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Existenz vieler Start-ups ist bedroht – Basel-Stadt greift ihnen nun unter die Arme

Start-ups sitzen in Basel auf dem Trockenen. Viele Jungunternehmen sind auch mittelfristig in ihrer Existenz bedroht. Ab Juli weitet Basel-Stadt die Unterstützungsmassnahmen aus.

Samanta Siegfried
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Cellestia-Gründer Michael Bauer.

Cellestia-Gründer Michael Bauer.

Kenneth Nars

«Die Coronakrise hat uns im vollen Lauf erwischt», sagt Michael Bauer. Er ist Mitbegründer und CEO der Firma Cellestia, ein Start-up, das seit sechs Jahren die Forschung und Entwicklung neuartiger Krebsmedikamente vorantreibt. Es ist eines von 31 Jungunternehmen im Bereich Life Sciences und Biotechnologie, das sich im Technologiepark Basel in Kleinhüningen niedergelassen hat. «Wir waren gerade dabei, neue Investoren aus den USA, China und Südkorea zu gewinnen», sagt der Gründer. Doch seit der Krise sehe es schlecht aus mit neuen Partnerschaften. «Investoren sind sehr zurückhaltend geworden. Sie konzentrieren sich derzeit auf bereits bestehende Firmen in ihrem Portfolio, um deren Finanzierung zu sichern.»

Noch hat Cellestia Geld, immerhin satte 20 Millionen. Doch was nach viel klingt, könne gerade im klinischen Forschungsbereich schnell aufgebraucht sein. «Eine Patientenstudie kostet uns rund 150 000 Franken pro Person», sagt Bauer. Auch Mitarbeiter- und Mietkosten würden ins Gewicht fallen. Gleichzeitig gab es Verspätungen bei der klinischen Entwicklung. «Weil wir in unseren Kliniken keine neuen Patienten rekrutieren konnten, sind wir rund vier Monate in Verzug», sagt Bauer. «Das hat zur Folge, dass wir Daten, die wir im Herbst erwartet hätten, erst Mitte nächstes Jahr vorweisen können, während die Kosten weiter anfallen.»

Mehr Bürgschaften und Mietzinserlass vom Kanton

Doch genau diese Ziele, sogenannte Meilensteine, sind für Start-ups entscheidend, wie Samuel Hess, Leiter Wirtschaft beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), bestätigt: «Gerade kapitalintensive Jungunternehmen, wie in der Biotechnologie üblich, machen in der Regel viele Jahre keinen Umsatz und sind auf Investoren angewiesen.» Um die nächste Finanzierungsrunde zu sichern, müssten sie regelmässig Erfolge vorweisen können. «Gelingt das nicht, sind viele Start-ups vor allem mittelfristig bedroht.»

Es geht um die zukünftige Wertschöpfung der Region.

(Quelle: Samuel Hess, Leiter Wirtschaft AWA)

Darauf reagierte nun die Basler Regierung. Anfang Juni hat sich der Grosse Rat für ein kantonales Bürgschaftsprogramm für Start-ups ausgesprochen, das jenes des Bundes, das Ende August ausläuft, ablösen wird. Ausserdem wurde der Standortförderungsfonds um drei Millionen aufgestockt. Damit kann der Kanton ab Juli bis zu 50 Prozent der Mietkosten von betroffenen Start-ups übernehmen. Das freut auch Samuel Hess: «Basel-Stadt ist innerhalb der Schweiz ein wichtiger Standort für Start-ups in den Bereichen Biotechnologie und Life Sciences.» Der Kanton habe in den letzten zehn Jahren viel in die Förderung von Jungunternehmen investiert, etwa mit dem Technologiepark oder dem Switzerland Innovation Park. «Es wäre schade, wenn die Coronakrise diese Bemühungen zunichtemacht, schliesslich geht es um die zukünftige Wertschöpfung der Region.»

Auch Cellestia-Gründer Michael Bauer ist erleichtert, dass sich der Kanton den Start-ups annimmt: «Es kann uns Luft verschaffen, die Verzögerungen aufzufangen.»

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