Sonderbares konnte Matthias Bürgin am Freitagabend beobachten: Mit einem Kollegen traf er sich in einer Bar am Grossbasler Rheinufer. Von dort hatte er einen schönen Blick über den Fluss, das gegenüberliegende Kleinbasler Ufer und weiter rechts auf die Kaserne, hinter deren roten Mauern gerade die Premiere des Basel Tattoos im Gange war.

Ein lautes Brummen durchbrach die idyllische Abendstimmung. Am Himmel tauchte das Oldtimer-Flugzeug JU-52 auf und flog über die Kaserne – ein Teil der Show am diesjährigen Tattoo. Weiter oben in der Luft postierte sich ein moderneres Flugzeug, aus dem sich vier Fallschirmspringer in die Tiefe stürzten.

Ihr Ziel: die Mitte der Basel-Tattoo-Arena, einer der Höhepunkte der diesjährigen Show. Ein spektakulärer Anblick nicht nur für die zahlenden Zuschauer, sondern auch für Bürgin und viele andere Beobachter, die es an diesem Abend an den kühlen Rhein zog.

Doch dann passierte etwas, das nicht geplant war: Den ersten Springer begann es, weg von seinen Kollegen in Richtung Rhein zu tragen. Während die anderen drei ihren Sinkflug zielgerichtet fortsetzten, musste er ausserhalb der Kaserne einen alternativen Landeplatz suchen. Bürgin beobachtete, wie der Fallschirm langsam hinter den Bäumen zwischen Rheinufer und Kaserne, auf der Höhe der Buvette verschwand. Rund 50 Meter von seinem eigentlichen Landeplatz entfernt. «Dann hörten wir den Applaus in der Arena, der den drei ankommenden Fallschirmspringern gewidmet war.» Bürgin sah noch, wie die Polizei mit Blaulicht dem Vierten zu Hilfe eilte.

«Nichts schiefgelaufen»

Für Hans-Peter Barth, Sicherheitschef am Basel Tattoo, ist die Landung des Fallschirmspringers ausserhalb der Arena nichts Aussergewöhnliches. «Es ist überhaupt nichts schiefgelaufen», lässt er verlauten. Obwohl die Springer Profis seien, könne so etwas immer passieren. Darum sei man darauf auch bestens vorbereitet gewesen. «Im Rhein standen zwei Boote bereit, die Polizei stand mit einem Dispositiv im Einsatz», sagt er.

Die Voraussetzungen für einen guten Sprung waren gegeben. Das Wetter trocken, Wind gab es nur wenig. Auch die vier Springer wussten genau, was sie taten. Sie sind Profis und gehören der Nationalmannschaft der Zielspringer an. Von einem Pilatus-Flugzeug waren sie auf 1000 Meter Höhe gebracht worden.

Unten in der Arena musizierte die Militärmusik der Rekrutenschule. Trommelnd formierten sie sich zu einem Kreis, während sich die Fallschirmspringer für ihren Einsatz bereit machten. Barth war zu diesem Zeitpunkt mit anderen Sicherheitsbeauftragten auf seinem Posten. Dann erhielten die vier Springer den Startschuss. «Dass genau in dem Moment ein kleiner Windstoss kommen würde, war nicht voraussehbar», sagt Barth.

Die anderen drei hätten sich am davondriftenden Kollegen orientieren und dem Windstoss so ausweichen können. «Kurz nach seiner Aussenlandung ist auch der vierte Springer zurück in die Arena und konnte gemeinsam mit seinen Kollegen unter Applaus aus der Arena marschieren», so Barth.

Erst wieder an Derniere

Neugierig, ob sich das Spektakel einen Tag später wiederholt, setzte sich Bürgin auch am Samstagabend wieder um dieselbe Zeit in dieselbe Bar und schaute gespannt in den Himmel. Wieder kam zuerst die laute JU-52. Wieder flog sie tief über die Kaserne. Seine Augen suchten die vier fliegenden Punkte am Himmel. Er fand sie nicht.

Laut Barth haben die Fallschirmspringer erst an der Derniere, am Samstag, ihren nächsten Auftritt. Die alte Tante JU fliege aber bei allen Vorstellungen über die Kaserne, solange es das Wetter zulasse.