Basel

Fällt der Veloparking beim Badischen Bahnhof dem Erlenmatt-Nein zum Opfer?

Weil die Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes mit dem Erlenmatt-Tram abgelehnt wurde, muss die Frage des Veloparkings neu angeschaut werden. Martin Töngi

Weil die Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes mit dem Erlenmatt-Tram abgelehnt wurde, muss die Frage des Veloparkings neu angeschaut werden. Martin Töngi

Das automatisierte, unter der Schalterhalle des Badischen Bahnhofs geplante Veloparking könnte nicht gebaut werden – obwohl der Grosse Rat den Planungskredit bereits bewilligt hat. Was ist nun anders?

Etliche Bürgerliche dürften sich freuen. Obwohl der Grosse Rat vor einem knappen Jahr einen Planungskredit von 540'000 Franken für das beim Badischen Bahnhof geplante unterirdische, voll automatisierte Veloparking bewilligt hat, steht das 11,5 Millionen Franken teure Projekt jetzt wieder auf dem Prüfstand. Viele Bürgerliche fanden es damals zu teuer, in der Abstimmung aber unterlagen sie mit 30 zu 59 Stimmen bei einer Enthaltung.

«Wir können das Vorhaben nicht stur weiterverfolgen und müssen die Situation im Überblick neu anschauen. Das kann auch heissen, dass wir das automatisierte Veloparking gar nicht bauen», sagt Martin Sandtner, Leiter des Planungsamtes des Kantons Basel-Stadt, zur bz. Hintergrund: Da das Erlenmatt-Tram bei der Abstimmung vom Mai 2014 mit 48,36 Prozent Ja- und 51,64 Prozent Nein-Stimmen knapp gescheitert war, muss nun auch die Option Veloparking für den Badischen Bahnhof überprüft werden.

Kein Platz für 750 Velos

Martin Sandtner hatte auf diesen Sachverhalt kurz im Rahmen einer Veranstaltung der Neuen Gruppe Bahnhof zum Bahnhof SBB hingewiesen, die Anfang letzter Woche stattfand. «Da die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes in einen Kredit mit dem Erlenmatt-Tram verpackt war, haben wir eine neue Ausgangslage. Der Auslöser für die Umgestaltung fällt weg», erläutert Sandtner. Auf dem neuen Vorplatz hätte es keinen Platz mehr für die rund 750 Velos gegeben, die derzeit regelmässig dort abgestellt werden.

Laut einer Studie gibt es einen Bedarf von 1200 Veloabstellplätzen am Badischen Bahnhof. Die voll automatisierte Anlage würde wie ein Hochregallager mit Veloboxen und Robotern funktionieren. Als Standort war das Untergeschoss unter der Schalterhalle des Bahnhofsgebäudes geplant. «Er lässt sich aus allen Richtungen gut erreichen und ermöglicht den Velofahrerinnen und Velofahrern ohne Umweg, sehr direkt zu den Zügen zu gelangen. Dies ist zentral für die Akzeptanz dieser Anlage», heisst es im Ausgabenbericht der Regierung zum Veloparking.

Ein Standort oder doch mehrere?

Nun aber muss laut Sandtner neu überprüft werden, ob die Velos weiterhin an einen Standort kommen oder auf mehrere Standorte verteilt werden. Am Problem an sich, 1200 Velos unterzubringen, habe sich allerdings nichts geändert. Mit dem Verzicht auf die Umgestaltung des Vorplatzes gebe es aber keinen Zeitdruck mehr. «Das bedeutet nicht, dass wir die nächsten 50 Jahre nichts machen», betont der Leiter des Planungsamts.

Mit dem Erlenmatt-Tram wäre nicht nur das gleichnamige neue Basler Quartier angebunden worden, sondern auch der Novartis Campus und Volta, schliesslich der Bahnhof St. Johann und der Basler Bahnhof SBB. In einem zweiten Schritt ginge es darum, das Roche Areal anzubinden. Gleichzeitig wäre der Badische Bahnhof als Verkehrsknotenpunkt weiter aufgewertet worden. Dem ist vorerst nicht mehr so.

Auf der erwähnten Veranstaltung zum Bahnhof SBB ging es auch um die dortigen Veloabstellplätze. Die vorhandenen 3000 reichen hinten und vorne nicht aus. 700 neue Veloparkplätze sollen auf der Nordseite des Bahnhofs entstehen und sind nach einem Grossrats-Beschluss die Voraussetzung für die kommerzielle Nutzung des Westflügels, des ehemaligen Elsässer Bahnhofs. Sie sollen in den nächsten drei bis vier Jahren bereitstehen, auch wenn dies «keine leichte Aufgabe» sei, wie Alexander Muhm, Leiter Development SBB Immobilien, betonte.

Nicht begeistert von Automaten

Auf der Gundeldinger Seite sind mittelfristig 1050 neue Stellplätze geplant. Nötig werden diese auch durch das neue Meret Oppenheim Hochhaus beim gleichnamigen Platz. Wenig begeistert zeigte sich Muhm von automatisierten Anlagen. «Die Velofahrer wollen ihr Velo abstellen und wegfahren. Ausserdem brauchen diese Anlagen Unterhalt. Wir sind davon nicht wahnsinnig begeistert.»

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