Aufstiege sind im regionalen Fussball wohl mit das Schönste, was es zu erleben gibt. Aber manchmal können Aufstiege auch der Anfang einer Krise sein. So ist es dem FC Concordia ergangen. Mit einem 0:0 gegen den FC Serrières gelang Congeli 2001 der sensationelle wie unerwartete Aufstieg in die Nati B, die heutige Challenge League. Es war weder geplant noch einkalkuliert, plötzlich in der zweithöchsten Liga der Schweiz zu spielen. Heute, 15 Jahre später, wird über den Aufstieg kaum in positivem Zusammenhang gesprochen. «Die Challenge League war für Congeli vielleicht ein zu grosses Abenteuer», sagt Daniel Schaub, Autor des Buchs «75 Jahre Fussballverband Nordwestschweiz 1939-2014» und langjähriger Kenner der Szene.

Mittlerweile spielt Congeli in der 2. Liga. Regional. Nicht interregional. Belegt dort nach der Hinrunde gerade mal den neunten von 14 Plätzen. Die Gegner heissen nicht mehr FC Winterthur oder FC Thun – beides noch Gegner von Congeli in ihrer letzten Saison in der Challenge League, jener 2008/2009 – sondern FC Dardania oder AC Rossoneri. «Wenn man die aktuelle Situation mit jenen Zeiten vergleicht, dann kann man den Fall in die 2. Liga regional schon als Absturz bezeichnen», bilanziert Schaub. Aber die momentane Situation ist keine, die überraschen sollte. Es ist ein Absturz mit Ansage. Am Ursprung stand tatsächlich das Abenteuer Challenge League. Zuerst wurde der Wunsch, den damaligen Spielort Congelis, den Rankhof, in ein Mini-Joggeli umzuwandeln, aufgrund mangelnden Rückhalts in der Bevölkerung und der Regierung nicht erfüllt. Die AG wurde aufgelöst und Congeli musste sich am 29. Mai 2009 freiwillig aus der Challenge League zurückziehen. Die jahrelange Nummer 2 hinter dem FCB musste in der 2. Liga nochmals neu beginnen. Damals gelang das, was heute in gleicher Lage als fast schon unmöglich erscheint: Congeli stieg innert zweier Jahren zwei Mal auf; spielte wieder in der 1. Liga.

Zwei einschneidende Ereignisse

Es sollte der letzte Ausreisser nach oben sein. Jene nach unten wurden zum Normalfall. Ende der Saison 2014/2015 stieg Congeli als Zweitletzter ab. Spieler gingen. Der direkte Wiederaufstieg wurde verfehlt, Congeli stieg erneut ab. Es war der zweite Abstieg in zwei Jahren. Die Situation in dieser Saison ist wohl aber der Gipfel aller Krisen. «Wir sind damals von der Challenge League freiwillig aus finanziellen Gründen abgestiegen. Der jetzige Absturz ist schlimm», sagt Angelo Corti, damaliger Sportchef von Congeli.

Die Gründe liegen sowohl für Corti als auch für Schaub auf der Hand. «Es gibt zwei einschneidenden Ereignisse: Erstens hat Congeli jahrelang von der Bewirtschaftung im Joggeli gelebt, konnte dort viel Geld herausziehen. Und zweitens hat die schweizweite Entwicklung der Nachwuchsförderung viel verändert», erklärt Schaub. Die Veränderung der Nachwuchsförderung hin zu Lead-Vereinen und der damit verbundenen Zentralisierung hat für Congeli grössere Konsequenzen, als es auf den ersten Blick zu vermuten ist. Durch die Neuregulierung dürfen Partner-Klubs, wie es Congeli einer ist, keine U18 und keine U21 mehr haben – die U16 ist die höchste Altersstufe. «So ist es schwieriger, Spieler zu generieren, die in der ersten Mannschaft integriert werden können», sagt Schaub. Der Anschluss finde nicht mehr statt, weil der Sprung von der U16 zur ersten Mannschaft zu gross ist. Statt beim Verein zu bleiben, verlassen die grössten Talente Congeli in Richtung FC Basel. Wenn es ihnen beim FCB dann nicht reicht, kehren sie aber – anders als früher – nicht mehr zu Congeli zurück, weil es «für FCB-U18-Spieler oder jene der U21 keinen Sinn macht, bei Congeli in der 2. Liga regional Spielpraxis zu sammeln. Also gehen sie zu anderen Vereinen», sagt Corti. So gingen junge Spieler früher – zum Beispiel Marco Streller – für kurze Zeit zu Congeli. In den letzten Jahren wechselten FCB-Talente wie Musa Araz lieber zu Le Mont oder Winterthur.

Der Teufelskreis

In dieser Saison, die im Frühling in die Rückrunde geht, ist das primäre Ziel, «schnell den Ligaerhalt zu sichern und eine solide Basis für eine bessere Zukunft aufzubauen», so Oscar Tato und Anil Kumar, die zusammen ab der Rückrunde die Geschicke leiten werden. Das Duo ist bereits die vierte Besetzung auf dem Trainerposten in dieser Saison. Langfristig sollte das Ziel die 1. Liga sein, dessen sind sich Corti und Schaub einig. Aber der Weg dorthin ist lang. Nicht nur sportlich. «Der Verein konnte sich in den letzten Jahren durch die gesicherten Einnahmen vom Catering Einiges leisten – auch, dass einige Dinge vernachlässigt wurden. So hinken sie in Sachen Donatoren- und Sponsoren-Struktur hinterher. Dort müssen sie sich verbessern», stellt Schaub fest. Und Congeli braucht Sponsoren, ist aber in einem Teufelskreis gefangen, wie Corti sagt: «Je tiefer man als Verein absteigt, umso schwieriger wird es, Sponsoren für die grossen Ziele zu finden, weil das Interesse tiefer ist.» Deshalb gilt: Ein weiterer Abstieg muss zwingend verhindert werden, damit das Interesse nicht noch ganz verschwindet. Denn bei einer Zukunft in den Gefilden der 3. Liga dürfte das fast unvermeidbar sein.