Ein lauter Feueralarm weckt die Bewohner der Gempenstrasse am Freitag gegen 22 Uhr. Wenig später erklingt das Horn der Feuerwehr. Doch nicht wie üblich, nur bis der Wagen den Ort des Geschehens erreicht hat. Dieses Mal dröhnt das Horn so lange, bis die Bewohner aus ihren Häusern kommen und die Ursache erkennen: Falsch parkierte Autos erschweren dem Feuerwehrauto das Durchkommen.

Das passiere immer wieder, schreibt ein wütender bz-Leser in einem Brief. Schon seit Jahren würden in der Gempenstrasse falsch parkierte Wagen die Durchfahrt erschweren und die Anwohner verärgern. Vor allem nachts aber auch während der Wochenenden.
«Man stelle sich einmal vor, es hätte wirklich gebrannt. Hier wäre eine sofortige Hilfeleistung eher schwierig durchführbar gewesen.» Die Strasse sei sogar als Wohn- und Begegnungszone gekennzeichnet, in welcher blau markierte Felder die Parkplätze anzeigen. Autofahrer würden diese jedoch meist ignorieren und ihr Auto ausserhalb der blauen Felder abstellen.

Bei der Polizei habe er sich mehr als einmal über die Situation beklagt, geschehen sei daraufhin jedoch wenig. Das ärgert auch den Verfasser des Briefes: «Muss es wirklich erst Schwerverletzte oder gar Tote geben, bis dieses Problem radikal gelöst wird?»

Feuerwehr muss «zirkeln»

Martin Schütz, Mediensprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, kann den beschriebenen Vorfall nicht bestätigen; die involvierten Personen hatten gestern dienstfrei. Das Problem ist ihm grundsätzlich aber wohl bekannt. Nicht nur die Feuerwehr, auch Rettung und Polizei sind davon betroffen: «Es kommt hin und wieder vor, dass falsch parkierte Autos namentlich in engen Quartierstrassen die Zufahrt für Blaulichtfahrzeuge erschweren.» Darüber werde jedoch keine Statistik geführt.

Grosse Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr müssten an diesen Orten «zirkeln», um an den falsch parkierten Wagen vorbeizukommen. Schütz betont zwar: «Glücklicherweise hat dies jedoch noch nie gröbere Auswirkungen auf die Einsätze insgesamt gehabt.» Die falsch parkierten Autos würden aber den Anfahrtsweg verzögern.

Mit diesem Problem kennt sich auch das Unispital Basel nur zu gut aus. Wie Pressesprecher Martin Jordan mitteilt, seien falsch parkierte Autos bei der Feuerwehrzufahrt zwar kein Problem, jedoch hätten die Sanitäter vermehrt damit zu kämpfen. Vor dem Notfallzentrum des Unispitals werden oft Autos abgestellt – auf Parkplätzen, die für die Sanität reserviert sind. Das führte bereits zu grotesken Gegebenheiten: «Die Sanitäter mussten auch schon Patienten, die reanimiert werden mussten, auf der Rampe ausladen, da falsch parkierte Autos die Parkplätze besetzten. Das ist natürlich eine äusserst prekäre Situation», schildert Jordan.

Rettungsgasse erklären

In ein ähnliches Kapitel gehört auch die Geschichte, wie sie die bz vergangenen Montag beschrieb: Auf den Schweizer Autobahnen kommt es wiederholt zu brenzligen Momenten bei Rettungseinsätzen – und zwar beim Bilden der Rettungsgasse. Immer wieder dringt die Polizei oder der Krankenwagen nicht zum Unfallort durch, da die Autos keine Gasse formen, um sie durchzulassen.

Der 20-jährige Lehrling und Sanitäter Pascal Rey möchte dem nun ein Ende setzen. Im Verein «Helfen helfen», startet er gemeinsam mit einem Team eine Kampagne. Mit dieser möchte Rey Schweizer Autofahrern die Rettungsgasse erklären.