Sabine Horvath, Leiter Aussenbeziehungen und Standortmarketing im Kanton Basel-Stadt, ist überzeugt von der Wichtigkeit von Städte-Rankings. «Wir setzen auf die Lebensqualität Basels, um hochqualifizierte Arbeitskräfte anzuziehen.» Rankings wie die von Internations spielen dabei eine wichtige Rolle. «Sie sind eine ergänzende Grundlage für Firmen, um über Investitionen und Ansiedlungen zu entscheiden.» Horvath ist sich sicher: Sie sind ein Standortfaktor im internationalen Wettbewerb.

Da macht es Sinn, dass der Kanton mit viel Aufwand die fünf wichtigsten Rankings auswertet und analysiert. Dabei gibt es grosse Unterschiede. «Es ist wichtig, die Gründe für die Einschätzungen zu verstehen», betont Horvath. Allerdings zwinge nicht jedes Ranking auch zum Handeln. Sie zitiert eine kritische Einschätzung zu den Internationalen Schulen im Mercer Report, der in der Schweiz Bern, Genf, Zürich und Basel berücksichtigt. «Es hat sich herausgestellt, dass es für die Expats gar kein Problem war, dass es statt vier nur zwei internationale Schulen in Basel gibt, da kein Engpass an Plätzen bestand.»

Einen Werbefilm gibt es auch

Der Kanton stellt seine Werbung für Basel unter das Motto «Weltstadt im Taschenformat». So heisst auch ein knapp fünfminütiger Werbefilm für die «Stadt der kurzen Wege», den künftige mögliche Neu-Basler zusammen mit einer 100-seitigen englischsprachigen Welcome-Broschüre vom potenziellen zukünfigen Arbeitgeber nach Hause geschickt bekommen, wenn sie ein Jobangebot aus Basel erhalten haben.

Beides soll ihnen die Entscheidung für den Umzug ans Rheinknie erleichtern und vermittelt neben einem ersten Eindruck und Informationen zu Kultur, Freizeit, Wirtschaft, Geografie, Politik und Veranstaltungen auch praktisches Wissen wie die Organisation der Müllensorgung. Die Broschüre wird alle drei bis fünf Jahre überarbeitet und neu publiziert.

Haben sich die Expats dann tatsächlich in Basel amtlich angemeldet, gibt es im Rathaus eine Willkommens-Veranstaltung der Regierung. Anschliessend können sich die Neuzuzüger bei einer Fahrt mit Apéro auf einem Rheinschiff bei einem Informationsmarkt zu Themen wie Arbeitsrecht, Aufenthaltsbewilligung, Bildungssystem, Gesundheitswesen, Sozialversicherung und Steuersystem beraten lassen.

Welcome-Veranstaltung mit Regierungsrat Baschi Dürr im Basler Rathaus.

Welcome-Veranstaltung mit Regierungsrat Baschi Dürr im Basler Rathaus.

Ferner werden ein zweieinhalbstündiger Stadtrundgang sowie Anlässe in den Quartieren angeboten. Die GGG schliesslich veranstaltet einen stets gut besuchten Informationsanlass zum Thema «Wie ticken die Schweizer?» oder «Typically Swiss!?» (Schweiz am Wochenende vom 10.11.18) sowie Online-Dienstleistungen in 14 Sprachen.

Wie hoch das Budget für den Empfang von Expats ist, kann Horvath nicht sagen, da die verschiedenen Kommunikationsmittel nicht nur für sie eingesetzt werden. Zu den Veranstaltungen werden alle Personen eingeladen, die neu nach Basel ziehen – also auch Schweizer. Eine Broschüre kostet zehn bis fünfzehn Franken. Der Stückpreis hängt davon ab, wie lange eine Ausgabe im Einsatz bleibt. Pro Jahr gehen 300 bis 500 Exemplare an die Firmen.

Euro-Airport nicht im Ranking

Horvath zeigt sich mit dem Ergebnis des Städte-Rankings von Internations sehr zufrieden. «Die Erreichbarkeit, die kurzen Weg, das reiche kulturelle Angebot und das Dreiländereck sind aufgrund der Form der offenen Befragung positiv zum Tragen gekommen.»

Anders sehe das aus, wenn eine Agentur nur Daten erhebe. «Dann fällt die Nähe von Frankreich und Deutschland als positiver Faktor weg. Es kann sogar passieren, dass der Euro-Airport nicht berücksichtigt wird, weil er in Frankreich liegt.» Grossregionen ohne Grenzen wie Zürich hätten dann einen Vorteil.

Dass Basel im Internations-Ranking gegenüber Zürich, Genf und Bern so positiv abgeschnitten hat, führt Horvath auf die hohe Gewichtung der Themen Wohnen und Lebenshaltungskosten zurück, wo die Lage in Basel besser sei. «Es hat sich sicher auch positiv ausgewirkt, dass die Bevölkerung gegenüber Grenzgängern und Expats sensibilisiert ist, weil bekannt ist, dass sie für die wirtschaftliche Dynamik der Region wichtig sind.»

Dem Problem, dass viele Expats sich in Basel nicht zu Hause fühlen und nur schwer Freunde finden, versucht der Kanton zu begegnen, indem er Begegnungsplattformen schafft. Häufig klagen Expats auch über die Kinderbetreuung oder, dass ihre Partner Schwierigkeiten haben, Arbeit zu finden. «Bei diesen Themen schneiden allerdings alle Schweizer Städte schlecht ab. Das ist nicht Basel spezifisch.»

Horvath vermutet zudem, dass «länderspezifische Eigenschaften» im Städte-Ranking hoch bewertet wurden. Im Ländervergleich war die Schweiz nur auf Rang 44 gekommen. «Hätte man vor allem die Lebensqualität berücksichtigt, wären die Schweizer Städte weltweit unter den Top 15.»