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FCB-Präsident Heusler: «Wir haben uns über die Ziellinie geschleppt»

Der FC Basel steht eine Runde vor Schluss der Super League praktisch als Schweizer Meister fest. Mit dem vierten Titel in Folge krönen die Basler am Samstag im Heimspiel gegen St. Gallen eine einmalige Saison.

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Der FCB präsident ist sich bewusst, dass die Meisterschafts-Entscheidung am Ende knapp ausfiel.

Der FCB präsident ist sich bewusst, dass die Meisterschafts-Entscheidung am Ende knapp ausfiel.

Keystone

Die Anzahl Steine, die Bernhard Heusler am Mittwochabend nach dem Schlusspfiff und dem 1:0-Sieg gegen die Young Boys vom Herzen gefallen waren, vermochte der Präsident des FC Basel nicht zu quantifizieren. Die grosse Erleichterung war ihm anzusehen, als er zu später Stunde auf dem Rasen des Stade de Suisse in Bern stand und versuchte, seiner Gefühlslage Ausdruck zu verschaffen. "Wir haben uns über die Ziellinie geschleppt", sagte Heusler, der mit leicht feuchten Augen auch von einem "erlittenen Sieg" und einem "Gewürge" sprach.

Das Leiden in den letzten Wochen

Die Basler hatten gelitten in den letzten Wochen: Heusler, die Mannschaft, der Klub und die Sympathisanten des Vereins, die auf mittlerweile über 500'000 geschätzt werden. Die Aufholjagd in der Meisterschaft und der fulminante Höhenflug in der Europa League in diesem Frühjahr, der erst im Halbfinal an der Londoner Stamford Bridge gegen den späteren Sieger Chelsea zu Ende ging, hatten Energie gekostet und Spuren hinterlassen. Auf nationalem Parkett war der Liga-Krösus zuletzt ins Wanken geraten. Drei Niederlagen hatten die Basler vor dem Auftritt in Bern in den sechs Meisterschaftsspielen zuvor hinnehmen müssen, exakt gleich viele wie in den ersten 28 Spielen der Super League.

Hinzu kam die Niederlage im Cupfinal gegen die Grasshoppers, als der FCB erstmals seit der "Finalissima" 2006 wieder ein entscheidendes Spiel auf nationaler Ebene verlor. Und nach der neuerlichen Niederlage gegen die Zürcher am letzten Sonntag in der Meisterschaft, dem ersten vergebenen Meisterball aus Basler Sicht, kamen erste vage Erinnerungen an 2006 auf, als der FC Basel in der Schlussphase der Meisterschaft einen Vorsprung von sechs Punkten noch preisgegeben hatte - ebenfalls nach einer erfolgreichen, aber kräftezehrenden Europacup-Kampagne.

Ein mögliches Worst-Case-Szenario aus Basler Sicht wurde aber bei erstbester Gelegenheit abgewendet. Der 1:0-Sieg gegen die Young Boys war das entscheidende Puzzle-Teil auf dem Weg zum 16. Meistertitel der Vereinsgeschichte, dem achten seit der Jahrtausendwende - auch wenn rein rechnerisch der Titel noch nicht unter Dach und Fach ist. "Für uns ist klar, dass wir Meister sind", sagte Fabian Frei, der mit seinem souverän verwandelten Penalty dem FCB den Weg zum Sieg in Bern geebnet hatte. Die Freudenschreie der Spieler, der Duft der Zigarren und eilig organisierte Bierflaschen in den Katakomben des Stade de Suisse unterlegten Freis Worte. Die Basler Feierlichkeiten hielten sich allerdings in Grenzen. "Wir machen kein grosses 'Traritrara', aus Respekt vor den Grasshoppers und St. Gallen, die beide eine hervorragende Saison gespielt haben", so Frei, der am Samstag gegen seinen ehemaligen Verein St. Gallen gesperrt sein wird.

Historischer vierter Titel

Die ganz grosse Basler Meisterparty wird am Samstagabend im St.-Jakob-Park und anschliessend auf dem Barfüsserplatz in der Basler Innenstadt steigen - ein Ritual, das sich die Basler inzwischen gewohnt sind. Mit dem vierten Meistertitel haben die Rot-Blauen auch auf nationaler Bühne Historisches geschafft. Erst als zweiter Verein nach den Young Boys Ende der Fünfzigerjahre gelingt es den Baslern, vier Meistertitel in Serie zu gewinnen. "Es war der Auftrag, den uns der Präsident an der Generalversammlung am Montag gegeben hat", sagte Frei. Der Mittelfeldspieler sprach von einer grandiosen Saison, "einer der besten, die der FCB je gesehen hat".

Noch im letzten Herbst hatte wenig auf einen solchen Verlauf mit einem rot-blauen Happy-End hingedeutet. Die Mannschaft war nach verpasster Champions-League-Qualifikation harzig in die Europa League gestartet und auch in der Meisterschaft wie so oft in den letzten Jahren nicht richtig in die Gänge gekommen. Hinzu kam der Trainerwechsel von Heiko Vogel zu Murat Yakin - eine Rochade, die sich inzwischen als richtig erwiesen hat, der Führungscrew um Heusler und Sportdirektor Georg Heitz aber heftige Kritik aus der FCB-Familie eingetragen hatte. Wohl auch aufgrund der entstandenen Wogen um diesen Personalentscheid hatte Heusler am späten Mittwochabend mit den Emotionen zu kämpfen. Und wohl auch deshalb ist es für den 49-Jährigen "keine tolle, sondern eine einmalig gute Saison".