Andreas Geringer vom Verband Sinti und Roma Schweiz ist enttäuscht. Einmal mehr. Seit Jahren kämpft er für einen Stand- und Durchgangsplatz für Fahrende im Kanton Basel-Stadt und wieder fühlt er sich von den Verantwortlichen beim Kanton nicht ernst genommen. Dabei war das Ziel noch nie so nah. Läuft nämlich alles nach Plan, dann soll der 2000 m2 grosse Platz an der Friedrich Miescher-Strasse Anfang 2018 bezugsbereit sein.

Im Juni hat der Kanton Basel-Stadt den Fahrenden das Vorprojekt präsentiert: Ein Kiesplatz mit zehn Stellplätzen für die Wohnwagen der Fahrenden soll es geben, in der Mitte ein Infrastrukturgebäude mit einer Dusche, einem Damen- und Herren-WC sowie einem Ausguss, wo die Fahrenden ihre Abwassertanks leeren können. Kostenpunkt: 1,5 Millionen Franken.

Kleiner als versprochen

Andreas Geringer blättert durch die Power-Point-Präsentation des Kantons mit dem Plan. Er schüttelt den Kopf. «Unsere Bedürfnisse wurden zu wenig berücksichtigt, wir Fahrenden in die Planung zu wenig involviert», sagt er. Es gab eine gemeinsame Sitzung mit den Vertretern des Kantons, eine knappe Stunde durften sich die Fahrenden äussern, ihre Wünsche und Bedürfnisse einbringen. Ein Protokoll dieser und aller anderen Sitzungen existiere nicht. Als nächstes präsentierte der Kanton das Vorprojekt.

Das Bau- und Verkehrsdepartement bestätigt die beiden Treffen. «Die Projektorganisation hat die teilweise divergierenden Interessen untereinander abgewogen und die Anliegen bestmöglich im Projekt berücksichtigt», sagt Mediensprecher André Frauchiger.

Mit einer Fläche von 1880 m2 fällt der Platz – wie schon der jetzige provisorische Platz beim Bahnhof St. Johann – kleiner aus als versprochen. Der Definitive werde eine Grösse von 2000 m2 haben, versichert Frauchiger. Die Fläche ist aber nicht das grösste Problem, das Geringer mit den Plänen des neuen Standplatzes hat.

Anders als ein Campingplatz

Ein Stand- und Durchgangsplatz sei kein Campingplatz: «Wir müssen dort auch arbeiten, und die Kinder brauchen Platz zum Spielen.» Auf den Plänen des Kantons fehlt beides. Frauchiger stellt klar, dass es sich «in erster Linie um Wohnfläche für Fahrende und nicht um Gewerbefläche» handle. Die Diskussion über eine Spielfläche für Kinder werde nach der Kreditgenehmigung nochmals aufgenommen. Die Kinder könnten alternativ die Spielmöglichkeiten in den Parkanlagen nutzen.

Dass der neue Platz ein Kiesplatz werden soll, kritisiert Geringer ebenso an den Plänen des Kantons. Das sei längerfristig hygienisch nicht sinnvoll. Er lasse sich schlecht putzen. Viel lieber wäre ihm ein geteerter Platz oder eine Kombination der beiden Materialien. Teer sei besser befahrbar, und Flüssigkeit versickere weniger leicht im Boden. Frauchiger sagt, die Fahrendenorganisationen hätten sich in diesem Punkt widersprochen. Weil sie zum Teil Vorzelte am Boden befestigen möchten, müsse dieser so beschaffen sein, dass dies möglich ist.

Geringer kramt mehrere Pläne aus seinen Unterlagen hervor, faltet einen auf. Diesen Plan hat er auch den Verantwortlichen beim Kanton gezeigt. Als gutes Beispiel. Es ist der Plan des Standplatzes in Huningue – mit 2300 m2 ist er ähnlich gross wie der geplante Standplatz in Basel. Zwar seien die einzelnen Stellplätze etwas klein geraten, aber ansonsten habe es dort alles. Sogar einen Stromanschluss und eine Lösung fürs Abwasser direkt auf der Parzelle. Damit ist Geringer beim nächsten Kritikpunkt. Die Stromversorgung soll auf dem Basler Standplatz über das Infrastrukturgebäude in der Mitte des Platzes laufen. Die Kabel müssten von jedem Wohnwagen zu diesem Häuschen gezogen werden – quer über den Platz. «Aus wirtschaftlichen Gründen ist es in Basel nicht möglich, jeden Stellplatz separat mit Strom und Wasser zu erschliessen», sagt Frauchiger. Bei den Beispielen aus dem Elsass handle es sich zudem um grössere Standplätze, die «nur sehr bedingt den Standortbestimmungen in Basel entsprechen». Geringer sagt dazu nur: «Mit 1,5 Millionen Franken baue ich einen goldenen Platz.»

Der geplante Standplatz ist offensichtlich nicht das, wofür die Fahrenden in den letzten Jahren gekämpft haben. Geringer hat genug. Er überlegt sich, sich einmal mehr zu wehren, die Pläne des Kantons zu boykottieren. Schliesslich sind die Schweizer Kantone verfassungsrechtlich verpflichtet, Fahrenden einen geeigneten Standplatz zur Verfügung zu stellen – auch in Basel.