Wachstum

Familien stürmen die Innenstadt: Jetzt gibt es an der Rittergasse einen neuen Kindergarten

Ein zunehmend vertrautes Bild in der Innenstadt: Mehr Familien mit Kinder ziehen ins Stadtzentrum, der Kanton baut extra einen neuen Kindergarten.

Basel-Stadt geht davon aus, dass in zwei Jahren 200 Kindergärtner im Stadtzentrum wohnen – das sind dreimal mehr als 2012. In keinem anderen der 15 Schulperimeter wächst die Zahl ähnlich stark wie in der Innenstadt.

Stadtflucht gehört der Vergangenheit an. Immer mehr junge Menschen bleiben in Basel, auch wenn sie Kinder kriegen. Das war vor ein, zwei Jahrzehnten anders, damals suchten sich die meisten, die es sich leisten konnten, ein neues Zuhause im Grünen. Dass sich dies geändert hat, ist bekannt. Neu ist hingegen, dass selbst die Innenstadt bei Neo-Eltern attraktiv bleibt. Davon gehen zumindest die Fachpersonen vom Statistischen Amt Basel-Stadt aus. Sie prognostizieren die Anzahl künftiger Kindergärtner, damit das Erziehungsdepartement planen kann.

Und diese Prognosen lassen aufhorchen: Für den «Schulperimeter Peters-/Münsterplatz» wird 2022 mit 190 Kindergärtner gerechnet. In keinem anderen der 15 Schulperimeter wächst die Zahl ähnlich stark wie in der Innenstadt. Besonders augenfällig ist das Wachstum im Zehn-Jahres-Vergleich: 2012 waren es 60 Kindergartenkinder, die im Stadtzentrum lebten; drei Klassen hätten gereicht, um sie zu unterrichten. Im soeben zu Ende gegangenen Schuljahr waren es sechs Klassen, 2022 werden zehn Klassen nötig sein. Damit dürften im Stadtzentrum künftig mehr Kindergärtner wohnen als in den klassischen Wohnquartieren Neubad, Hirzbrunnen und Gellert.

Verbesserungen nach Jahrzehnten des Stillstands

Silvan Aemisegger, Projektleiter für den Entwicklungsrichtplan Innenstadt, sagt: «Das ist eine erfreuliche Entwicklung, denn Kinderfreundlichkeit ist sicherlich generell ein guter Indikator für die Lebensqualität in einer Stadt.» Wie rasch und stark die Anzahl Familien in der Innenstadt zugenommen habe und offenbar weiterhin zunehme, habe ihn hingegen überrascht, weil der Kanton ja nicht direkt in den Mietermix eingreifen könne. «Es sind eher indirekte Kausalitäten unserer Bemühungen, die Innenstadt lebenswerter zu machen. Der Trend, möglichst zentral zu wohnen, ist hingegen nicht nur in Basel, sondern in ganz vielen anderen Städten auch zu beobachten.» Aber natürlich sei die Basler Innenstadt durch die Verkehrsberuhigung attraktiver geworden.

Tatsächlich könnte man dem Kanton einen erfolgreichen Zehn-Jahres-Plan kommunistischen Vorbilds unterstellen, denn bereits 2009 wurde die «offensichtliche Konkurrenz zwischen Single-Wohnungen und Familienraum» thematisiert und es wurden Lösungen gesucht, dies zugunsten von mehr Familien auszubalancieren. So steht es in einem Planungspapier des Hochbau- und Planungsamts, das als Ausgangslage des Projekts «Innenstadt – Qualität im Zentrum» (QUIZ) bildete. Aemisegger sagt: «Der grösste Erfolg von ‹QUIZ› war, dass der damals bestehende Quasi-Stillstand aufgehoben werden konnte.» Es sei gelungen, alle involvierten Parteien, vom Grundstückbesitzer über den Ladeninhaber bis zu den Behörden, an einen Tisch zu bringen und sich auf einen behördenverbindlichen Konsens zu einigen.

Neuer Kindergarten an der Rittergasse

Die wachsenden Kindergärtner- und Schülerzahlen im Zentrum können dank eines neuen Schulhauses an der Rittergasse abgefangen werden. So steht es in der schriftlichen Antwort auf die entsprechende Anfrage von SP-Grossrätin Franziska Roth. Das imposante Gebäude direkt am Münsterplatz wird ab dem Schuljahr 2020/2021 wieder als Schulhaus zur Verfügung stehen und zwölf Primar- und zwei Kindergartenklassen beherbergen. Die letzten 30 (kinderarmen) Jahre wurde das 1885 erbaute Schulhaus als Verwaltungsgebäude zweckentfremdet.

Mehr Kinder, das bedeutet auch mehr Spielmöglichkeiten. Friederike Meinhardt, beim Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) für das Projekt «Kinderspiel Innenstadt» zuständig, sagt: «Beim BVD werden regelmässig Bedarfsanalysen gemacht, bei denen Angebot und Anzahl Kinder betrachtet werden. Steigt die Kinderzahl in einem Gebiet, steigt der Handlungsbedarf, auch das Angebot zu erhöhen.»

Allerdings müssten nicht zwingend überall Spielplätze gebaut werden. «Es gibt auch die Möglichkeit, Schulhöfe zu öffnen. Zudem dürfen gerade im Sommer die zahlreichen Brunnen als Spielmöglichkeiten nicht unterschätzt werden.» Auch temporäre Angebote sind möglich, wie die Wackeltiere, die im vergangenen Jahr erstmals aufgestellt worden seien. Diese mobilen Spielgeräte werden wieder eingesetzt werden – auf dem Rümelins- und Münsterplatz.

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