Eine Aussage von Präsident Bernhard Heusler, gemacht nach dem 4:2-Auswärtssieg am letzten Mittwoch in Sofia, bringt die «sehr, sehr gute Ausgangslage» des Schweizer Meisters auf den Punkt. «Eigentlich hat der FC Basel in den Playoffs nur etwas zu gewinnen. Aber in der Wahrnehmung der Leute ist das anders. Wenn wir es nicht schaffen, ist das eine Katastrophe. Dementsprechend ist der Druck wahnsinnig gross.»

Trainer Murat Yakin hob bereits kurz nach dem Hinspiel ebenfalls den Mahnfinger. »Es ist ein schöner, aber gefährlicher Vorsprung. Klar ist im Fussball nichts.» Es ist volle Konzentration gefordert, um den Sack zuzumachen. Als grösste Gefahr betrachtete Yakin, dass der Gegner unterschätzt wird. "Aber das wird uns nicht passieren."

Für den FCB hat das zweite Kräftemessen mit Ludogorez eine doppelt wichtige Bedeutung. Einerseits geht es um den finanziellen Aspekt. Denn mit dem Einzug in die Gruppenphase wären dem nationalen Branchenleader Bruttoeinnahmen von gut 20 Millionen Franken garantiert.

Andererseits, so hoffen sie es zumindest in Basel, könnte er eine positive Wirkung auf die Meisterschaft haben. Am kommenden Sonntag steht das Spitzenspiel gegen Leader YB im Programm, mit einem Sieg wäre der Rückstand halbiert (drei statt sechs Punkte). «Wenn wir die Champions League schaffen, wird uns das zu einem richtigen Motivationsschub verhelfen», glaubt Mittelfeldspieler Fabian Frei.

Einen solchen Schub könnte Basel in der Tat gebrauchen, um nach turbulenten Wochen mit vielen Nebenschauplätzen (u.a. Bobadilla) den Fokus endgültig auf das Kerngeschäft legen zu können. Das 1:1 in Luzern mit dem Gegentor in der Nachspielzeit zeigte dem Titelverteidiger auf, dass noch viel Arbeit bleibt.

Auch wenn er durch die Niederlage der Young Boys gegen GC den Rückstand um einen Zähler verkürzen konnte. «Die Räder der rotblauen Maschine beginnen nur langsam schneller zu laufen», schrieb die «Basler Zeitung» in ihrer Analyse.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Von Rückkehrer Matias Delgado etwa kamen die Impulse noch längst nicht in der Kadenz, wie sie sich Yakin wünschen würde. Im Zusammenhang mit dem Argentinier war gar die Rede von «Unsicherheitsfaktor». Nicht nur Delgado, auch die neu formierte Abwehr benötigt weitere Zeit für den Feinschliff.

Immer in Führung gegangen

Immerhin verlangt der 4:2-Vorsprung aus dem Hinspiel nicht, gegen Ludogorez die bedingungslose Offensive zu suchen. «Es liegt am Gegner zu riskieren», sagte Yakin. «Das bietet uns gewisse Räume.»

Sollte sich die Serie des FCB fortsetzen, wird die Aufgabe für den bulgarischen Meister noch schwieriger, als sie ohnehin schon ist. In allen zehn bisherigen Pflichtspielen hat stets der FC Basel das 1:0 erzielt - nur in fünf Fällen gewann er letztlich auch. Ludogorez muss im St.-Jakob-Park 3:0 respektive 5:3 gewinnen, um als zweites Team des Landes nach Levski Sofia vor sieben Jahren in die Gruppenphase einzuziehen.

Osteuropäische Gegner, wie er sie zuletzt mit Cluj (Rum), Zenit St. Petersburg (Russ), Dnjepr Dnjepropetrowsk (Ukr), Flora Tallinn (Est) oder Videoton Szekesfehervar (Un) en masse vorgesetzt erhielt, sind für den FCB eine Crux. Das drang in Gesprächen mit den Verantwortlichen immer wieder durch.

Die Öffentlichkeit erwartet gegen solche Teams Siege respektive das Weiterkommen, unabhängig davon, dass deren Budgets teils massiv über jenem der Basler lagen. Das «Unwissen» hat vor allem mit der fehlenden TV-und Medienpräsenz dieser Ligen zu tun.

Publikumsmagnete waren jeweils die Mannschaften aus West- und Mitteleuropa. Entsprechend hofft der Präsident für das Rückspiel gegen Ludogorez auf den lokalen Support und die Verlängerung der Ungeschlagenheitsserie auf acht Europacup-Heimspiele. «Hoffentlich bildet das Joggeli einen würdigen Rahmen, der das Team zum vierten Mal innert sechs Jahren in die Champions League trägt.» Ob die Fans diesem Appell nachkommen, bleibt fraglich. Bis gestern Abend wurden erst 11'650 Tickets abgesetzt.

Wohl gleiche Startformation

Die Spieler werden selbstredend alles daran setzen, das erste grosse Saisonziel zu erreichen. «Die Mannschaft ist sehr, sehr heiss auf dieses Spiel», versicherte Goalie Yann Sommer. «Alles andere wäre schlimm.» Ein Motivationsfaktor ist die Champions-League-Hymne, zu der die Spieler bereits im Hinspiel in Sofia einlaufen durften. «Allein diese Musik zu hören, ist ein unglaubliches Gefühl.» Aller Voraussicht nach kommen die gleichen elf Basler Akteure in den Genuss, die Klänge kurz vor 20.45 Uhr auf dem Rasen stehend zu lauschen.

Captain Marco Streller ist zwar wieder fit, wird aber gemäss Yakin nicht von Anfang an spielen. «Ich sehe keinen Grund, etwas an der Aufstellung zu ändern.» Allein auf die Defensive mag sich der FCB morgen Abend nicht konzentrieren. Yakin will jenes Gleichgewicht im Spiel finden, »um zu kontrollieren, wie wir es uns in den Heimspielen gewohnt sind». Resultatorientert auftreten nennt er das jeweils.