Expo 2030
Expo-Botschafter Jakob: «Basel alleine kann das Projekt nicht stemmen»

Nach dem Nein in St. Gallen und im Thurgau zur Expo 2027 soll nun die Nordwestschweiz Schauplatz der nächsten Expo sein. Die bz zeigt in einer Serie, was eine Landesausstellung um das Jahr 2030 für die Region Basel bedeuten würde. Im ersten Teil erklärt Expo-Botschafter Eric Jakob, was er von der Idee hält.

Tobias Müller
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Geistesblitze, die Form angenommen haben, oder doch nur heisse Luft? Die Idee einer Expo in der Nordwestschweiz ist umstritten. 2002 lockte die künstliche Wolke die Expo-Besucher auf den Neuenburgersee.

Geistesblitze, die Form angenommen haben, oder doch nur heisse Luft? Die Idee einer Expo in der Nordwestschweiz ist umstritten. 2002 lockte die künstliche Wolke die Expo-Besucher auf den Neuenburgersee.

KEYSTONE

Herr Jakob, waren Sie überrascht, als die Ostschweiz den Vorschlag für die Expo 2027 an der Urne abgelehnt hat?

Eric Jakob: Ja, das hat mich schon sehr überrascht. Vor allem die Deutlichkeit des Resultats hatte ich so nicht erwartet. Denn die Feedbacks der kantonalen Partner waren eigentlich sehr gut. Man war guter Dinge, dass das Stimmvolk den Vorschlag annehmen würde.

Und waren Sie überrascht, als Basler Parlamentarier bekannt gaben, die Ostschweiz beerben zu wollen?

Ja und nein. Einerseits verstehe ich es, da es in der Region Basel vorher noch nie eine Expo gab und daher eine Durchführung durchaus Sinn machen würde. Aber das massive Nein in der Ostschweiz, sowie das Nein zu den Olympischen Spielen in Graubünden damals, zeigen, dass es Grossprojekte an der Urne schwer haben.

Expo-Botschafter Eric Jakob

Botschafter Eric Jakob ist seit 2012 Leiter der Direktion für Standortförderung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und somit Expo-Beauftragter des Bundes. Vorher war er Geschäftsführer der Regio Basiliensis. Diese ist verantwortlich für die grenz- überschreitende Zusammenarbeit der Region Basel und des Oberrheingebiets.

Deshalb die Frage: Lohnt sich eine Expo überhaupt?

Ich finde die Durchführung einer Expo grundsätzlich eine gute Idee, ja. Aber die Idee einer Landesaustellung muss weiterentwickelt, modernisiert werden, damit sie heute funktioniert. Daneben ist es auch eine Frage des Geldes. Eine Kosten-Nutzen-Analyse ist schwierig zu machen, da auf vielen Ebenen von einer Expo profitiert werden kann. Die Besucher, welche eine touristische Wertschöpfung bringen. Das Netzwerk, welches entsteht. Neue Ideen für die Region und für die Schweiz. Die Zusammenarbeit der Kantone. Die Reflexion über gemeinsame Werte und zukünftige Herausforderungen. All das sind auch Aspekte, die eine Region und die Schweiz weiterbringen können.

Sie kennen Basel gut, haben hier jahrelang auch gearbeitet. Hat Basel genug zu bieten für eine Expo?

Das auf jeden Fall! Ich denke nicht nur Basel, sondern jede Region in der Schweiz hätte genug zu bieten, um eine Landesausstellung durchzuführen. In Basel sind vor allem das wirtschaftliche Potenzial, das kulturelle Angebot sowie die Vernetzung mit den Nachbarn ein grosses Plus, das für die Region spricht.

Können Sie das etwas genauer ausführen?

Als Bundesvertreter kann ich das nicht. Es wäre dann die Aufgabe der Verantwortlichen der Kantone und regionalen Partner, konkrete Schwerpunkte festzulegen. Aber was ganz klar ist: Eine Expo muss einerseits etwas bieten, was speziell für diese Region ist. Aber auch etwas, das die Schweiz als Ganzes betrifft und wovon alle im Land profitieren.

Die Expo 2002 hat rund 1,5 Milliarden Franken verschlungen. Ist eine Expo finanziell gesehen sinnvoll?

Die Expo 02 war ja viel geringer budgetiert als diese 1,5 Milliarden Franken, die es dann geworden sind. Eine Landesaustellung muss meiner Meinung nach auch nicht zwingend so viel kosten. Eine Milliarde oder sogar nur ein paar hundert Millionen können schon reichen. Es kommt ganz darauf an, wie man die Sache aufbaut.

Aber es ist ein Fakt, dass eine Landesaustellung so oder so viel kostet. Alleine für die Machbarkeitsstudien in der Ostschweiz hätten rund 8 Millionen aufgewendet werden müssen.

Diese 8 Millionen in der Ostschweiz hätten natürlich nicht nur die Machbarkeitsstudien ausgemacht, sondern alles drum herum: Die ganze begleitende Arbeit, die dazu gehört hätte. Die Konkretisierung des Projekts inklusive diverser Machbarkeitsstudien hätte bis ins Jahr 2019 gedauert. Dafür braucht es eine Geschäftsstelle, einen Betrieb. Ausserdem hätten wir die Ideen auch laufend weiterentwickelt. Angesichts der Grösse und der Bedeutung einer Landesausstellung muss man von Anfang an professionell arbeiten – und das kostet.

Wer arbeitet diese Studien überhaupt aus?

Das sind ganze Bündel von Parteien, die daran arbeiten: Spezialisten für Fragen des Verkehrs, der Sicherheit, des Tourismus sowie der Kultur.

Ist eine Expo noch zeitgemäss?

Die Expo-Idee von früher, also auf einem geschlossenen Gelände eine Leistungsschau zu bieten, ist sicher veraltet. Die Expo 02 war da schon einen Schritt weiter, mit den vier Arteplages. Und die Expo 2027 in der Ostschweiz wäre nochmals offener gewesen und hätte den gesamten Raum zwischen Bodensee und Säntis bespielt.

Nach dem Nein in der Ostschweiz sagten Sie in einem Interview, dass Sie eine «zurückhaltende Offenheit für neue Vorschläge» haben.

Also was man sicher festhalten muss: Die Abstimmung in der Ostschweiz kam zu einem zu frühen Zeitpunkt. Man konnte sich noch kein konkretes Bild machen, was da in elf Jahren stattfinden soll. Es ist kaum möglich, sich für ein abstraktes Konzept zu begeistern. Aber dennoch finde ich die Grundidee einer Landesausstellung sinnvoll. Voraussetzung für die Prüfung neuer Vorschläge ist: Es muss ein überzeugendes Konzept vorliegen und Regierung und Parlament der entsprechenden Kantone müssen voll dahinter stehen.

Jetzt will die Region Basel die nächste Expo durchführen. Ist der mögliche Zeitpunkt 2030 nicht zu weit weg, um jetzt schon darüber zu diskutieren und abzustimmen?

Einerseits braucht es für die Vorbereitung eines solchen einmaligen Grossanlasses, der mit vielen inhaltlichen, logistischen und organisatorischen Fragen verknüpft ist, genügend Zeit. Andererseits braucht es für die öffentliche Diskussion ein einfach kommunizierbares Konzept. Dies miteinander zu verbinden, ist eine der vielen Herausforderungen für die Initianten einer Expo.

Was wäre der Nutzen für die Basler Bevölkerung, wenn hier die Expo durchgeführt werden würde?

Da gibt es natürlich den direkten Nutzen, da die Besucher von etlichen Angeboten in der Region profitieren. Ein wirtschaftlicher, touristischer und kultureller Nutzen ist unumstritten. Darüber hinaus sehe ich aber auch einen ideellen Nutzen. Es werden neue Ideen entwickelt, Werte und Positionen reflektiert, Lösungen für Herausforderungen diskutiert, kreatives Potenzial genutzt sowie Netzwerke in der Region geschaffen. All diese Vorgänge bringen einer Region in der langen Frist etwas, auch wenn dies nur schwer messbar ist.

Denken Sie, dass das Basler Volk einer Expo zustimmt?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Es reicht auch nicht, dass nur die Stadt Basel hinter diesem Projekt steht. Es braucht auch den Kanton Baselland. Vielleicht sogar die ganze Nordwestschweiz – und die trinationale Region inklusive Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze.