Die Spieler der Grasshoppers schwankten bei der Matchanalyse zwischen Wehmut über die vergebenen Chancen und Freude über die gezeigte Leistung. Der unermüdliche Amir Abrashi sagte, ein Punkt sei eigentlich zu wenig, um dann doch die reife Vorstellung seiner Mannschaft zu loben und das Fazit zu ziehen: "Ein 1:1 gegen den Meister ist ein ansehnliches Resultat."

Die Grasshoppers zeigten während 90 Minuten einiges von dem, was eine gute Mannschaft auszeichnet. Sie gerieten nach 20 Minuten und nach einer überzeugenden Anfangsphase entgegen dem Spielverlauf in Rückstand. Der Basler Innenverteidiger Fabian Schär nutzte nach einem Eckball eine Unachtsamkeit. GC verlor kurze Zeit den Faden, aber eben nur kurze Zeit.

Angetrieben von einem technisch und kämpferisch starken Mittelfeld erspielte sich das Team von Michael Skibbe ein Übergewicht. Schon in der vergangenen Saison hatte GC dem FC Basel einige Mühe bereitet, doch selten hatte man die Zürcher damals auch in spielerischer Hinsicht so stark dagegenhalten sehen. Der Ausgleich von Izet Hajrovic in der 48. Minute nach einer Kombination über Shkelzen Gashi und Nassim Ben Khalifa war logisch. Hätte Yann Sommer im Basler Tor nicht einmal brilliert und zweimal stark gehalten, wäre auch ein zweiter GC-Treffer gefallen. Sommer erklärte deshalb: "Wir nehmen den Punkt gerne mit."

Der FC Basel musste einige heikle Szenen überstehen, eine war aber besonders kurios. Schiedsrichter Alain Bieri entschied nach einer korrekten Intervention von Sommer an Anatole Ngamukol in der 73. Minute auf Penalty, änderte seine Meinung aber nach Konsultation mit einem seiner Assistenten und heftigen Protesten der Basler. Es war eine der letzten gefährlichen Aktionen in einer packenden Partie - auch weil die Hitze den Spielern irgendwann doch zusetzte.

Die Basler waren mit ihrer Leistung nicht ganz zufrieden. Sie hätten den Grasshoppers zu viel Raum zugestanden, vor allem um den eigenen Strafraum, so Sommer. Der Keeper sah aber auch die eine oder andere Aktion seiner Stürmer. Raul Bobadilla scheiterte zweimal aus guter Position, und Marco Streller wurde kurz vor Schluss im gegnerischen Strafraum von den Beinen geholt. Ein Elfmeter wäre jedoch ein harter Entscheid gewesen.

In der Innenverteidigung der Basler hatte gestern Aleksandar Dragovic seinen Platz wieder eingenommen, nachdem er in der 1. Runde noch gefehlt hatte. Der Österreicher hatte ein sehr gut dotiertes Angebot von Dynamo Kiew abgelehnt, was Trainer Murat Yakin als kluger Entscheid lobte. Eine Garantie, dass Dragovic nun bis mindestens Saisonende in Basel bleibt, gibt es aber nicht. Der internationale Transfermarkt ist noch bis Ende August offen.

Auch GC besitzt keine Garantien. Es sind erst zwei Runden gespielt. Die Aussagekraft des Gesehenen ist klein. Aber es spricht doch einiges dafür, dass auch in dieser Saison mit GC zu rechnen ist. Für Michael Lang kommt dies nicht überraschend: "Wir haben nur einen Spieler verloren (Steven Zuber -Red.). Wir wissen, wie stark wir sind." Auch Abrashi glaubt ohne Vorbehalt an seine Mannschaft: "Nur die Chancenverwertung muss besser werden. Wir müssen vor dem gegnerischen Tor cleverer sein. Dann kommt es gut in dieser Saison."