«Die Nordwestschweiz konnte von den bisherigen Finanzierungstöpfen wie Bahn 2000 relativ wenig profitieren», stellte die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro gestern an der Pressekonferenz der Nordwestschweizer Direktoren des öffentlichen Verkehrs fest. «Doch nun erkennt man in Bundesbern den Stellenwert unserer Region für die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Schweiz. Entsprechend werden mit Fabi von den 6,4 Milliarden in den nächsten zehn Jahren 900 Millionen Franken in die Nordwestschweiz fliessen.»

Mehr Kapazität auf der Schiene

Insgesamt geht es bei Fabi - Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur - in der Nordwestschweiz um Massnahmen, welche einen dichteren S-Bahn-Takt erlauben, den Güter- und den Personenverkehr entflechten und die Kapazität im Güterverkehr steigern. Letztgenanntes sei insbesondere mit Blick auf die Neat-Eröffnung 2016 entscheidend, ergänzte der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels: «Die Sogwirkung der neuen Alpentunnel wird den Güterverkehr ansteigen lassen, was den Regionalverkehr an den Rand zu drücken droht.»

Konkret sind für die erste Etappe bis 2025 folgende Projekte geplant: Der «Ostkopf» des Basler Bahnhofs soll ausgebaut werden. Heute verunmöglicht dieser Engpass die Verdichtung des S-Bahn-Verkehrs. «Mit Fabi können wir bis 2025 unsere wichtigsten Ausbauziele erreichen: den Viertelstundentakt der S-Bahn zwischen Liestal und Basel», erklärte Pegoraro.

In den Stosszeiten solle es auch ins Fricktal mehr S-Bahnen geben. Mehr Züge bedeute auch mehr Sitzplätze. Für mehr Züge brauche es in Basel eben auch mehr Gleise. Für die erste Etappe des Ostkopf-Ausbaus seien 490 Millionen Franken vorgesehen.

Auch die Entflechtung Pratteln soll die Kapazitäten erhöhen: Sie wird ermöglichen, dass sich Züge gleichzeitig auf unterschiedlichen Ebenen kreuzen können, ohne sich zu behindern. Die aktuell favorisierte Variante sieht eine Unterquerung westlich des Bahnhofs Pratteln mit einem rund 700 Meter langen zweispurigen Tunnel vor. Mehr Gleise im Bahnhof werden Zügen besseres Überholen ermöglichen. Für die erste Ausbau-Etappe seien 410 Millionen Franken eingeplant.

Ein Wendegleis in Liestal - analog zum Läufelfingerli-Wendegleis in Sissach - soll den Viertelstundentakt in der S-Bahn ermöglichen.

Pegoraro wies darauf hin, dass auch der Doppelspurausbau im Laufental zwischen Grellingen und Duggingen von einem Ja zu Fabi abhängt: «Wir haben starke Signale aus dem Bundesamt für Verkehr, dass der Bund einer Vorfinanzierung durch den Kanton Baselland zustimmen könnte.» Die konkreten Modalitäten würden dann im Fabi-Gesetz geregelt.

Grossprojekte in der Pipeline

Während die Doppelspur im Laufental noch nicht in trockenen Tüchern ist, wecken die im Ausbauschritt 2025 vorgesehenen Planungen für einen dritten Jura-Durchstich Hoffnungen: «Die Region Basel ist das Logistikzentrum der Schweiz. Die notwendigen Schienenkapazitäten müssen gesichert sein», erklärte Wessels. Mit den Planungsgeldern für einen neuen Juradurchstich bekomme die Wisenberg-Thematik endlich Verbindlichkeit auf Bundesebene. «Dies ist ein Nagel, den wir unbedingt einschlagen müssen.»

Noch nicht im Planungshorizont 2025 enthalten ist das «Herzstück», die Verbindung der beiden Basler S-Bahnsysteme durch einen Tunnel unter dem Rhein hindurch. Die Planung befinde sich erst auf Stufe Vorstudie, erklärt Wessels, in diesem Jahr werde man die Mittel für ein Vorprojekt beantragen. Pegoraro erläuterte, dass die Finanzierung des Herzstücks aus dem Agglomerationsprogramm in den Bahninfrastrukturfonds verschoben wird. «Also wird sich der Bund daran beteiligen müssen. Die Grundlage dazu ist ein Ja zu Fabi.»

Wessels wies weiter darauf hin, dass ein Nein zu Fabi nicht nur den Ausbau des Bahnangebots auf unbestimmte Zeit verschiebe, sondern auch den Unterhalt. Der Bund habe keinen Plan B, betonte Pegoraro. Entsprechend sei die Nordwestschweizerische Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs entschieden für Fabi. Und Pegoraro ergänzte in Richtung der Fabi-Gegner, die sich an der Mitfinanzierung durch den Strassenverkehr stören: «Je mehr Verkehr auf der Schiene stattfindet, desto mehr Platz haben wir auf den Strassen. »