Kaum hat das neue Jahr begonnen, fiebert ganz Basel der Fasnacht entgegen. Da sie dieses Jahr relativ spät beginnt, dauert die Vorfreude extra lang. Grund genug für das Förnbacher-Theater im Badischen Bahnhof, diesem Verlangen zu entsprechen. Seit Mittwoch läuft deshalb die fünfzehnte Ausgabe des Förnbacher-Fasnachts-Cabarets «Ridicule».

Emotionale Ankerpunkte

Im Prolog stimmt Helmut Förnbacher selbst auf das Kommende ein. Die klassischen emotionalen Ankerpunkte der Fasnacht finden Erwähnung: «Wenn’s am Mäntig vieri schlot», und natürlich «z’Basel a mym Rhy». Damit ist der Rahmen gesteckt. Was folgt, ist eine lockere Abfolge unterschiedlicher Nummern, die auf lokale Begebenheiten Bezug nehmen, diese satirisch kommentieren oder auch unkommentiert lassen, einzelne poetische Momente und natürlich viele Pfeifen und Trommeln.

Leider beginnt es mit einem kleinen Totalausfall: Das Förnbacher-Ensemble spielt erst die Melodie der erwähnten Basler Heimathymne, doch dann beginnen sie zu singen und ersetzen die Strophen durch selbst «gebrünzelte» Verse. Diese sind zwar nicht so schlecht, die gesangliche Leistung ist es allerdings schon. Damit sackt das Niveau schon am Anfang auf den Tiefpunkt ab, und es spricht für die Qualität des Abends, dass er sich davon bis zum Schluss grandios erholt.

Ein erstes Highlight ist «Fritzli», eine grossartige Pfeifernummer von Michael Robertson; ein weiteres der Schnitzelbangg «Schunggebegräbnis». Obwohl es diesen Bangg erst seit drei Jahren gibt, haben sich die vier in Mönchskutten und Schweineköpfe gehüllten Sänger bereits einen gewissen Ruf erworben. Hochaktuell und musikalisch souverän kriegen Carlo Conti, die Coop-Bank und das neue Verkehrsregime ihr Fett ab.

Einen poetischen Höhepunkt setzt «Am Rhywäg bi dr Münschterfähri», wo ein alternder Tambourmajor die letzten Minuten seiner letzten Fasnacht erlebt. Schliesslich darf die Balkonszene nicht fehlen, in der zwei alte Damen über die Lokalpolitik und sich selbst herziehen. Köstlich, wie sich Förnbacher und Hanspeter Stoll die Bälle zuspielen, Anschlüsse verpassen und eine ungekünstelte Lockerheit verbreiten.

Carl Miville nur noch Zuschauer

Hier fällt auch auf, dass einer der Protagonisten des «Ridicule» nicht mehr auf der Bühne steht, sondern im Zuschauerraum sitzt: Carl Miville, der so genannte Papst des Baslerdytsch. Immerhin bestätigt er noch, dass das Sujet der Blaggedde korrektes Baslerdytsch sei.

Nach der Pause geht es in flottem Tempo weiter. Unter anderem mit einem Plädoyer gegen den Verbotswahnsinn, einem skurrilen Bangg der «Glettyse», der eher abseitige Themen bedient, und einer weiteren poetischen Auflösung: Pinocchio. Die Pfeiferinnen und Pfeifer fungieren als Marionetten, die von Sandra Förnbacher ins Leben gerufen werden.

Es sind solche Momente, die das «Ridicule» zu mehr machen als nur einer weiteren Vorfasnachtsveranstaltung. Hier zeigt sich Theater. In der Folge wird Förnbacher selbst noch von der Polizei abgehört und für einen Terroristen gehalten. Es folgt noch eine herrliche Balkonszene und schliesslich ein musikalisches Wechselspiel von zwei Violinen und dem Swingvogel. Trotz einzelner Längen: Dieses «Ridicule» lohnt einen Besuch, weil es eben anders ist. Fasnacht für das Herz eben.