Fussball
FCB-Eigenkapital knackt die 100-Millionen-Marke

Die FC Basel 1893 AG steht auf solidem Fundament – und enteilt der nationalen Konkurrenz wohl immer mehr. Dabei ist die 1. Mannschaft in der Bilanz nur gerade einen Franken wert.

Benjamin Rosch
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Transfers wie jenen von Fabian Frei sowie Einnahmen aus der Champions League führten zu einem erneuten Glanzresultat in der Jahresrechnung.

Transfers wie jenen von Fabian Frei sowie Einnahmen aus der Champions League führten zu einem erneuten Glanzresultat in der Jahresrechnung.

QUELLE: FCB GRAFIK: NCH/BRU

Es ist das vierte Mal, dass Stephan Werthmüller vor die Medien treten und wenig überraschend ein Glanzresultat der FC Basel 1893 AG verkünden darf. Aus dem vergangenen Jahr resultiert ein Gewinn von 12 Millionen Franken.

Das ist die wohl wichtigste Kennzahl, doch oft konnte der Finanzchef einen besonderen Glanzpunkt in der Bilanz hervorheben. «Ich habe immer ein bisschen auf diesen Moment gewartet», kündigte Werthmüller diesen an: Die erste Mannschaft des FC Basel ist genau einen Franken wert. So zumindest wird sie in der Bilanz ausgewiesen.

Natürlich liegt die Summe der Transferrechte viel höher. Wohl mindestens bei 81,9 Millionen Franken. Diese Einschätzung stammt von Sportdirektor Georg Heitz und errechnet sich durch Erfahrungswerte sowie direkte Verkaufszahlen bei Spielertransfers. Auch diese Summe legte der FCB gestern offen, als Teil des Eigenkapitals.

Kapitalentwicklung FC Basel 1893 AG

Kapitalentwicklung FC Basel 1893 AG

QUELLE: FCB GRAFIK: NCH/BRU

Diese Summe wird dort als stille Reserve verbucht. Wobei: Diese Zahl stellt nicht den aktuellen Wert der Mannschaft dar, sondern jenen per 31. Dezember 2015. Seither wurde aber unter anderem Mohammed Elneny an Arsenal verkauft, das aktuelle Kader wäre wohl ein bisschen günstiger.

Rekord beim Eigenkapital

Dennoch bleibt das Eigenkapital des FCB auf der unglaublichen Höhe von 101,3 Millionen Franken, da sein Erlös zu grossen Teilen in Rückstellungen fliesst. Diese beliefen sich vor dem Wechsel auf etwa 10 Millionen, ein Betrag, mit dem der Club locker ein – aktuell unwahrscheinlich erscheinendes – mageres Jahr ausgleichen kann. 101,3 Millionen – das ist ein Rekordhoch beim FC Basel und ein beeindruckendes wirtschaftliches Zeugnis der Führungsetage. Im Jahr 2009 betrug das Eigenkapital noch 19,6 Millionen.

Der rasante Aufstieg ist aber auch durch die allgemeine Entwicklung im Fussball zu erklären. Vor einigen Jahren noch wäre es undenkbar, dass ein Premier League-Verein einen zweistelligen Betrag für einen Spieler im rot-blauen Trikot hinblättert. In vielen Ländern aber erhalten inzwischen die Teams vergleichsweise astronomische Summen für die TV-Rechte. Ein Batzen, der in den Budgets der Clubs einen grossen Posten einnimmt, in der Schweiz jedoch kaum der Rede wert ist und in den nächsten Jahren auch kaum sein wird – dafür ist der Markt schlicht zu klein. International spült dies aber Geld in die Kassen jener Clubs, die an diesem Zirkus teilnehmen dürfen.

Ursache und Folge zugleich sind sportliche Erfolge, vor allem auf europäischer Ebene. Denn Champions und in etwas kleinerem Masse auch die Europa League bringen ordentlich Geld. 20 Millionen waren es im vergangenen Kalenderjahr, als der FCB gegen Porto im Achtelfinal der Champions League stand. Im Herbst kam dann noch die Europa League dazu. Auf der Aufwandseite schlägt das Sahnehäubchen mit fünf Millionen zu Buche, was aufgrund geringerer Prämienzahlungen deutlich weniger ist als im vergangenen Jahr.

Zudem bieten solche Auftritte den Spielern ein grosses Schaufenster. So auch ist zu erklären, dass der FCB wieder 28 Millionen durch Spielerverkäufe auf der Ertragsseite verbuchen kann. Dies dank Transfers wie Derlis Gonzalez, Fabian Frei oder Fabian Schär, aber auch durch Soli-Beiträge durch Weitertransfers, wie etwa bei Xherdan Shaqiri. Das sind zwar immer noch weniger als im vergangenen Rekordjahr, aber dennoch mehr als sich wohl die meisten Gegner in der Schweiz je erträumen dürften. Dieser Club, der inzwischen das Erreichen der EL-Gruppenphase budgetiert, dieser Betrieb, der etwa eine Million Steuern zahlt, er ist zumindest wirtschaftlich der Konkurrenz entrückt. Wobei diese These nicht bewiesen werden kann – niemand legt seine Erfolgsrechnung so offen wie der FCB.

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