Der Stadtentwickler hat es prophezeit: «Dank den grossen Flächen sind an der Clarastrasse neue Ladenmodelle möglich.» Es sei eine Frage der Zeit, bis der Unort von «pulsierenden Hotspots» gesäumt sei, sagte Thomas Kessler unlängst in der bz. Und nun soll seine Vision wahr werden. Beigetragen zu den hoffnungsvollen Aufwertungsplänen haben Kessler und das Präsidialdepartement, dem er untersteht, aber kaum.

Es ist das Finanzdepartement, das sich in Sachen Aufwertung versucht. Ein Departement, das sonst vor allem mit trockenen Steuerstories Schlagzeilen macht. Das ändert sich jetzt: Man wolle durch die Wahl der neuen Mieter für die Clarastrasse 13 zur Stadtentwicklung beitragen, sagt Barbara Neidhart von Immobilien Basel-Stadt (IBS), die das Haus für die Basler Pensionskasse verwaltet. Konkret: «Wir wollen mit einem kreativen Team einen Impuls setzen.» Kessler begrüsst den Entscheid. Er sei abgesprochen mit ihm.

«Open minded» ohne Raclette

Noch befindet sich im Erdgeschoss der Liegenschaft neben dem Veloladen «John Tweed» der Kleiderladen «B+A». Dessen Betreiber haben längst gekündigt, bald steht der Laden leer. Nachmieter wird die «Klara 13 AG». Der Name ist neu, die Leute dahinter nicht.

Im Team sind Vertreter der Markthalle, des Hinterhofs, des Gundeldingerfelds und der Projektentwicklungsfirma Denkstatt, die für den Zwischennutzungsverein «Unterdessen» verantwortlich ist. Das Projekt ist ausnahmsweise keine Zwischennutzung: Die Gruppe wird an der Clarastrasse sesshaft. Die anderen Betriebe laufen normal weiter.

Geplant sei ein über 700 Quadratmeter grosses Restaurant, in dem auch Kulturelles angeboten werde, sagt Verwaltungsratspräsident Pascal Biedermann. Wie der kulturelle Part aussehe, sei noch nicht ganz klar, es gehe wohl in Richtung Singer/Songwriter-Konzerte, Lesungen, Poetry Slam. Die Beiz aber bestehe schon, in den Köpfen der Macher jedenfalls. Biedermann will noch nicht allzu viel verraten. Nur dies: «Es soll ein Ort für Leute werden, die ‹open minded› sind. Ein Ort, wo sich jeder hintraut.» Ein bisschen Markthalle, bisschen Hinterhof, Gundeldingerfeld – «sicher aber kein Raclette-Stübli». Bald beginnt der Umbau, die Eröffnung ist für den kommenden Frühling geplant.

Barbara Neidhart von der IBS gibt zu, dass sich die potenziellen Nachmieter nicht gerade um das leere Lokal gerissen haben. «Es ist ein schwieriger Ort», sagt sie – und bestätigt damit zahlreiche Medienberichte über «den verlorenen Boulevard Clarastrasse», an dem «sich nicht mal Sex verkauft» und ein Laden nach dem anderen dichtmacht. Die «Klara 13 AG» sei ein wahrer Glücksfall.

Auch Pascal Biedermann verwendet dieses Wort, allerdings nicht im Zusammenhang mit sich selber, sondern ausgerechnet mit dem Ort. «Für mich ist die Clarastrasse kein Unort», sagt er, «die Strasse hat ein riesiges Potenzial.»

Das sagt auch Kessler. Gespräche zur weiteren Aufwertung seien im Gang.