Wer Sozialhilfe bezieht, ist bei den meisten Vermietern unbeliebt. Einige allerdings erklären genau das zu ihrem Geschäftsmodell: lottrige Wohnungen an Sozialhilfeempfänger zu vermieten. Und zwar genau zu dem Preis, den die Sozialhilfe maximal bezahlt. In Basel sind das 700 Franken für eine Einzimmerwohnung. Genau so viel zahlen die meisten Mieterinnen und Mieter einer Liegenschaft an der Klybeckstrasse für eine 19 Quadratmeter grosse Einzimmer-Wohnung ohne Küche.

Das geht aus den Unterlagen des Konkursamtes hervor. Die Liegenschaft wird am 28. Februar versteigert. Die Besitzerin, die Basler Stiftung Mobile, ist Konkurs. Und bei der Basler Staatsanwaltschaft ist ein Verfahren wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung gegen einzelne Mitglieder des Stiftungsrates hängig. Entsprechend war bei der Stiftung mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Auskunft erhältlich.

Steuergelder für die Mieten

Beim Basler Sozialamt heisst es, es sei aus Datenschutzgründen nicht möglich zu bestätigen, dass tatsächlich Sozialhilfeempfänger in den Wohnungen leben. «Wir überweisen unseren Klienten die Mietkosten, wo sie das Geld hintragen, darauf haben wir keinen Einfluss», sagt Jacqueline Lätsch, stellvertretende Amtsleiterin. Sie bestätigt aber, dass einige Vermieter sehr genau Bescheid wissen über Mietgrenzwerte der Sozialhilfe und die Mieten entsprechend anpassen. Nimmt man den Mietindex von 2012 als Grundlage, wäre für eine Wohnung im Klybeck eine Miete von rund 330 Franken gerechtfertigt – also ungefähr die Hälfte des Maximums, das die Sozialhilfe entrichtet.

Lätsch betont: «Systematische Fälle haben wir in Basel bisher nicht beobachtet, aber es kommt vor.» Eine Handhabe dagegen hat die Sozialhilfe nicht. «Wir können höchstens unsere Klienten unterstützen, sich gegen höhere Mieten zu wehren.» Fest steht, dass die gemeinnützige Stiftung den Zweck hatte, Menschen mit psychischen und sozialen Problemen unterzubringen. Das ist zumindest ein Indiz, dass etliche der genau 700 Franken teuren Mieten für die Kleinstwohnungen mit Etagenküche durch die Basler Steuerzahlenden mitfinanziert werden. Oder vielleicht bald werden. Denn was nach der Versteigerung passiert und welche Folgen das für die Bewohnerinnen und Bewohner hat, das ist offen.

Und das wiederum macht den Nachbarn der Wohngenossenschaft Klybeck Sorgen. «Dort wohnen viele Menschen, die durch das soziale Netz gefallen sind», sagt André Baur, Vorstand der Wohngenossenschaft Klybeck. Die Wohngenossenschaft befürchtet, dass die Liegenschaft zum Spekulationsobjekt wird. Er stört sich daran, dass in der Objektbeschreibung auf die Hafen- und Quartierplanung, also auf die Aufwertung des Quartiers, verwiesen wird. Das sei eine Einladung an Spekulanten, findet Baur. «Es würde Sinn machen, wenn der Kanton die Liegenschaft kaufen würde, um günstigen Wohnraum zu schaffen», findet Baur. Die Anfrage der bz, ob Immobilien Basel-Stadt beabsichtigt mitzubieten, blieb unbeantwortet.

Der amtliche Schätzwert für die sanierungsbedürftige Liegenschaft mit Baujahr 1966 beträgt 5,35 Millionen Franken. «Das ist viel zu hoch», sagt Baur. Diese Einschätzung teilt der Basler Hauseigentümerverband. «Vom Tisch aus betrachtet ist das relativ hoch», sagt Andreas Zappalà. Seine Einschätzung ist, dass ein Verkaufswert von maximal 4,5 bis 4,7 Millionen Franken realistisch wäre. Dabei sei ausschlaggebend, welchen Kapitalisierungssatz man einsetze und welche realistischen Mietzinseinnahmen man zugrunde lege.

Meist höhere Preise

Sicher ist, dass der Wert der Liegenschaft schon 2007 sehr hoch eingeschätzt wurde. Auf die Liegenschaft gewährte die Glarner Kantonalbank damals eine Hypothek in der Höhe von fast fünf Millionen Franken. Das sei aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar, heisst es bei der Glarner Kantonalbank. In der Zeit, in der die Bank die Hypothek gewährt hat, verfolgte sie eine Expansionsstrategie und erlitt damit Schiffbruch. Nach grossen Verlusten 2008 mussten alle Verantwortlichen gehen. Die Liegenschaft ist ein Relikt aus dieser Zeit.

Die Bank kann damit rechnen, dass es kein weiterer Abschreiber wird. In den letzten Jahren wurden laut Konkursamt in Basel die meisten Liegenschaften über dem Schatzungswert versteigert. Stellt sich nur noch die Frage, wer der neue Eigentümer wird. Dann wird sich weisen, ob die Wohnungen saniert oder weiter zu überhöhten Preisen an Sozialhilfebezüger vermietet werden.