu viel Musik: Das Präsidialorchester des Dienstes des Kommandanten des Moskauer Kremls und des Föderalen Schutzdienstes der Russischen Föderation auf dem Basler Kasernenhof 2012.

War dem Bundesgericht zu wenig Tanz und zu viel Musik: Das Präsidialorchester des Dienstes des Kommandanten des Moskauer Kremls und des Föderalen Schutzdienstes der Russischen Föderation auf dem Basler Kasernenhof 2012.

Martin Töngi

Die Erkenntnis der Lausanner Richter ist für den Uneingeweihten wenig spektakulär: Beim Basel Tattoo handelt es sich um eine Musikveranstaltung. Das Musikfestival mit militärischer Aura ist kein Ballett. Genau um diese Frage hatten Tattoo-Veranstalter Erik Julliard und die Urheberrechtsorganisation der Schweizer Musiker und Komponisten, die Suisa jahrelang gestritten. Für die Suisa war klar: Das Tattoo ist eine Musikveranstaltung. Die Tattoo-Macher dagegen stellten sich auf den Standpunkt, die Musik sei nur Hintergrund für Marsch- und Tanzvorführungen.

Diese Interpretation führte dazu, dass das Tattoo für die gespielten Musikstücke nur den sogenannten «Balletttarif» der Suisa bezahlte, der lediglich halb so hoch ist wie der Musiktarif. Dass das Bundesgericht nun dem seit 2009 andauernden Rechtsstreit ein definitives Ende gesetzt hat, freut die Suisa und hat für die Tattoo-Veranstalter hohe Kosten zur Folge.

«Etlichen Hunderttausend Franken»

Giorgio Tebaldi, Kommunikationschef der Suisa, meint gegenüber der bz: «Das heisst für uns, dass wir nun die ausstehenden Beträge seit 2009 in Rechnung stellen können.» Wie hoch die Summe ist, will er nicht genau sagen und spricht von «etlichen Hunderttausend Franken.» Die Tattoo-Macher hatten vor zwei Jahren gesagt es gehe um rund 200'000 Franken. Pro Jahr wohlverstanden. Damit dürfte nun eine Summe von rund einer Million Franken fällig werden, die die Suisa zuhanden der Komponisten der am Tattoo aufgeführten Stücke eintreiben will, notfalls auch auf dem Rechtsweg. Eine Million, das ist ein stolzer Teil des Tattoo-Budgets, das die Veranstalter in diesem Jahr auf 12,5 Millionen Franken veranschlagt haben.

Das Bundesgericht hat mit seinem Urteil vom 19. März, das die Suisa am Montag kommunizierte, einen Entscheid des basel-städtischen Zivilgerichts von 2012 kassiert. Das Zivilgericht hatte das Tattoo wegen der Bedeutung von Choreografie, Bühnenbild und Beleuchtung in seiner Beurteilung nicht als Musik-, sondern als Showveranstaltung eingestuft. Die Suisa war nicht bereit, dieses Urteil zu akzeptieren und focht es vor Bundesgericht an.

Das bringe nicht nur im Falle des Tattoos Rechtssicherheit, sagt Tebaldi, sondern auch im Hinblick auf «ähnliche Musikfestivals mit Militär- und Polizeibands.» Darunter fällt unter anderem auch das «Christmas Tattoo», das die Basel-Tattoo-Organisation veranstaltet. Die Ballettregel, also der tiefere Tarif, gelte nur noch für reine Tanznummern und auch dort nur, sofern die Choreografie urheberrechtlich geschützt sei. Wie viele solche Nummern an den Tattoos der letzten Jahre unter diese Regelung gefallen wären, konnte er nicht sagen, es dürften aber nur wenige gewesen sein.

Tattoo hat Geld zur Seite gelegt

Dem Basel Tattoo entstehe kein finanzieller Schaden durch das Urteil, teilten die Organisatoren am Montagabend mit, man habe genügend Rückstellungen. Anders als die Suisa rechnen die Verantwortlichen mit einer Rückzahlung der Gebühren ab 2010 in der Höhe von jährlich rund 250'000 Franken. Einverstanden mit dem Urteil sind die Veranstalter aber nicht.

Bloss wegen der Musik besuche niemand das Tattoo, es sei die «perfekt arrangierte Symbiose» aller Show-Teile, die das Publikum anziehe: Choreografie, Tanz und Musik. Und Tattoo-Produzent Erik Julliard lässt sich zitieren, das Urteil sei ein Rückschritt für die ganze Musikbranche, zumal die grosse finanzielle Last der Suisa-Gebühren eine indirekte Aufforderung sei, historische Musik zu wählen und nicht neue innovative Musikstücke, da diese zu einem anderen Tarif verrechnet würden.