Nein, der Winter ist noch nicht vorbei. Ganz und gar nicht. Diese Woche sollen die Temperaturen auf minus zehn Grad oder noch tiefer fallen. Für Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben, ist das lebensgefährlich.

Darauf reagieren die Hilfsorganisationen und die Bevölkerung: Die Heilsarmee Basel verkündete am Freitag, dass sie die Türen der Frobenstrasse 20 A in der nächsten Woche öffnen wird. Am Samstagabend wurde das Haus der Heilsarmee zum ersten Mal zum Schlafplatz für einige gefährdete Obdachlose – und wird es die ganze Woche bleiben. Nach der extremen Kälteperiode im Januar vor einem Jahr sind die Hilfsorganisationen gewappnet. Das Männerwohnhaus bietet vier Notschlafplätze an, und das Frauenwohnhaus nimmt zwei Obdachlose bei sich auf. Neben diesen zusätzlichen Notschlafstellen sind in der Stadt 38 Schlafplätze frei.

Brigitte Meyer, Generalsekretärin des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, ist zuversichtlich. Auch sie haben aus der letztjährigen Situation gelernt: «Aufgrund der bisherigen Erfahrungswerte gehen wir davon aus, dass wir auch in der bevorstehenden Kältewelle nicht an die Kapazitätsgrenze stossen werden.» Im Notfall könne die kantonale Notschlafstelle noch zwölf Schlafplätze im Aufenthaltsraum zur Verfügung stellen.

Basler denken mit

Gewisse soziale Einrichtungen wie das «Soup & Chill» können zwar wegen des Mietvertrags oder Platzproblemen niemanden übernachten lassen, geben aber sonst ihr Bestes, alles für die Menschen auf der Strasse zu tun. Claudia Adrario von «Soup & Chill» betont: «Niemand darf bei dieser Kälte auf der Strasse sein.» Gemeinsam mit den anderen Institutionen für Obdachlose in Basel wurde schon im Voraus viel geplant, wie Meyer bestätigt.

Dies betont auch Michel Steiner, Gassenarbeiter beim Schwarzen Peter. «Die Koordination unter uns ist sehr gut. Zudem sind viele Leute draussen vor Ort. Nennenswert ist etwa die Basler Polizei. Die weiss, wo die Leute schlafen und schickt sie zu uns, falls die Situation lebensbedrohlich wird.» Auch auf seiner Facebook-Seite macht das Team des Schwarzen Peter auf die Situation aufmerksam: «Die Institutionen wie Schwarzer Peter, Gassenküche und Soup & Chill nehmen gute Schlafsäcke, warme Kleidung und weiteres Outdoormaterial entgegen und bringen es unter die Leute, die weiterhin draussen schlafen.» Die Bevölkerung folgt dem Aufruf und schaut nicht tatenlos zu: «Wir merken, dass auch die Basler mitdenken», bemerkt Adrario freudig.

In den vergangenen Wochen seien zahlreiche Sachspenden zusammengekommen. Dicke Decken, warme Schlafsäcke und Winterkleidung habe die Basler Bevölkerung an die verschiedenen Institutionen gespendet.

Grösste Gefahr Suchtmittel

Trotzdem sind die sozialen Einrichtungen immer auf Spenden angewiesen. So braucht beispielsweise der Schwarze Peter kleine Kleidungsstücke wie Handschuhe, Winterschuhe oder dicke Socken.

Wegen der Wetterprognose macht sich Steiner keine zu grossen Sorgen, eher wegen der Drogen: «Obdachlose spüren unter dem Einfluss von Suchtmitteln nichts mehr. Das kann lebensgefährlich sein», sagt er. In der eisigen Zeit wird also alles dafür getan, damit die Obdachlosen sicher sind. Für Claudia Adrario ist klar: «Wir müssen die Leute reinlassen – egal, was für einen Pass sie haben und woher sie kommen.»