Strafgerich

Falsche Goldbarren vom Promi-Coiffeur: Der Schwindel klappte nur kurze Zeit

25 Goldbarren im Gesamtgewicht von rund neun Kilogramm lieferte die Frau in der Bank ab. (Symbolbild)

25 Goldbarren im Gesamtgewicht von rund neun Kilogramm lieferte die Frau in der Bank ab. (Symbolbild)

Das Strafgericht verurteilt einen Basler, der eine Geschäftsfrau dazu gebracht hatte, falsche Goldbarren zur Bank zu bringen. Es ist die zweite Verurteilung im Verfahren um eine Truppe um einen Basler Prominenten-Coiffeur

25 Goldbarren im Gesamtgewicht von rund neun Kilogramm lieferte eine vermögende Bankkundin im Februar 2014 bei der Commerzbank in Freiburg im Breisgau ab, und eine Woche später gab es auf ihrem Konto die Gutschrift von 264 000 Euro. Der Betrag wurde allerdings noch am selben Tag wieder storniert, weil die Zentrale in Frankfurt inzwischen das Gold genauer unter die Lupe genommen hatte: Die glänzenden Barren waren gefälscht.

Ob es simple Bleiklumpen mit vergoldeter Schale und entsprechend massiv abweichendem Gewicht oder raffinierte und entsprechend schwer zu durchschauende Fälschungen aus Wolfram waren, ist nicht klar. Doch die Herkunft der Metallklötze gab wenig Rätsel auf: Sie stammen aus einer von mehreren Importlieferungen aus Serbien.

Ein Basler Prominenten-Coiffeur hatte die Lieferung von über 50 Kilogramm der Barren überwacht und versucht, den Absatz zu organisieren. Vor wenigen Wochen musste sich sein Chauffeur vor Gericht verantworten. Er hatte zugegeben, immer gewusst zu haben, dass es sich um Fälschungen handelt.

Fast zeitgleich mit der Einlieferung in Freiburg versuchte auch er erfolglos, einen gefälschten Barren bei der UBS in Basel einzulösen. In einem abgekürzten Verfahren einigte er sich mit der Staatsanwaltschaft auf ein Strafmass von
330 Tagessätzen.

Widersprüchliche Aussagen

Die Basler Behörden haben deshalb auch den Fall aus Freiburg übernommen. Am Freitag stand nun ein ehemaliger Basler Clubbetreiber vor dem Basler Strafgericht, weil er die Deutsche Geschäftsfrau dazu gebracht hatte, die 25 Goldbarren in Freiburg einzulösen. Von Fälschungen will er aber nichts gewusst haben. «Ich habe sie gebeten, die Goldbarren prüfen zu lassen», betonte der 33-Jährige im Gerichtssaal. Der Gerichtspräsident fragte ihn daraufhin, weshalb er dazu eine dritte Person beauftragt habe. «Sie ist eine wohlhabende Frau, es ist einfacher für sie, zu einer Bank zu gehen», sagte der Mann. Es sei ihm um eine Echtheitsprüfung gegangen.

Der Einlieferungsbeleg der Bank allerdings erwähnt explizit, dass eine Einreichung zur reinen Wertermittlung nicht möglich sei. «Wenn es klar gewesen wäre, dass das Gold ist, hätte man ja gleich am Schalter das Geld auszahlen können», entgegnete der Angeklagte. Er sei vom Coiffeur getäuscht worden, als er die Barren erhielt. Auch sein Verteidiger betonte, der Coiffeur sei der Betrüger, er habe alle an der Nase herumgeführt.

Einzelrichter René Ernst meinte dazu, der Angeklagte hätte sich durchaus fragen können, wieso ein Coiffeur gleich kiloweise über Goldbarren verfügen soll. «Das Gold liegt ja nicht einfach so auf der Strasse herum», sagte Ernst. Er verurteilte den 33-jährigen Mann wegen Warenfälschung zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 100 Franken. Die Höhe von 100 Franken musste der Gerichtspräsident schätzen, weil der Familienvater keinerlei Angaben zu seinen heutigen finanziellen Verhältnissen machen wollte. Er kann den Schuldspruch noch weiterziehen.

Wie schon im vorherigen Verfahren war eine Verurteilung wegen versuchten Betruges nicht möglich, weil keine Arglist nachgewiesen war: Von einer Bank darf erwartet werden, dass sie Goldbarren genau prüft.

Wegen der gefälschten Goldbarren muss sich bald auch ein Partner einer Basler Privatbank vor Gericht verantworten, als Letzter im Bunde dürfte danach auch der Prominenten-Coiffeur selber angeklagt werden. Die Termine dazu stehen allerdings noch nicht fest.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1