Ermittlungen
FCB-Präsident Burgener: «Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele unsachliche Attacken erfolgten»

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den neuen Präsidenten des FC Basel, Bernhard Burgener. Es geht um «Untreue, Insiderhandel und andere Straftaten». Burgener sieht sich als Opfer einer «regelrechten Kampagne».

Benjamin Rosch und Daniel Ballmer
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Der neue FCB-Präsident Bernhard Burgener ist im Visier der Münchner Behörden. (Archiv)

Der neue FCB-Präsident Bernhard Burgener ist im Visier der Münchner Behörden. (Archiv)

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Es erscheint als schier unlösbare Aufgabe: die Suche nach Recht und Unrecht im Streit zwischen FCB-Präsident Bernhard Burgener und Dieter Hahn, seinem Nachfolger als Präsident der riesigen Firma Constantin Medien. Beide ringen sie um die Macht im Unternehmen.

Die Winkelzüge der Juristen auf beiden Seiten sind so vertrackt, dass ein Glarner Kantonsgericht vergangenen Herbst einen davon abgelehnt hat. Ein Hauptverfahren müsse geführt werden, alles andere werde der Sache nicht gerecht.

Am Mittwoch machte die «Handelszeitung» publik, dass eine neue Eskalationsstufe erreicht sei. Hahn hat ein Rechtsgutachten erstellen lassen, das seine Sicht der Dinge bestätigen soll. Es füllt zwei Leitz-Ordner.

Im April reichte er Anzeige ein. Die Münchner Staatsanwaltschaft eröffnete darauf ein Ermittlungsverfahren, wie Sprecherin Hildegard Bäumler-Hösl auch gegenüber der bz bestätigt. Wegen Verdachts «auf Untreue, Insiderhandel und andere Straftaten im Zusammenhang mit gesellschaftsrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen der Constantin Medien AG und den von Burgener vertretenen Schweizer Gesellschaften Highlight Communications AG und Highlight Event and Entertainment AG», wie es heisst. Betroffen ist auch Peter von Büren, jüngst in den Verwaltungsrat der FC Basel 1893 AG bestellt.

Erbitterter Machtkampf

Doch was steckt dahinter? Es geht um nichts Geringeres als die Macht der Constantin Medien AG. Eine Firma mit einem Umsatz von einer halben Milliarde, über 1600 Mitarbeitern und einer grossen Rolle in der Unterhaltungsindustrie. Egal ob «Richter Alexander Hold», «Der Name der Rose» oder die Champions League: Flimmern diese Riesenkisten in den Wohnzimmern, ist Constantin Medien irgendwo beteiligt.

«Den Kern der Ermittlungen bildet die Frage, ob Burgener als damaliger CEO der Constantin gegen die Interessen der eigenen Firma gehandelt und sich damit der Untreue schuldig gemacht hat», schreibt die «Handelszeitung» in ihrer heute erscheinenden Ausgabe. Dies, um sich so seinen Einfluss im Geschäft zu sichern, so der unbestätigte Vorwurf. Denn bewiesen ist noch nichts. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Burgener selbst vermutet vielmehr einen weiteren Angriff von Hahn in einem zermürbenden juristischen Hickhack. «Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele unsachliche Attacken in den letzten Monaten erfolgten», wird der neue FCB-Präsident zitiert.

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Imageschaden für den FC Basel

Noch ist es für Experten schwierig, die Situation genau einzuschätzen. Möglicherweise würden die Ermittlungen schon bald wieder eingestellt, sagt ein prominenter Basler Wirtschaftsanwalt. «Im Worst Case aber könnte Bernhard Burgener in einigen Jahren auch zu einer Haftstrafe verurteilt werden, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.» Bis jetzt aber sei das Spekulation.

Für den FC Basel, dessen Präsidium Burgener in wenigen Tagen übernehmen wird und dessen Hauptaktionär er ist, befürchten Experten keine konkreten Konsequenzen. Diese Entwicklung des Rechtsstreits komme ja auch nicht völlig überraschend. Beide Parteien würden mit harten Bandagen kämpfen.

Eines aber sei klar: «Die Ermittlungen sind schädlich fürs Image – für Bernhard Burgener und in zweiter Konsequenz auch für den FC Basel.» Der Verein wollte sich gestern nicht zu dem Fall äussern.

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