So kompliziert ist «Verzell du das em Fährimaa» ja nicht. Doch auch dieser Satz kann schwierig zu kapieren sein. Noa Thurneysen erlebt immer wieder Fähri-Gäste, die ihm sagen: «So, Fährimaa, jetzt erzähl mal was!» Strömung, Grossschifffahrt und Schwimmer fordern jedoch seine ganze Aufmerksamkeit, da kann er nicht auch noch Geschichten erzählen. Auf festem Boden plaudert der 33-Jährige aber gern, wie sich am Montag am «Basler Zmittag» an der Muba zeigte. Es war der Auftakt der Mittags-Talkreihe unter Mitwirkung der bz. Die Gäste sollen Hintergründiges über ein Basler Thema erfahren.

Zum Beispiel eben, dass sich einige Fähri-Gäste Geschichten vom Fährimaa erhoffen – und nicht umgekehrt. Oder, dass Martina Meinicke (43) weibeln muss, um das Überleben der Fähren zu sichern. Die Präsidentin des Fähri-Vereins sorgt dafür, dass der Verein immer mindestens 4000 Mitglieder zählt. Sonst könnte es kritisch werden, sagte sie. «Viele Menschen wissen nicht, dass die Fähren durch die Vereinsbeiträge privatfinanziert werden.»

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Impressionen der Muba-Eröffnung: 

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Geflochtener White-Dinner-Rest

Während Fährimaa und Vereinspräsidentin diskutierten, servierten Gastronom Miguel Engewald und sein Team den Mittagsgästen den Hauptgang. Kartoffel-Gurken-Salat mit Spinat-Baumnussklösschen, Schinkenröllchen und Dijonsenf. Das Besteck mussten sie zuvor selber aus weissen Picknick-Körben klauben, die an Haken über den Tischen hingen. Da Pro Innerstadt das «Basler Zmittag» organisiert, kam der eine oder andere Gast auf die Idee, bei den Körben könnte es sich um Reliquien des White Dinners handeln, das der Verein 2015 durchgeführt hatte. Und siehe da: Die Körbe waren mit «White Dinner» angeschrieben.

Passend zum Thema, schliesslich assen etliche White-Dinner-Gäste auf der Mittleren Brücke mit Fähriblick. Damals war noch Noa Thurneysens Vater, der legendäre Barfuss-und-bunter-Pulli-Jacques, Pächter der Münster-Fähre. Seit Anfang 2016 ist nun Sohn Noa verantwortlich für die «Leu». Martina Meinicke ist froh um das junge Blut auf dem Holzschiff. Im Verein selber ist es weniger gut bestellt um den Nachwuchs. Mit Social-Media-Präsenz soll sich das ändern.

Noa Thurneysen denkt beim Thema Social-Media sofort an einen virtuellen Kampf, den er sich mit der «Papiermühle» liefert. Das Museum hat die Fähren unlängst als Top-Sehenswürdigkeit auf «TripAdvisor» abgelöst. Die Fähren müssen sich mit Platz zwei begnügen, auf dem dritten Platz folgt das Kunstmuseum, dann kommt das Münster. Thurneysens Fähre liegt inmitten all dieser Sehenswürdigkeiten – und seine Klientel besteht im Gegensatz zu jener der Quartierfähren zu einem Grossteil aus Touristen. Zu wenige Passagiere wird er daher kaum haben, Platz zwei hin oder her. 

Basler Zmittag: https://www.muba.ch/de-CH/Besucher/Highlights-Programm/Basler-Zmittag.aspx