Ginge es nach den Verantwortlichen des Basler Staatsarchivs, wären sie schon gestern in den zu erstellenden Neubau im St. Johann gezogen. Im Internet weibeln sie so sehr für die Umzugspläne, dass sich FDP-Präsident Luca Urgese schon wunderte, wie viele Ressourcen vorhanden sind um gar einen Blog mit solchen Einträgen zu füttern.

Die Sehnsüchte scheinen in Erfüllung zu gehen. Darauf deuten die Entscheide der vorberatenden Grossratsgremien, welche der bz vorliegen: Sowohl die Bau- und Raumplanungskommission als auch die Bildungs- und Kulturkommission stimmen dem Ratschlag der Regierung zu. Diese will für das Staatsarchiv und das Naturhistorische Museum ein neues Heim im St. Johann-Quartier bauen.

Es ist der erste Stein in einem kleinen Liegenschafts-Domino: Wenn Naturhistorisches und Staatsarchiv ausziehen, sollen Antikenmuseum inklusive Skulpturenhalle den Berri-Bau und das Präsidialdepartement die freigewordenen Räumlichkeiten am Münsterhügel übernehmen. Immobilien Basel-Stadt arbeitet derzeit an Plänen, was dann mit dem Antikenmuseum am St. Alban-Graben passieren könnte. In den Rattenschwanz reihen sich weitere Lager- und Büroräumlichkeiten der Museen, für die ebenfalls noch nicht abschliessende Pläne bestehen.

Es geht ums Geld

Viel wurde geschrieben über mögliche Folgen dieser grossen Rochade: über vibrierende Böden und Asbest im Berri-Bau, Heimat des Naturhistorischen Museums. Diese Zweifel scheinen ausgeräumt. Zu reden geben nun die Kosten.

2013 hatte das Basler Parlament einem Vorprojekt unter der Bedingung zugestimmt, dass die Betriebskosten nicht steigen dürfen. Das könne nicht eingehalten werden, sagt die Regierung. Das ist insofern brisant, als dass das zuständige Präsidialdepartement schon für ungeplant hohe Betriebskosten beim Neubau des Kunstmuseums in der Kritik steht. Eine kleine Minderheit speziell in der Kulturkommission stösst sich daran gewaltig, es werde ein «klarer parlamentarischer Auftrag missachtet».

Kostendach oder nicht?

Ebenfalls beschlossen hatte der Grosse Rat ein Kostendach von 190 Millionen. Die aktuelle Budgetierung überschreitet das. Es sei kein Kostendach, vielmehr ein Mittelwert, argumentiert die Regierung. Andere Lösungen seien nicht geprüft worden, obwohl die veranschlagten Kosten zunahmen, moniert die BKK-Minderheit: «Ein solches Planungsversagen ist deshalb zu kritisieren.» Auch wenn Basel sich als Kulturstadt anpreist, «kann dies nicht der Anlass sein, jede höhere Kulturausgabe durchzuwinken».

Diese Kritik verspricht eine engagierte Debatte im Grossen Rat. Insgesamt aber dürfte sich Regierungsrätin Elisabeth Ackermann (Grüne) über die vorberatenden Berichte freuen. In der BKK stimmten acht Grossräte ihren Plänen zu, bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung. «Ein Scheitern des Projekts wäre ein Rieseneinschnitt und würde die ganzen Planungsarbeiten und die damit verbundenen Kosten vernichten», schreiben sie.

Der Bericht der Bau- und Raumplanungskommission liegt noch nicht abschliessend vor. In ihrer Sitzung von Mitte Oktober zeigte sich aber eine grosse Mehrheit überzeugt von den Umzugsplänen. Das belegen Dokumente, welche die bz einsehen konnte.