Abzocker-Prävention

Falsche Polizisten zocken in Basel vermehrt ältere Menschen ab – Staatsanwaltschaft gibt Tipps zur Prävention

Die Betroffenen vertrauen den falschen Polizisten und geben ihnen ihr ganzes Geld.

Die Betroffenen vertrauen den falschen Polizisten und geben ihnen ihr ganzes Geld.

Die Staatsanwaltschaft meldete in der vergangenen Woche gleich drei Fälle, in denen Betrüger Seniorinnen abzockten. Sie erschleichen sich das Vertrauen der betagten Menschen und überredeten sie, hohe Geldsummen an falsche Polizisten zu übergeben.

Sie bauen telefonisch Vertrauen auf, erkundigen sich über die Vermögensverhältnisse der Senioren und nutzen sie dann schamlos aus. Mit dieser Masche sind falsche Polizisten zurzeit in Basel wieder vermehrt am Werk. Mit ihren raffinierten Tricks bringen sie ältere Menschen teilweise um ihr ganzes Vermögen.

Diese Woche vermeldete die Staatsanwaltschaft (Stawa) fast täglich einen neuen Betrugsversuch. Eine 75-jährige Frau wurde wiederholt von einer Hochdeutsch sprechenden Anruferin kontaktiert. Sie gab sich als Polizistin aus und forderte die Seniorin dazu auf, 25'000 Franken abzuheben und nach Zürich zu bringen. Die Frau schöpfte allerdings Verdacht und kontaktierte die echte Polizei. Einer anderen älteren Frau wurde erklärt, in ihrem Quartier sei vermehrt eingebrochen worden und sie solle unverzüglich 90'000 Franken aus dem Safe ihrer Bank holen und bei einem Velounterstand deponieren. Von dort aus würde es die Polizei in Sicherheit bringen.

Der dritte Fall betrifft eine 84-jährige Rentnerin. Die falschen Polizisten gaukelten ihr vor, man habe ihr Notizbuch mit Informationen zu ihren Bankkontodaten gefunden. Wenn sie ihr Geld nicht abheben und den angeblichen Polizisten übergeben würde, liefe sie Gefahr, dass es von Betrügern abgehoben wird. Die Ermittler gehen von einer hohen Dunkelziffer nicht gemeldeter Fälle aus. Viele Senioren wähnen sich wohl in der Gewissheit, ihr Geld bei der Polizei in Sicherheit gebracht zu haben.

Täter verwenden offizielle Nummer der Behörden

Das Vorgehen der Täterschaft ist immer ähnlich. «Sie rufen in der Regel hunderte Menschen an, deren Telefonnummer und Name sie im Telefonbuch finden. «Dabei suchen sie gezielt nach alt klingenden Namen», erklärt Peter Gill, Mediensprecher der Stawa. Die grosse Mehrheit der Anrufe sei für die Täter erfolglos, aber dennoch schaffen sie es immer wieder, das Vertrauen der älteren Menschen zu gewinnen. Telefonisch setzten die Anrufer die Senioren dann unter Druck. «Sie sind sehr visiert im Manipulieren und machen den Betroffenen Angst», sagt Gill. Die auf dem Display angezeigte Nummer entspricht dabei häufig derjenigen der Polizeiwache oder einer Behörde. Die Stawa vermutet, dass hinter den Betrugsversuchen verschiedene organisierte Täter stecken, die aus Osteuropa kommen und in der ganzen Schweiz und auch in Deutschland aktiv sind. Die Opfer der falschen Polizisten seien meistens ältere Menschen, häufig Alleinstehende.

Angehörige sollen Senioren über Fälle informieren

Um sich vor den Betrügern zu schützen, rät die Stawa Senioren dazu, keine Auskunft über sich selbst, persönliche Verhältnisse und ihre Finanzen an fremde Menschen weiter zu geben. Ausserdem verlange die echte Polizei nie, dass man ihr Geld, Schmuck oder andere Wertgegenstände aushändige. Sobald der geringste Verdacht aufkommt, dass es sich nicht um echte Polizisten handelt, sollten die Betroffenen unmittelbar via Notruf die Polizei kontaktieren.

Bei den aktuellen Fällen konnte die Stawa noch keine Erfolge erzielen. Diese Woche wurde am Strafgericht allerdings ein Fall mit einem falschen Polizisten verhandelt. Ein 23-Jähriger wurde wegen versuchten Betrugs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Damit sich die Fälle nicht häufen, ruft Peter Gill dazu auf, dass Angehörige ihre Eltern und Grosseltern über die Betrugsmasche informieren und in Institutionen für ältere Menschen darüber orientiert wird.

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