Gut sichtbar steht das WC-Häuschen in der Mitte des neuen Platzes für Fahrende an der Friedrich Miescher-Strasse. Genau das wollte der Präsident des Vereins Sinti und Roma Schweiz im Vorfeld verhindern. «Wir Jenischen haben ein striktes Reinheitsgebot», sagt er.

«Dieses besagt, dass man nicht sehen soll, wie jemand auf das WC geht.» Vor allem bei Frauen sei das in seiner Kultur sehr relevant. Deshalb würden die Fahrenden ein WC Häuschen am Rand des Platzes bevorzugen. Trotz langer Planung und mehreren Treffen mit den Verantwortlichen sei sein Wunsch allerdings unerfüllt geblieben. Das Häuschen mit Duschen und WCs steht nun mitten auf dem Platz. «Die Sitzungen im Vorfeld waren blosse Alibi-Übungen», sagt Geringer. «Die Wünsche der Fahrenden wurden nicht ausreichend berücksichtigt.»

13 Franken pro Tag

Der neue Platz für Fahrende wird am 1. Dezember eröffnet. Es ist der erste offizielle «Stand- und Durchgangsplatz» in Basel. Der Kanton vollzieht damit eine bundesrechtliche Verpflichtung. Der bisherige Platz für Fahrende an der Entenweidstrasse war nur ein Provisorium. Auf 2 000 Quadratmetern ist dort Platz für zehn Wohneinheiten. Die Benutzungsgebühr kostet pro Standplatz und Tag 13 Franken. Strom und Wasser werden separat abgerechnet.

Marc Keller, Mediensprecher des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), verweist auf Gespräche, die im Vorfeld geführt wurden: «Wir haben zwei Runde Tische organisiert, an denen die Wünsche und Anforderungen der Fahrenden aufgenommen wurden.» Bei den Sitzungen waren neben dem Verein für Sinti und Roma Schweiz auch andere Fahrenden-Organisationen wie die Radgenossenschaft Landstrasse, Schäft qwant und die Roma Fondation anwesend. Laut Keller war der Austausch mit den Fahrenden ein wesentlicher und hilfreicher Bestandteil der Planung. Auch von den meisten Organisationen seien die Gespräche durchaus als konstruktiv empfunden worden, sagt Keller. Geringers Kritik könne nicht als stellvertretend für alle Fahrenden aufgefasst werden.

Infolge der Gespräche hat das BVD einige bereits getätigten Entscheidungen verworfen, um auf die Bedürfnisse der Fahrenden einzugehen. So wurden beispielsweise die Zugänge zu den Duschen und WC-Anlagen neu nach Geschlechtern getrennt und auf den abgewandten Gebäudeseiten angebracht. Von der Idee, das WC-Häuschen in der Mitte des Platzes aufzustellen, wurde allerdings nicht abgewichen. Das BVD erhofft sich durch die Platzierung im Zentrum einen zentral gelegenen Treffpunkt, der die gegenseitige soziale Kontrolle fördert. «Gebäude am Rande eines Platzes werden erfahrungsgemäss meist vernachlässigt und verkommen», sagt Keller.

Asphalt statt Kies

Ein zweiter Kritikpunkt betraf den Belag des Platzes. Hier gingen die Meinungen laut Geringer auseinander. Einige bevorzugten Asphalt, andere einen Kiesplatz. Geringer selbst war sich nicht ganz sicher, welcher Belag die beste Lösung wäre. Ein Kiesplatz sollte es aber auf keinen Fall werden: «Viele Fahrende leeren das Abwasser direkt auf den Platz. Nach ein paar Monaten beginnt es dann fürchterlich zu stinken», sagt er. Ausserdem sei es sehr gefährlich, wenn die Kinder mit den verschmutzten Steinen spielen. Die Lösung ist nun eine Mischung aus Rasengittersteinen und Asphalt.

Zudem wurde jeder Standplatz auf Wunsch der Fahrenden mit einer eigenen Stromkonsole versehen. Diese Entscheidung freut Geringer zwar, allerdings bemängelt er, dass man die Abwasserschläuche der Wohnwagen weiterhin über den halben Platz bis zum Häuschen verlegen muss. Viel besser organisiert seien da die Plätze im nahen Elsass, sagt er. Dort gibt es sogar Spielplätze für die Kinder und extra Flächen für Arbeiten mit umweltschädlichen Chemikalien.