Eigentlich hätte es ein Happy End werden sollen. Nach langem Hin und Her wurde am Freitag auf einer Industriebrache beim Bahnhof St. Johann der erste offizielle Basler Standplatz für Fahrende eröffnet. Allerdings ist der Ort ein Provisorium. Der definitive Standplatz soll ab Sommer 2017 an der Friedrich Miescher-Strasse offen sein.

Nichtsdestotrotz sei die Eröffnung des «temporären Durchgangsplatzes für Fahrende» – so die amtliche Bezeichnung – ein historisches Ereignis, wie Andreas Geringer vom Verband der Sinti & Roma Schweiz erklärt. Er war am Freitag noch mit der Vorbereitung des neuen Standplatzes beschäftigt. Im Auftrag des Kantons wurden dort Leitungen für Wasser, Abwasser und Strom verlegt. «Am Montag ist hier alles fertig», so Geringer. Er selbst planierte eigenhändig die neue Standfläche für die Wohnwagen.

Fläche reduziert

Der Vorsteher der Stadtgärtnerei, Emanuel Trueb, verwies am Freitag an das Baudepartement. Dort betonte Sprecher Marc Keller, dass die Stadtgärtnerei nach Abschluss der Übereinkunft zwischen Fahrenden und Präsidialdepartement über die Errichtung des Standplatzes von dritter Seite informiert worden sei, dass auf dem Areal Tiere und Pflanzen lebten, die laut kantonalem Naturinventar schützenswert seien. Diese dritte Seite habe auch mit der Einsprache gedroht. Die Stadtgärtnerei vermittle. Um wen es sich bei der dritten Seite handelt, dürfe man nicht sagen.

Schon früher hat der Naturschutz das Verhältnis zwischen Stadtkanton und Fahrenden belastet (die bz berichtete). So mussten die Fahrenden wiederholt Plätze verlassen; zuletzt auf Betreiben von Pro Natura, die auf einer Geröllhalde auf dem Gelände der DB den Lebensraum von Pflanzen und Kriechtieren gefährdet sah.

Museumsneubau gefährdet?

Sollten auf dem schmalen langen Grünstreifen beim Bahnhof St. Johann wirklich seltene Tiere und Pflanzen zu Hause sein, hätte dies weitreichende Folgen. Denn beim provisorischen Durchgangsplatz für Fahrende handelt es sich nur um eine Zwischennutzung bis Sommer 2017. Danach sollen hier der Neubau des Naturhistorischen Museum Basel und des Staatsarchivs hinkommen. Diese grossen Projekte wären durch den Naturschutz gefährdet oder zumindest beeinträchtigt.

Andreas Geringer ist trotz den reduzierten Raumverhältnissen begeistert von neuem Standplatz, der den Fahrenden übrigens laut Verfassung und internationalen Verträgen zusteht. Bereits heute Samstag sollen dann die ersten Fahrenden mit zwei Wohnwagen am neuen Standplatz stehen.