Im schlimmsten Fall droht dem Schweizer Fussball die totale Isolation. Dann, wenn der nationale Verband (SFV) nicht das Verdikt des Weltverbandes (Fifa) in die Tat umsetzt und alle Partien des FC Sion, in denen die Walliser nicht spielberechtigte Spieler eingesetzt haben, als verloren wertet. Diplomatisch äussert sich der designierte FCB-Präsident Bernhard Heusler: «Meine Gefühlslage ist ohne Belang. Aber selbstverständlich werden wir mit aller Macht für die Interessen des FCB einstehen. Das sind wir unseren Anhängern, Sponsoren, dem Team und dem Trainerstaff schuldig.»

Kimon Bebis (45) ist regelmässiger Matchbesucher im St.-Jakob-Park und hat selber 30 Jahre lang Regionalfussball gespielt. «Ich kenne den Fall aus juristischer Sicht nicht. Aber der Schweizerische Fussballverband untersteht der Fifa und der europäischen Union (Uefa). Und diese hat Sion von der Europa League ausgeschlossen. Somit muss der SFV nachziehen.

Es wäre absoluter Blödsinn, ja tragisch, wenn der FC Basel wegen der Walliser die Champions-League-Partien gegen den FC Bayern München nicht spielen könnte», ereifert sich der Birsfelder. Allerdings erinnert der gebürtige Grieche, dass «am 29. Mai 1985, nach der Tragödie im Brüsseler Heysel-Stadion vor dem Meistercup-Endspiel zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool, alle englischen Vereine für fünf Jahre aus sämtlichen europäischen Wettbewerben verbannt wurden». Selbstverständlich kann man den Fall Sion nicht mit jenem Ereignis, bei dem 39 Menschen ihr Leben verloren, vergleichen. Dennoch wurden dort Weltklubs bestraft, die nichts mit den Ausschreitungen zu tun hatten.

«Fall Sion ist lächerlich»

«Der SFV muss durchgreifen. Die Verbandsherren sollen endlich erwachen». Dies sagt Pascal Burger (38). Er war unter Heinz Herrmann Assistenztrainer in der U21-Equipe und ist heute Sportchef beim Erstligisten SC Dornach. «Wenn ich in einer unteren Liga einen nicht spielberechtigten Spieler einsetze, gibt es sofort eine Forfaitniederlage und Busse. Warum soll dies nicht für die Axpo Super League gelten?», fragt Burger. Und er gibt zu bedenken: «Wenn der FC Basel jetzt nicht gegen Bayern München spielen könnte, so kann der Klub den FC Sion verklagen und eine Schadenersatzsumme von gegen acht Millionen Franken fordern», so der Inhaber des Trainerdiploms A. Oder anders gesagt: Sollte die Drohung der Fifa in die Tat umgesetzt werden, würde es wohl Hunderte von Klagen hageln.

Dies sieht auch René Häner (40) aus Nunningen so. Dieser ist Präsident des im Jahre 2003 gegründeten FCB-Fanclubs «Gilgenberg» und meint: «Der ganze Fall Sion ist ja lächerlich. Er hat Dimensionen angenommen, die mit Sport nichts mehr zu tun haben. Sion-Präsident Christian Constantin muss endlich gebremst werden, wobei er anscheinend immer Möglichkeiten findet, gegen Urteile zu rekurrieren und selber neue Klagen zu erheben. Wenn die Fifa ihre Drohung wirklich wahr macht, wäre der Schaden für den FCB, die Nationalmannschaft, ja den gesamten Schweizer Fussball immens», so Häner.

«Zeit, dass Ruhe einkehrt»

Auch Karl Odermatt, das Basler Fussball-Denkmal schlechthin, hat eine klare Meinung. «Es ist Zeit, dass endlich Ruhe einkehrt». «Karli» sieht jedoch auch einen Machtkampf zwischen der Fifa und Uefa respektive zwischen Joseph S. Blatter und Michel Platini.

Richard Schultz (57) ist nicht nur ein stadtbekannter Figaro, sondern auch der Vater von Aarau-Profi Alain Schultz, der beim FC Basel gross wurde und auch schon für den Grasshopper Club Zürich gespielt hat. Auf die Frage, was er vom ganzen Fall FC Sion halte, wird der gebürtige Elsässer klar. «Sion muss ohne Wenn und Aber vom Meisterschaftsbetrieb ausgeschlossen werden und den Constantin sollte man gleich...» Wir behalten den Rest für uns. Schliesslich will Schultz weiterhin bei FCB-Erfolgen seine grosse rot-blaue Fahne aus seinem Coiffeursalon am Barfüsserplatz hinaushängen.

Auch in den diversen FCB-Foren herrscht die Meinung, dass es für den FC Basel ein Drama wäre, wenn er wegen Sion von der Champions League ausgeschlossen würde. «Mampfi» schreibt zur Fifa-Drohung hiezu klipp und klar: «Das ist Erpressung. Ich dachte, die Sippenhaft
sei abgeschafft. Was bitte hat der
FCB mit dem ‹Zwängi› aus Sitten zu tun? Ich hoffe sehr, dass der SFV endlich mal Eier zeigt und durchgreift...» Kurzum: Weder Trainerstab, Spieler, Klubtechniker noch Anhängerschaft wollen und können sich vorstellen, dass der FC Basel nicht zum Achtelfinale gegen die Bayern aufläuft.