Basler Fasnacht

Fasnacht, Liebe, Buebeziigli: Ein bz-Shooting der Extraklasse – und eine Hommage an Niklaus Stoecklin

Der Fotograf Jean Jacques Schaffner adaptiert für die bz Bilder des bedeutenden Basler Künstlers Niklaus Stoecklin. Dessen Werke, unter anderem das Buebeziigli vor der Hasenburg, bilden die urbaslerische Auffassung von Fasnacht gleichsam prägnant, poetisch und ikonisch ab.

Seine Werke zeigen die Essenz der Basler Fasnacht – zumindest jene Essenz, die der Basler für seine Fasnacht beansprucht. Von den Bildern von Niklaus Stoecklin (1896-1982) hat sich vor allem eines in Herz und Hirn der Fasnächtler eingebrannt: Das Buebeziigli (1926), das sich langsam und bedächtig seinen Weg vom Imbergässlein in die Schneidergasse bahnt.

Prominent im Hintergrund: das Restaurant Hasenburg, das Chateau Lapin. Weit und breit keine Druggedde, das Bild ist aufs Wesentliche reduziert: nur Fasnächtler, die Kulisse und die Atmosphäre. Kein Wunder, denn Stoecklin war nicht nur der bedeutendste Basler Grafiker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, er war und ist als Künstler auch Aushängeschild der «Neuen Sachlichkeit».
Neben dem Ziigli, das als Lithografie heute noch im Restaurant Hasenburg zu sehen ist, hat Stoecklin weitere Fasnachtsmotive geschaffen. Zu den bekannten gehört eine Schääse-Szene, ebenfalls mit akkurater Wiedergabe damaliger Mode. Dazu fertigte er eine Vielzahl von Plakaten und Skizzen an.

Ein Tag, drei Shootings und an die 50 Beteiligte

Die bz bildet nun drei dieser Motive in den Basler Fasnachtsausgaben ab. Adaptiert und von den 1920er-Jahren in die 2020er-Jahre übersetzt – als Fotografien. Diese diffizile Aufgabe hat der Basler Fotograf Jean Jacques Schaffner übernommen. Angefragt, ob so ein Shooting überhaupt möglich sei, sagte Schaffner: «Aber natürlich, das wird irre!» Also gingen wir ans Werk. Drei Bilder sollten es werden – an einem Tag. Das Ziigli, die Schääse und eine Skizze, der wir Leben einhauchten.

Das Shooting am vergangenen Sonntag zog die Schaulustigen regelrecht an. Kein Wunder, auf dem Münsterplatz postierten wir die Kutsche mitsamt Pferden, Kutscher, Waggis und Elsässere. Und in der Schneidergasse, nun ja: Jeder Fasnächtler weiss, was in diese Szene gehört. Und mitten im Stress zwischen Aufstellen, Justieren, Auslöser drücken, Nachjustieren, nochmals Auslöser drücken ... da lief es einem schon «e weeneli kalt dr Ruggen ab», als sich das Bild manifestierte.

Alors, on y va: Mer mache e paar Fotene!

Das ginge nicht ohne alle Beteiligten. Insgesamt knapp 50 Personen waren an der Produktion beteiligt, darunter viele geduldige Aktive und Kinder der Clique «onYva», noch bestens bekannt von ihrer Vorfasnachtsaktion «Menu SüürprYYs» im 2019. Dazu Daniel Würgler, dessen fasnachtserfahrener Fahrstall in Leymen für Ross und Kutsche sorgte, Christian Vanoni von der Olympia-Clique, der sich um Larven und Requisiten kümmerte sowie das Team von Schaffner und seiner Partnerin Silvana Conzelmann.

Dann, kurz vor Schluss, wir mussten Passanten um Geduld bitten, fragte eine Frau: «Was mache Sie do, kanni nit duure?» – «Mer stelle grad e Stoecklin noo». «Ou», sagte die Frau, «i sett zwar ins Gifthüttli, aber do muessi jetzt aifach zueluege.» Und so stand sie da, im Zauber der einfallenden Nacht, bis das letzte Bild im Kasten war.

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