Heizung und Warmwasser nehmen 40 Prozent des Energiebudgets ein. Welches sind die effizientesten Massnahmen für Einsparungen, zum Beispiel für den Hausbesitzer?

Matthias Ebinger: Die richtige Einstellung der Heizungsanlage kann schon sehr viel bringen, ohne grosse Investition. Damit erzielen Sie den grössten Kosten-Nutzen-Effekt. Herausholen kann man 15 bis 20 Prozent. Die meisten Anlagen laufen nicht optimal. Ein guter Fachmann kann da oft noch etwas herausholen. Also: Die Chancen für Einsparungen sind gross.

Gibt es andere kurzfristige Massnahmen, etwa für Mieter?

Ja, beispielsweise das Absenken der Raumtemperatur. Ein Grad Absenkung bedeutet eine Einsparung von sechs Prozent. Eine Absenkung ist natürlich nicht überall möglich. Viele wollen beispielsweise im Büro keine tiefere Temperatur als 21 Grad. Aber man kann sich ganz einfach fragen, wo man sich nicht viel aufhält, und dort sind Absenkungen möglich.

Längerfristig: Wo lohnen sich Investitionen am meisten?

Es lohnt sich, bei Unterhaltsarbeiten gleichzeitig energetische Massnahmen vorzunehmen. Vielfach sind schon die kleinen Massnahmen sehr wirkungsvoll. Eine Aussentür, die neu gestrichen werden muss, sollte auch gerichtet und wenn nötig mit einer guten Dichtung ertüchtigt werden. Bei Renovationen, z. B. dem Dach, bietet es sich geradezu an, den Estrich zu dämmen. In der Regel wird dadurch der «nur» der vorhandene Wohnraum vergrössert und die Energieeinsparung relativiert sich durch das grössere beheizte Volumen. Finden dadurch aber mehr Personen Platz im Haus, hat man die Bilanz effektiv verbessert. Wo keine Renovationen anstehen, kann sich die einfache und günstige Variante einer Bodendämmung lohnen. Eine Massnahme, die sich auch bereits bei tiefen Energiepreisen amortisieren lässt: Die Sanierung einer Heizanlage. Alleine der Einsatz eines modernen Produktes bringt viel, ungefähr 10 Prozent kann eingespart werden, wenn man von einem alten auf einen neuen Kessel umstellt.

Als Mieter möchten wir sicherlich gerne sparen. Aber wir können ja nicht investieren. Der Hausbesitzer hat nichts davon, wenn er in Dämmung investiert – es kostet nur. Gibt es ein Finanzierungsmodell, welches die richtigen Anreize schafft?

Ja, das gibt es, beispielsweise Förderbeiträge an Energiesanierungen. Das sind Anreize, die auch Hausbesitzer ansprechen. Aber es braucht natürlich trotzdem Hausbesitzer, die mitmachen und die Unterhalt und Behaglichkeit der Immobilie hoch einschätzen.

Alte Häuser stehen bisweilen unter Denkmalschutz. Und man kann Mauern nicht einfach beliebig dick isolieren…

Ja, aber auch hier kann man mit energetischen Massnahmen viel machen. Die billigste Variante führt da oft nicht zum Ziel. Es braucht Zeit und kostet entsprechend, eine zufriedenstellende Lösung für alle zu finden. Die fette Dämmung aussen drauf verändert das Aussehen entsprechend. Soll der Charakter eines Gebäudes erhalten bleiben, werden zunehmend Dämmputze eingesetzt. Dämmputze sind Putze, die mit leichten porösen Materialen versetzt sind und einen geringere Wärmeleitfähigkeit haben als normale Putze.

Wo sehen Sie als Praktiker politischen Handlungsbedarf?

Schwierige Frage. Sie ist für den Kanton Aargau anders zu beantworten als für Basel. Sehr oft wird der Energiespareffekt an den finanziellen Einsparungen festgemacht. Bei den heutigen Energiepreisen geht das sehr lang, bis sich eine Investition, beispielsweise in neue Fenster, amortisiert hat. Die Politik müsste auch den Aspekt der Behaglichkeit ins Spiel bringen. Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass viele Massnahmen einfach umgesetzt werden können, da sollte man ganz pragmatisch vorgehen. Es gilt, das Machbare und das Effiziente realisieren!

Der Ölpreis ist stark gefallen. Wie stark beeinträchtigt dies das Energiesparen und die Bestrebungen, den CO2-Ausstoss zu reduzieren?

Das ist effektiv ein Problem. Es gibt dadurch auch Druck auf Energieformen, die punkto CO2-Ausstoss und Umweltbelastung vorteilhaft sind. Diese haben es schwerer. Sie verkaufen Holzpellets schlechter, wenn Öl günstiger wird. Andererseits wird die problematische Tiefsee-Ölförderung gebremst. Man muss sich unsere Abhängigkeit vom Erdöl vor Augen halten. Das Öl kommt zum Teil aus politisch heiklen Regionen. Es sollte ein gewisses Interesse bestehen, vom Nahen Osten und von Russland weniger abhängig zu sein und eher lokale Ressourcen zu nutzen. Und zwar unabhängig vom Ölpreis.