«Ich bin persönlich enttäuscht von Martina Bernasconi», sagt David Wüest-Rudin. Der Grossrat der Grünliberalen ist nicht gut auf seine Parlamentskollegin zu sprechen, welche noch vor zwei Monaten als Regierungsratskandidatin der GLP von den Plakatwänden lächelte. Per E-Mail hatte sie diese Woche ihre Mitstreiter informiert, dass sie aus der Partei austritt und sich stattdessen der Fraktion der FDP anschliesst. Der Grund: Die GLP hat bei den Wahlen vor zwei Monaten einen Sitz verloren. Mit noch vier Grossräten war die Partei nicht mehr in der Lage, eine eigene Fraktion zu gründen. Und als die Grünliberalen die anderen Parteien für eine Zusammenarbeit anfragten, winkten alle ab. So blieb nur der politische Alleingang.

Damit muss die Partei bei der wichtigen und oft vorentscheidenden politischen Arbeit in den Kommissionen in den nächsten vier Jahre aussen vor bleiben. Für Bernasconi der Grund für ihren Wechsel. «Es wäre einfacher zu akzeptieren, wenn sie sich politisch von der GLP entfremdet hätte», sagt Wüest-Rudin.

Loch in der Parteikasse

Auch finanziell muss die GLP beträchlichte Einbussen einnehmen. Als Fraktion hatte die Partei jährlich 12 500 Franken erhalten. Dazu fehlen künftig die Mandatsabgaben von Bernasconi und dem nicht wiedergewählten Dieter Werthemann, was zusammen 5000 Franken ausmacht. Insgesamt verliert die Partei so einen Viertel ihrer Einnahmen. «Wir werden sparen müssen», sagt Vizepräsident Emmanuel Ullmann. So muss die Partei ihre Administration verschlanken, «und auch bei den kommenden Wahlen in Riehen und für den Bürgergemeinderat werden wir künftig kleinere Brötchen backen müssen».

Auch Ullmann hat kein Verständnis für das Vorgehen von Bernasconi. «Wir haben sie innert kurzer Zeit zwei Mal als Regierungsratskandidatin portiert und auch bei den Nationalratswahlen bekam sie den ersten Listenplatz. Ihr gutes Abschneiden bei den Grossratswahlen war nur dank der grossen Unterstützung der Partei möglich. Dann einen solchen Abgang hinzulegen ist sehr unschön.» Politisch hat es sich Bernasconi mit ihren ehemaligen Parteikollegen verscherzt. «Die Zusammenarbeit mit Martina Bernasconi wird sicher eine andere werden.»

«Müssen aggressiver auftreten»

Trotzdem: Bei der GLP gibt man sich kämpferisch-optimistisch: Einerseits dürfte künftig die Wahlhürde von 4 Prozent wegfallen, welche die GLP diesen Herbst einen Sitz gekostet hat. Und Ullmann sagt: «In der Stadt Bern hat die GLP zuletzt 9,8 Prozent geholt, das Potenzial wäre also sicher vorhanden. Aufgrund der schwierigen Situation im Parlament müsse man nun politisch aggressiver auftreten, pointiertere Aussagen machen, und so auf sich aufmerksam machen. Und auch mit drei Stimmen sieht sich die Partei im Parlament als Zünglein an der Waage.