Expo 2030
Expo in Basel: Welche Schweiz wollen wir eigentlich?

Seit 1883 hat die Schweiz erst sechs Mal eine Landesausstellung abgehalten und gezeigt, was sie ist, was sie kann – und was sie sein will. Ein Rückblick.

Andreas Fahrländer
Merken
Drucken
Teilen
Expo.02: Die Arteplage in Yverdon-les-Bains.

Expo.02: Die Arteplage in Yverdon-les-Bains.

Keystone

Pioniergeist, bedingungslose Moderne und eine nachhaltige Zukunft – dieses Bild der Schweiz vermittelte die letzte Expo im Drei-Seen-Land. Aber was bringt eine Expo eigentlich dem Staat und seinen Bürgern? Die angedachte Expo 2030 in der Nordwestschweiz wäre die siebte Landesausstellung der Schweiz.

Die erste inoffizielle Landesschau war die Berner Kunst- und Industrieausstellung 1804. Aus der Tradition der Jahrmärkte und Messen entstand damals die Idee, Waren nicht nur anzupreisen und zu verkaufen, sondern aller Welt zu zeigen, was man kann und was man sein will. Die Weltausstellungen, wie jüngst in Mailand, verfolgen bis heute den gleichen Gedanken.

Afrikanerdorf und Heimatstil

Die erste echte Landesausstellung fand 1883 in Zürich statt. Neben der Warenschau ging es vor allem um das Schweizer Schulwesen. Bei der zweiten Ausgabe 1896 in Genf präsentierte sich die Armee von ihrer besten Seite und es gab neben dem «village suisse» im Heimatstil auch ein «village noir» mit Lehmhütten, von 230 Sudanesen bewohnt.

Die dritte Landesausstellung, 1914 in Bern, fiel mit dem Beginn des Weltkriegs zusammen. Die Schweiz zeigte im Armeepavillon ihren Willen zur bewaffneten Neutralität. Das «Dörfli» inszenierte eine landwirtschaftliche Idylle, als Gegensatz zu der modernen, schnell wachsenden Industrienation mitten in Europa.

Während der Landi 1939 in Zürich brach der Zweite Weltkrieg aus. Für die geistige Landesverteidigung wurde erneut das Bild der neutralen, wehrhaften Schweiz propagiert. Erst die Expo 64 in Lausanne zeigte eine moderne, urbane Schweiz. Auguste und Jacques Piccards U-Boot, das die Besucher zum Grund des Genfersees brachte, war die grosse Attraktion.

Schlangestehen für die Schwebebahn: Besucher der Expo 64 in Lausanne.

Schlangestehen für die Schwebebahn: Besucher der Expo 64 in Lausanne.

Keystone

Georg Kreis hat sich als Historiker mit den Landesausstellungen beschäftigt und sich jüngst in der «Schweiz am Sonntag» gegen eine «territoriale» Expo ausgesprochen. Man müsse neue Ausstellungsformen finden, wenn es um eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Schweiz gehen solle.

Im Historischen Lexikon der Schweiz schreibt Kreis zu den Landesausstellungen: «Bereits die Expo 64 sah sich den verschiedensten Erwartungen ausgesetzt. Den einen war sie zu traditionell oder zu affirmativ, den anderen zu futuristisch oder zu kritisch.»

Belehrung, Vergnügen und Heiterkeit

Die dezentralisierte Expo.02 in Biel, Murten, Neuenburg und Yverdon-les-Bains versuchte, diesen Spagat zu schaffen. Dabei wäre sie fast gescheitert – wie schon das Projekt einer Landessausstellung 1991 zum 700-Jahr-Jubiläum der Schweiz, oder die Expo Gottardo 2020.

Nach Streit und Geldmangel – dem Trägerverein fehlten 290 Millionen – zwang der Bundesrat 1999 die Direktion der geplanten Expo.01 zum Sparen und verschob die Ausstellung um ein Jahr.

Expo.02: Die Türme der Bieler Arteplage.

Expo.02: Die Türme der Bieler Arteplage.

Keystone

Die Historikerin Béatrice Ziegler, Didaktikprofessorin an der PH Basel, schreibt in einem Aufsatz von 2001: «Die Welt- und Landesausstellungen der beiden vergangenen Jahrhunderte sind machtvolle Schauplätze gewesen, auf denen Ideologien verankert und Diskurse angereichert worden sind.»

In diesem Sinn müssten sich die Förderer einer Nordwestschweizer Expo vielleicht zuerst fragen, welches Bild der Schweiz sie in Zeiten von Brexit, EU-Krise und geschlossenen Grenzen zeigen wollen. Ziegler schreibt in ihrem Aufsatz zum Wesen der Landesausstellungen nämlich auch: «Die Inszenierung soll als Ort der Belehrung, aber auch des Vergnügens und der Heiterkeit erfahren werden.»