Ein Fuss auf der Kupplung, einer auf dem Gas. Stehenbleiben? Weiterfahren? So schwerfällig sich der Verkehr am Pfingstwochenende jeweils durch den Gotthard quetscht, so stockend verlief auch die Lösungssuche zwischen der Stadt und den Fahrenden, die seit einigen Wochen ein Teil des Hafenareals besetzen – und für die Stau ohnehin kein Fremdwort sein dürfte.

Doch jetzt kommt offenbar Bewegung in die Sache. Am Dienstag hat das Präsidialdepartement auf Anfrage der bz verlauten lassen, dass die Fahrenden ihren Platz an der Uferstrasse nun ganz offiziell zwischennutzen dürfen. Oder, wie es Melanie Imhof vom Präsidialdepartement etwas vorsichtiger formuliert: «Vorläufig sind die Fahrenden im Hafen ohne Fristangabe geduldet.»

Wie lange die Jenischen dort bleiben, ist indes noch ungewiss. Gestern teilte die Basler Regierung jedenfalls mit, dass man bei der Suche nach einem definitiven Standort für Fahrende vorwärtskomme. So seien aus 37 möglichen Plätzen zwei ausgewählt worden, für die «detaillierte Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben» worden seien.
Bis im Herbst soll feststehen, welcher der beiden der bessere Standort ist. Wo sich die beiden Plätze befinden, will Marc Keller vom Baudepartement indes noch nicht verraten. Nur so viel: «Sie befinden sich beide in Kantonsbesitz.»

Der Standplatz rollt langsam an

Auch wenn die Stadt im Herbst einen Entscheid fällt – bis die Fahrenden den neuen Platz nutzen können, fahren noch viele Autos durch den Gotthard. Denn zunächst braucht es laut Keller ein Baubewilligungsverfahren. Und allenfalls müsse das Areal noch umgezont oder baulich angepasst werden. Theoretisch eilt es nicht, denn gemäss kantonalem Richtplan muss die Stadt den Platz erst 2019 eingerichtet haben. Ob es tatsächlich so lange dauert, kann Keller nicht sagen. Er beteuert aber: «Wir machen vorwärts.»

Bei den Fahrenden wird der gestern veröffentlichte Fahrplan für die Errichtung eines Standplatzes wohlwollend aufgenommen. «Für uns ist das ein positives Zwischensignal», sagt Venanz Nobel vom Jenischen Verein «Schäft Qwant». Mit der Aussicht, den Platz allenfalls erst 2019 beziehen zu können, kann er leben. «Wir warten seit über drei Jahrzehnten auf einen Platz in Basel – da sind dreieinhalb Jahre eine absehbare Frist.»

Niemand soll davongejagt werden

Zunächst gibt es für die Fahrenden ohnehin einen dringenderen Meilenstein zu klären: die Zwischennutzung im Hafen. Bereits diese Woche will sich die Stadt zusammen mit den Jenischen und dem Verein «I-Land» zu einem runden Tisch treffen. Letzterer ist der offizielle Zwischennutzer des ehemaligen Esso-Areals, auf dem sich die Fahrenden vor einigen Wochen niedergelassen haben. Ziel des Treffens: «Die Modalitäten für die Duldung besprechen», wie Melanie Imhof vom Präsidialdepartement sagt. Dem Verein «I-Land» spricht sie ein durchweg positives Zeugnis aus und betont die «gute Zusammenarbeit».

Dessen Vereinssprecher Fabian Müller möchte sich indes zum derzeitigen Stand nicht äussern. Er sagt nur so viel: Im Verein begrüsse man, dass man in den Lösungsprozess eingebunden werde. Man wolle schliesslich niemanden davonjagen, der nicht störe.

Wann kommt der nächste Stau?

Momentan herrscht also freie Fahrt, Zwischennutzer und Fahrende kommen gut aneinander vorbei. Das liegt jedoch zu einem grossen Teil an der kooperativen Haltung des Vereins «I-Land». Ob das auch noch der Fall ist, wenn sich plötzlich mehr Jenische auf dem Hafenareal niederlassen, wird sich zeigen müssen. Laut Venanz Nobel fehlt es im Moment nämlich ganz grundsätzlich an Standplätzen. «Der Druck in der Region Basel ist gross – derzeit sind sämtliche Plätze voll.»