Natürlich waren sie gestern auch im Basler Grossen Rat ein Thema: die gewalttätigen Ausschreitungen nach dem FCB-Spiel gegen den FC Zürich vom Sonntag. Sie haben viele schockiert und werfen noch mehr Fragen auf. Handlungsbedarf haben auch die Behörden ausgemacht. Zusammen mit dem FCB wollen sie nun Lösungen erarbeiten.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Nach dem Spiel FCB-FCZ am 10.4.2016: Fussballfans wüten vor dem Basler St.Jakob-Park.

Das aber reicht vielen Politikern nicht. Gerade in einem Wahljahr lassen sie es sich nicht nehmen, selber rasch Forderungen aufzustellen. Diese lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen:

1. Mehr Repression

Per Communiqué forderte die CVP gestern, zu prüfen, ob nicht über Auflagen erreicht werden könne, «dass die Polizei nicht nur ausserhalb des Stadions, sondern auch innerhalb präsent sein könnte, um so rechtzeitig Aggressoren zu identifizieren und auszuschalten». SVP-Grossrat Joël Thüring sieht in erster Linie den FC Basel in der Pflicht: «Der FCB muss nur den Mut haben, die radikalen Rädelsführer rauszufiltern und mit lebenslangem Stadionverbot zu belegen», sagt er. «Das ist nicht so schwer. Die Leute sind bekannt.» Der Verein aber wolle es sich mit der Fankurve nicht verscherzen.

SVP-Grossrat Eduard Rutschmann fordert längere Untersuchungshaft für «Krawallbrüder», worauf Sicherheitsdirektor Baschi Dürr im Parlament auf gesetzliche Vorgaben hinwies. Für eine von zwei verhafteten Personen aber sei nun Untersuchungshaft beantragt worden. «Ich kann nicht verstehen, dass nicht mehr festgenommen wurden», kommentierte Rutschmann.

2. Mehr Vermittlung

SP-Grossrat Thomas Gander verweist auf das «Basler Modell». Die Zusammenarbeit zwischen den Behörden, dem FCB und den Fans habe sich bewährt. Das sieht auch SVP-Kollege Heinrich Ueberwasser so. Um die Situation aber weiter zu verbessern, will er zudem einen «Think Tank» ins Leben rufen. «Noch immer wird oft aus der Überforderung heraus reagiert», sagt er. Eine Arbeitsgruppe solle daher vertieft langfristige Entscheidungsgrundlagen schaffen. «Das findet heute offensichtlich noch nicht genügend statt.»

3. Mehr Zurückhaltung

Für SP-Grossrat Pascal Pfister wirft vor allem die Polizeitaktik Fragen auf. Er weist die Regierung darauf hin, dass es bei verschiedenen Einsätzen von Gummischrot zu schweren Verletzungen gekommen sei. In anderen Ländern werde dies anders gehandhabt.

Gar nicht einverstanden mit dem Polizeieinsatz ist auch alt CVP-Nationalrat Markus Lehmann: «Das Problem ist hausgemacht.» Das unnötige Auftauchen der Polizei habe Fans provoziert. Lehmann: «Für mich besteht denn auch kein grundlegender Handlungsbedarf.» Die Fanszene sei ansonsten ruhig. Warum solle sie also aufgemischt werden? «So wird das eigene ‹Basler Modell› der Deeskalation gekillt.»