Aktionen ziehen nicht nur im Einkaufsladen oder im Reisebüro, sondern auch im Einbürgerungsgeschäft. Die Basler Bürgergemeinde hat im letzten Jahr 20-mal mehr Schweizerinnen und Schweizern als sonst das Basler Bürgerrecht verliehen: 911 Personen sind im letzten Jahr Baslerin oder Basler geworden.

Grund für den Ansturm: Die Bürgergemeinde hat die Einbürgerungsgebühr vorübergehend von 450 auf 100 Franken reduziert. Die Aktion richtete sich an Schweizerinnen und Schweizer, die in Basel wohnen, aber einen anderen Bürgerort haben. Bisher hat die Bürgergemeinde ihre Aktivitäten vor allem auf die Einbürgerung von Ausländern konzentriert. Mit der Einbürgerungsaktion lancierte sie nun eine Offensive für einbürgerungswillige Schweizer.

Alle Erwartungen übertroffen

Das Echo hat Sonja Kaiser-Tosin überwältigt. Die Präsidentin der Einbürgerungskommission wäre schon mit der Hälfte an Einbürgerungen zufrieden gewesen. Sie spricht von einem Riesenerfolg: «Das zeigt, dass die Leute doch nicht alle Weltenbummler sind, sondern am Bürgerrecht hängen.» Sind es nicht sogar zu viele Einbürgerungen? «Nein, zu viele können es gar nie sein.» Dauerhaft möchte Kaiser die Einbürgerungsgebühren aber nicht senken. Das käme die Bürgergemeinde zu teuer. Denn die PR-Aktion hat mehr Geld gekostet als eingebracht.

Dabei ist es für Schweizer relativ einfach, das Basler Bürgerrecht zu erwerben. Ein persönliches Gespräch ist nicht nötig. Die Einbürgerung kann auf dem Postweg erledigt werden. Nötig sind aber diverse Dokumente wie ein Strafregisterauszug und ein Nachweis, dass man keine Steuerschulden hat.

Sie sollen sich engagieren

Die Ernennung zum Basler bedeutet nicht nur, dass der Heimatort in der Identitätskarte und im Pass wechselt. Bürgerrätin Kaiser erwartet von den neuen Baslern Engagement: «Sie sollen jetzt aktiv an den Bürgerratswahlen teilnehmen und sich allenfalls auch selber zur Wahl stellen.» Die Bürgergemeinde hat vor allem soziale Aufgaben. Damit sollen sich die neuen Basler identifizieren.

Allzu grosse Erwartungen hat Kaiser aber nicht: «Die Beteiligung wird ähnlich stark sein wie in der Durchschnittsgesellschaft.» Einige werden das Basler Bürgerrecht nur beantragt haben, um sich offiziell Basler nennen zu können. Doch auch das hält Kaiser für einen ehrenwerten Grund: «Es ist etwas sehr Schönes und Wertvolles, wenn die Leute Freude haben, Bürger von Basel-Stadt zu sein.»